Hrísey – Die Perle des Eyjafjörður

Recht zutrauliche Alpenschneehühner soll es auf Hrísey geben. Genau das richtige für mich! Also machten wir uns auf den Weg auf die Insel. Von Árskógssandur, etwa 35 km nördlich von Akureyri, legt alle 2 Stunden eine Fähre ab. Die Tickets kauft man direkt an Bord für ca. 15 € inkl. Rückfahrt .

Die Überfahrt dauert ungefähr 15 Minuten. Es wird zwar empfohlen, die Tickets in der Touristeninformation in Akureyri vorzubestellen, da wir uns aber relativ spontan zu diesem Ausflug entschlossen haben, haben wir das nicht gemacht. Man wird trotzdem problemlos mitgenommen.

Hrísey Perle des Eyjafördur
Blick auf Hrísey von der Fähre

Hrísey liegt im Norden von Island im Eyjafjörður und ist mit 7,5 km Länge und 2,5 km an der breitesten Stelle die zweitgrößte nach Heimaey (Vestmannaeyjar). Im Sommer leben dort ungefähr 200 Menschen.

Es gibt verschiedene Museen, ein Geothermalschwimmbad, Fahrten mit umgebauten Traktor und einige gekennzeichnete Wanderwege.

Im ältesten Haus der Insel, dem Haus von Shark Jörundur, kann man etwas über die Geschichte von Hrísey sowie über die Geschichte des Haifischjagd erfahren. Die Touristeninformation befindet sich im selben Gebäude. Im Haus Holt kann man sich anschauen, wie man als Arbeiter früher auf der Insel gelebt hat. Umgebaute Traktoren stehen für eine ca. 40-minütige Rundfahrt bereit, unter anderem zum Leuchtturm, der sich im nördlichen Teil der Insel befindet. Mitte Juli findet das jährliche Familienfest, mit Essen, Tanz, Musik, Spielen und Lagerfeuer, statt.

Hrísey Perle des Eyjafördur
umgebaute Traktoren bereit für eine Rundfahrt

Aber ich wollte ja Schneehühner sehen, also ließen wir das kleine Örtchen hinter uns und begaben uns auf einen der Wanderwege, den Roten um genau zu sein. Da seit 1974 kein Schaf mehr die Insel betreten hat, konnte sich die Vegetation sehr gut erholen und ausbreiten. Man findet Wollweide, Teeblättrige Weiden, Wachholder, Birken und jede Menge andere Pflanzen. Ihren Namen bekam Hrísey übrigens von der Pflanze „hrís“ (Betula nana, Zwerg- oder Polar-Birke), die zur Zeit der Besiedlung den Großteil der Insel bedeckte.

Zurück zu den Vögeln. Ungefähr 40 Arten brüten auf Hrísey und sind dabei mit einer mehr oder weniger großen Anzahl vertreten. Da sie hier keine Feinde haben und auch die Vogeljagd sowie das sammeln der Eier mittlerweile verboten ist, gilt die Insel als Schongebiet und die Vögel können hier ungestört brüten. Bodenbrüter finden hier die perfekte Vegetation und es gibt reichlich Futterangebot. Damit erklärt sich auch die große Anzahl und die Artenvielfalt. Für Vogelfreunde ein echtes Muss! Am Lambhagatjörn-Teich, im Süden nahe des Örtchens, gibt es ein Vogel-Beobachtungshäuschen, von welchem aus man verschiedene Enten- und Watvögelarten beobachten kann.

Hrísey Perle des Eyjafördur
brütende Möwen im Felsen

Und wo sind jetzt die versprochenen Schneehühner? Auf unserer Suche führte uns der Wanderweg offensichtlich durch das Brutgebiet einer riesigen Küstenseeschwalbenkolonie, die sich selbstverständlich sofort aufgefordert fühlte uns mit Scheinangriffen zu vertreiben. Es erinnerte ein wenig an Hitchcocks „Vögel“. Da wir mit dieser Gattung aber bereits an anderer Stelle unsere Erfahrung gemacht hatten, ließen wir uns nicht weiter beeindrucken und setzten unseren Weg fort. Da, wo der Wanderweg wieder an die Küste führt, machten wir eine Pause und ließen unseren Blick über das Meer schweifen. Wie sich herausstellte, war dieses Fleckchen eine sehr gute Wahl. Wo sonst hat man zum Mittagimbiss kostenlose Sicht auf Wale?  Auch ließen sich hier reichlich Möwen gefahrlos aus relativer Nähe beim brüten im Felsen beobachten.

Hrísey Perle des Eyjafördur
Mittagspause

Immernoch kein Schneehuhn. So langsam begaben wir uns auf den Rückweg. Mit dem Blick auf die Landschaft, versuchte ich das Krächzen der Seeschwalben nachzuahmen. Ärgerlicherweise fühlte sich dadurch eins der begehrten Schneehühner wohl belästigt, sodass es direkt neben uns empört aufflog und sich 3 Meter weiter, gut getarnt in der Vegetation, wieder niederließ. Als Strafe für meine mehr als schlecht nachgeahmten Schwalbendrohrufe gab es dann eben nur ein Schneehuhn-Suchbild.

Wir gaben die Suche letztendlich auf. Wir hatten noch ein bisschen Zeit bis zum ablegen der Fähre und schlenderten noch ein wenig in Ortsnähe eine kleine Straße entlang. Dann plötzlich.. ich glaubte es kaum.. eine Robbe! Ein weiteres Tierchen nachdem ich schon seit einigen Tagen immer wieder Ausschau halte! Ich konnte gerade noch schnell den Auslöser drücken bevor sie sich von ihrem Stein ins Wasser gleiten ließ. Im Wasser schien sie sich sicher zu fühlen und war offenbar neugierig genug um noch eine Weile zu bleiben. Wir starrten uns ein paar Minuten an, dann mussten wir los um die Fähre nicht zu verpassen.

Hrísey Perle des Eyjafördur
eine einsame Robbe

Für Natur- und Vogelfreunde ist Hrísey auf jeden Fall empfehlenswert. Da es touristisch auch (noch) nicht überlaufen ist, ist man quasi allein und kann wunderbar entspannen und die Natur genießen.

Mein Fazit: Die Schneehuhnjagd war leider erfolglos, dafür zeigte sich endlich eine Robbe (im Übrigen auch die einzige, die uns in 14 Tagen über den Weg lief). Herrliche Natur mit unglaublichen Ausblicken. Hat sich auf jeden Fall gelohnt! Gerne wieder, dann ohne Vogelgeräuschimitation und hoffentlich dem ein oder anderen Schneehuhn!

Noch ein paar Eindrücke:

Hrísey Perle des EyjafördurHrísey Perle des Eyjafördur

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