Vestmannaeyar – Pompeji des Nordens

Oder zu deutsch: die Westmännerinseln. Ein aus 15 Inseln sowie Schären und Klippen bestehendes Archipel vor der Südküste Islands. Erst vor 10 – 20.000 Jahren entstanden, ist es eine noch recht junge Inselgruppe. Ihr jüngstes Mitglied, Surtsey, ist tatsächlich erst 5.000 Jahre alt. Ursache für die Entstehung war, wie üblich auf Island, ein Vulkanausbruch. Mit Lage direkt auf dem Mittelatlantischen Rücken, befinden sich die Westmännerinsel in einer aktiven Vulkanzone, sodass man jederzeit mit einem erneuten Ausbruch rechnen kann.

Westmännerinseln
im Hafenbecken

Der letzte liegt etwas mehr als 40 Jahre zurück. 1973 riss auf der Hauptinsel Heimaey mitten in der Nacht die Erde in Form einer 1.600 km langen Spalte auf. Aus mehreren Kratern ergoss sich ein Lavastrom in Richtung Ort. Da sich die meisten Fischer und ihre Boote aufgrund eines Sturms im Hafen befanden, konnten die Bewohner sofort evakuiert werden. Einige wenige blieben zurück um zu verhindern, dass die Lavaflut die lebensnotwendige Hafenzufahrt blockierte. Mehrere Tonnen Meerwasser wurden mithilfe von Pumpen dem Lavastrom entgegengesetzt, in der Hoffnung diesen abkühlen und aufhalten zu können – mit Erfolg. Der Ausbruch dauerte mehrere Monate und begrub 1/3 der Häuser unter Lava und Asche. Durch abgekühlte Lava vergrößerte sich Heimaey um 2,2 km².

Westmännerinseln
Blick auf den neu entstanden Teil der Westmännerinseln

Heimaey ist die einzige dauerhaft bewohnte Insel. Mit der Fähre von Landeyjahöfn kann man sie in 30 – 45 Minuten erreichen. Wer lieber fliegen mag, kann das von Reykjavík oder Bakki aus machen.

Auf der Insel angekommen hat man nun mehrere Möglichkeiten den Tag zu verbringen. Bustouren oder geführte Touren über die Insel werden angeboten, verschiedene Anbieter für Bootsausflüge rund um die Insel (inklusive Whale und Puffin Watching) findet man im Hafen, Museen, ein Aquarium und reichlich Wandermöglichkeiten.

Westmännerinseln
verschüttetes Haus am Volcano Museum

Wir entschieden uns natürlich für eine Wandertour und beschlossen den Vulkan Eldfell zu erklimmen. Wir starteten unsere Tour etwas außerhalb des Ortes am Vulkanmuseum und folgten einem Wanderweg durch Lavagebiet mit herrlichem Ausblick bis wir endlich am Fuße des Vulkans standen. Nun begann der Aufstieg. Teilweise recht steil (für meine Verhältnisse) und mit losem Gestein, für Menschen die über ein Minimum an Fitness verfügen aber keine wirkliche Herausforderung – ich empfehle auf jeden Fall festes Schuhwerk!

Westmännerinseln
Beginn unserer Wanderung durch eindrucksvolle Landschaft

Beim Aufstieg hat man immer wieder spektakuläre Aussicht und man kann auch wunderbar auf den Helgafell blicken, ein weiterer Vulkan auf Heimaey, den man im Übrigen auch besteigen kann. Oben angekommen genießt man einen Rundumblick über die gesamte Insel bis hin zum Festland und kann auch einige der umliegenden, zum Archipel gehörigen Inseln sehen. Obwohl der letzte Ausbruch schon mehrere Jahrzehnte zurückliegt, strahlen einige der Lavabrocken auf dem Gipfel immer noch Wärme ab. Für den Abstieg wählten wir einen seitlichen, sehr steilen Trampelpfad. Sparte uns viel Zeit aber man kommt aufgrund des losen Untergrunds schnell ins rutschen.

Westmännerinseln
Aussicht vom Vulkangipfel

Wem das klettern auf den Vulkan nicht anspruchsvoll genug ist, kann vom Hafen aus den Gipfel des Heimaklettur erklimmen – mit 283 m der höchste Punkt der Insel. Ja, nicht unbedingt ein Riese, allerdings ist der Weg zum Gipfel sehr steil und führt teilweise über Leitern und Ketten.

Wanderwege bietet auch das im Norden liegende Tal Herjölfsdalur und die umliegenden Berge. Zudem gibt es hier einen Zeltplatz.

Lieber einmal die Insel umrunden? Auch möglich! Von Herjölfsdalur führt ein Weg entlang der Küste bis an die Südspitze, von woaus man dann über die Ostküste zurück zum Eldfell laufen kann.

Das 1973 beim Ausbruch entstandene Lavafeld ist ebenfalls mit einigen Wanderwegen durchzogen. Hier kann man die Auswirkungen solcher Naurgewalten noch erahnen – Schilder zeigen, wo einst Straßen waren und gelegentlich kommt man an Überresten verschütteter Häuser vorbei.

Wir haben nur den Eldfell bewandert. Zu den anderen Wanderempfehlungen kann ich also nicht viel sagen. Vielleicht bei meinem nächsten Besuch der Westmännerinseln. 

Noch ein paar Eindrücke:

Westmännerinseln
Vorgarten mit Walknochen
Westmännerinseln
vorgelagerte Inseln
Westmännerinseln
Blick aufs Meer

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2 Gedanken zu „Vestmannaeyar – Pompeji des Nordens

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