Zwickau – weit mehr als Automobilindustrie I

Am Fuße des Erzgebirges, an der Zwickauer Mulde liegt die viertgrößte Stadt Sachsens. Zwickau oder im sächsischen Volksmund auch „Zwigge“ genannt, gilt als Wiege der sächsischen Automobilindustrie.  Horch und Audi entdeckten Zwickau Anfang des 20. Jahrhunderts. Später wurde hier das ostdeutsche Auto schlechthin – der Trabant – produziert. Heute hat VW seinen größten Standort der neuen Bundesländer im Zwickauer Stadtteil Mosel. Dabei hat Zwickau viel mehr zu bieten als Automobilindustrie.

 

 

1108 das erste Mal als territorio Zcwickaw erwähnt, feiert es 2018 bereits seinen 900. Geburtstag. Durch die günstige Lage an wichtigen Handelswegen gelangte Zwickau schnell zu Wohlstand. Silber-, Kupfer- und Steinkohlevorkommen trieben den Bergbau voran. Außerdem galt Zwickau lange Zeit als Zentrum der Tuchmacher. Weit über die Grenzen Sachsens bekannt war das „Zwicksche Tuch“ seinerzeit.

Mehrfach brannte die Stadt nieder, wurde belagert, geplündert und immer wieder aufgebaut. Der Komponist Robert Schumann wurde hier geboren und Thomas Müntzer predigte erst in der Marien-, später in der Katharinenkirche.

Robert-Schumann-Stadt, Perle Westsachsens, Stadt der tausend Takte, Reformationsstadt, Muldestadt. Zwickau hat viele Beinamen, die auch auf die facettenreiche Geschichte hindeuten. Grund genug, sich einmal genauer umzusehen.

 

Eine Perle in diesen Landen ist Zwickau von jeher gewesen, weil es über Zucht und Sitte mit größerer Strenge wacht als die meisten anderen Städte, und weil es fruchtbar ist an vielen Talenten und viele Bürger gehabt hat und noch hat, die durch ihre Bildung hervorragen, dass sie ganz Deutschland zur Zier gereichen. In Kunst und Wissenschaft übertrifft Zwickau alle Städte dieser Lande.“ – Philipp Melanchthon, 1548

 

Dom St. Marien und Priesterhäuser

Die Marienkirche entstand 1180 als romanische Saalkirche. Später wurde sie zu einer dreischiffigen Hallenkirche im spätgotischen Stil umgebaut. 1672 beschädigte ein Blitzschlag den Glockenturm. Man ersetzte ihn durch einen neuen im barocken Stil. 1520 predigte Thomas Müntzer hier vertretungsweise bevor er in die Katharinen-Kirche wechselte. Gegenüber des Haupteingangs stehen die Priesterhäuser. Sie gehören zu den ältesten erhaltenen Wohngebäuden in Sachsen. Der Deckenbalken im Haus Nr. 7 ist nachweislich von 1264! In den spätmittelalterlichen Häuschen mit den typischen steilen Satteldächern befindet sich heute das Museum für Stadt- und Kulturgeschichte.

 

 

Hauptmarkt

Auch der Hauptmarkt hat einiges an historischer Architektur zu bieten. In der Hausnummer 18 befand sich früher die Salomonisapotheke, auch als Kräutergewölbe bekannt. Direkt daneben, im Haus mit der Nummer 17, befand sich die Löwenapotheke. Nachweisbar seit 1478 ist sie somit eine der ältesten Apotheken Deutschlands. Auch hier sieht man wieder schön die typischen alten Satteldächer der mittelalterlichen Baukunst. Heute kann man hier unter der alten Holzdecke und dem Kreuzgewölbe zu Kaffee oder Speisen einkehren. Am Abend gibt es Live-Musik oder man lauscht einem DJ. Die Löwenapotheke befindet sich übrigens immer noch am Hauptmarkt direkt nebenan.

Der Hauptmarkt ist auch der Ort an dem Robert Schumann die ersten Jahre seines Lebens verbrachte. Das Robert-Schumann-Haus steht an der Ecke Münzstraße. Es beherbergt die Gedenkstätte mit umfangreicher Sammlung an Werken und Gegenständen aus seinem Nachlass. Am nordöstlichen Hauptmarkt findet man das 1991 enthüllte Schumann-Denkmal.

Martin Römer wohnte ebenfalls am Hauptmarkt im 1497 erbauten Römerhaus. Er schenkte der Stadt unter anderem den Schwanenteich und 2 Kornhäuser. Zu Reichtum gelangte er durch Silberbergbau. Das Zwickauer Gewandhaus von 1522 war bei meinem Besuch leider komplett hinter einem Baugerüst verschwunden. Ebenfalls einen Blick wert ist das Rathaus von 1403.

 

 

 

Dass sich der Beitrag so lang gestaltet, weil Zwickau tatsächlich so sehenswert ist, habe ich nicht erwartet. An dieser Stelle verweise ich daher auf Teil 2. Da erzähle ich euch dann noch ein wenig über die zweite wichtige Kirche Zwickaus. Ihr erfahrt etwas über das Kornhaus und was ich auf meinem langen Spaziergang an der Mulde entdeckt habe.

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6 Gedanken zu „Zwickau – weit mehr als Automobilindustrie I

    1. Da hast du auf jeden Fall Recht! Ich lebe schon immer hier und hab so viele der schönen Ecken noch nicht gesehen. Stück für Stück werde ich diese nun aber erkunden 😉
      liebe Grüße
      Carina

  1. Hallo Carina,

    da hast du nicht zu viel versprochen. Ich hätte nicht gedacht, dass Zwickau so schön ist. Vielleicht komme ich ja mal in die Nähe, dann mache ich auf jeden Fall einen Halt dort.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
    Christine

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