Von Traditionen und Frauenrechten – Genitalverstümmelung

Es gibt viele Traditionen und Bräuche, die gegen Menschenrechte und im Besonderen gegen Frauen- und Mädchenrechte verstoßen. Eine der wohl grausamsten ist die Genitalverstümmelung. Spätestens seit 1998, als Waris Dirie mit ihrem Buch „Wüstenblume“ dieses Thema und damit ihre eigene Geschichte der Öffentlichkeit preisgab, wissen wir, welche Qualen und Schmerzen Millionen von Mädchen und Frauen auch heute noch erleiden müssen.

Was genau passiert da eigentlich? Es gibt verschiedene Verfahren, bei denen die äußeren Genitalien entfernt werden – von der teilweisen oder vollständigen Entfernung der Klitoris, der inneren und äußeren Schamlippen bis hin zur Verschließung der Scheide durch zunähen. Bei letzterem bleibt lediglich eine wenige Millimeter große Öffnung. All das geschieht in den meisten Fällen zudem noch unter unhygienischen Bedingungen mit einer Rasierklinge, Glasscherbe oder ähnlichem, zum Nähen werden Dornen verwendet. Dadurch besteht natürlich zusätzlich ein extrem hohes Infektionsrisiko. Ganz zu schweigen von den Folgen, mit denen diese Frauen und Mädchen leben müssen. Wer bei der Prozedur nicht verblutet oder an einer Infektion verstirbt, trägt psychische und physische Schmerzen ein Leben lang mit sich. Häufig kommt es später bei Geburten zu teilweise tödlichen Komplikationen – für Mutter und Kind.

Warum wird diese Tradition heute noch fortgesetzt? Sicher denken viele jetzt, welche Mutter kann es zulassen, dass ihrem Kind so eine Grausamkeit angetan wird! Gerade auch, weil sie selbst die Erfahrung machen musste. Oftmals wird dann die Religion als Wurzel allen Übels genannt. Hier nicht. Keine der großen Weltreligionen verlangt dieses Ritual. Dennoch ist es seit Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden fest verankert in den Kulturen. Und je nach Kultur gibt es verschiedene Gründe für das Festhalten an der Tradition. Als Übergangsritual vom Mädchen zur Frau, bessere Heiratschancen, spirituelle Reinigung und Erhalt der Jungfräulichkeit oder man tut es einfach aus Gründen einer Tradition, die nie hinterfragt wurde.

In vielen Regionen ist die Beschneidung der Mädchen Voraussetzung um überhaupt heiraten zu können. Dann heiraten sie eben nicht, mag man an dieser Stelle sagen wollen. Eine Heirat ist aber für viele der einzige Weg aus der Armut und um einen gewissen Grad an wirtschaftlicher Absicherung zu erlangen. Dass die Mädchen meist auch noch viel zu früh verheiratet werden um finanzielle Last von den Schultern ihrer Familien zu nehmen, weiß man sicher auch.

Mädchenrechte
Foto: Simone Schwarz/SAIDA International e.V.

Es ist ein Teufelskreis aus dem schwer auszubrechen ist. Arme Eltern lassen ihre Mädchen beschneiden, damit sie sie recht bald verheiratet können und sich somit nicht mehr um deren Unterhalt sorgen müssen. Verheiratete Mädchen gehen nicht zur Schule, weil sie ja Kinder bekommen. Keine Schulbildung heißt auch keine Ausbildung und somit kein Einkommen was wiederum zu Armut führt. Armut bedeutet, das auch diese Generation Eltern ihre Mädchen zur Beschneidung bringt um sie frühestmöglich zu verheiraten.

Durch diese Beschneidung werden Frauen und Mädchen auf eine einzige Rolle reduziert – Ehefrau und Mutter. Frühehen, Bildungslosigkeit und geringe Lebenserwartung prägen damit das Leben vieler Mädchen.

Wo kann man also ansetzen um Umdenken zu fördern? Bei so tief in der kulturellen Identität verwurzelten Traditionen und Ritualen ist es schwer ein Umdenken anzustoßen. Tradition schweißt zusammen, gibt Halt und stärkt unser Wir-Gefühl. Besonders in schweren Zeiten, wenn man aufeinander angewiesen ist, sucht man Rückhalt in Traditionen und Bräuchen. Wer sich der Tradition verweigert wird aus der Gemeinschaft verstoßen und geächtet.

Solange Frauen arm und ungebildet bleiben müssen, sind sie weiterhin an derartige kulturelle Rituale gekettet.

Die Mädchen und Frauen müssen also gestärkt werden. Sie müssen weg von ihrer alleinigen Rolle als Ehefrau und Mutter. Sie brauchen Bildung und Arbeitsmöglichkeiten. Sie brauchen ein eigenes Einkommen um ihren wirtschaftlichen Status nicht von einem Ehemann abhängig machen zu müssen. Sie brauchen eine eigene Zukunft.

Was kann ich tun? Nun macht es sicher keinen Sinn, wenn wir alle einzeln losziehen und versuchen die Welt zu ändern. Ein Prozess des Umdenkens muss initiiert werden. Das erreicht man nicht von heute auf morgen und auch nicht wenn jeder sein eigenes Ding macht. Das erfordert Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit die nur auf Basis des Vertrauens funktioniert.

Mädchenrechte
Foto: Simone Schwarz/SAIDA International e.V.

Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit dahingehend, dass es eben nicht Ziel einer Gemeinschaft sein kann ihre Frauen zu unterdrücken und zu verstümmeln. Dass starke Frauen, die sich selbst versorgen, weil sie eben Bildung genossen haben und einer Arbeit nachgehen, viel mehr zur Gemeinschaft und deren Wohlstand beitragen können. Dazu brauch es Veränderung in den Köpfen und den Mut die alteingesessenen Strukturen hinter sich zu lassen. Mut deshalb, weil Veränderung immer ein Schritt in Richtung Unbekanntes ist. Und das Unbekannte macht dem Menschen Angst. Gegen Angst hilft Vertrauen, Vertrauen zu anderen Menschen die den Prozess der Veränderung unterstützen.

SAIDA international e.V. macht genau das seit 2011 und hat auch schon einige Erfolge vorzuweisen. Schwerpunktmäßig wird hier in Burkina Faso und Kamerun mit verschiedenen Projekten unterstützt – so zum Beispiel einem Mädchenschutzprogramm, Unterstützung des örtlichen Frauenvereins ASMED bei der Aufklärungsarbeit und Schaffen von Einkommensquellen für Frauen.

Ziel ist es Mädchen- und Frauenrechte vor Ort durchzusetzen, Lebensumstände nachhaltig zu verbessern und so zu einem selbstbestimmten Leben zu verhelfen. Mit ständigem Kontakt zu den Menschen vor Ort, regelmäßiger Kommunikation sowie Projekt- und Aufklärungsarbeit gelingt dieses Vorhaben Stück für Stück.

Wer sich gern einbringen oder einfach nur mehr über den Verein SAIDA international e.V. und seine Arbeit wissen möchte, kann sich hier informieren:

Saida international e.V. Homepage

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Meiner Meinung nach eine Arbeit, die man auf jeden Fall unterstützen sollte. Oder was meint ihr? Gibt es andere Projekte, die ihr unterstützt?

 

Fotos: Simone Schwarz/SAIDA International e.V.

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