Zwickau – weit mehr als Automobilindustrie II

Nachdem wir uns im ersten Teil den Dom St. Marien, die Priesterhäuser und den Hauptmarkt mit seiner reichhaltigen Architektur angesehen haben, kommen wir nun zur zweiten, wichtigen Kirche in Zwickau. Nachdem wir noch kurz einen Abstecher zum Kornhaus gemacht haben, begeben wir uns dann auf den Mulderadweg.

St.-Katharinen-Kirche

Die zweite wichtige Kirche Zwickaus ist die Katharinenkirche. Ebenfalls eine dreischiffige gothische Hallenkirche, gebaut zwischen 1212 und 1219. 1464 wurde der Chor verlängert und Dachreiter aufgebaut, später entstanden die Seitenschiffe. Der Turm war einst viergeschossig, heute sind es nur noch drei. Von 1520 bis 1521 predigte Thomas Müntzer in dieser Kirche. Ein Denkmal davor erinnert daran. Zwickau wurde als zweite Stadt, nach der Luther-Stadt Wittenberg, lutherisch.

 

 

Kornhaus

Ein Geschenk an die Stadt Zwickau von Martin Römer. Im 15. Jahrhundert als Kornspeicher gebaut, diente das Gebäude gleichzeitig als Zeughaus für Geschütze und Verteidigungswaffen. 1835/36 erfolge der Umbau zum Gefängnis und die Angliederung an die Haftanstalt Schloss Osterstein. Nach der Auflösung der Strafvollzugsanstalt nutzte man es bis 1990 als Lager-und Bürogebäude und überließ es anschließend dem Verfall. Nach aufwändiger Sanierung beherbergt es heute die Stadtbibliothek. Bei diesem Bauwerk handelt es sich um das größte noch existierende mittelalterliche Kornhaus Sachsens.

 

 

Muldeparadies

Geht man von der Katharinen-Kirche Richtung Zwickauer Mulde, gelangt man ins Muldeparadies. Ein hübsch angelegtes Idyll mit Spielplätzen, Ruhebänken und einem Grillplatz direkt auf dem Tunnel der B 93. Zwischen Parkanlage und Mulde kann man einige Kilometer direkt am Wasser die Muldepromenade bzw. den Mulderadweg entlang spazieren. Oder man nimmt das Fahrrad – sagt der Name ja schon. Einziger Nachteil: man hat stellenweise die Straße und somit entsprechenden Straßenlärm direkt daneben. Es wird aber besser, je weiter man stadtauswärts geht.

 

 

Paradiesbrücke und Röhrensteg

Entlang des Mulderadweges kommt man an verschiedenen Brücken vorbei. Erwähnenswert sind hier zum Einen die Paradiesbrücke. 1900 in ihrer heutigen Forrm fertiggestellt fand man vorher an dieser Stelle eine überdachte Holzbrücke aus dem 17. Jahrhundert. 1945 diente die Paradiesbrücke als eine Art Grenzübergang zwischen der sowjetischen und amerikanischen Besatzungszone. Demarkationslinie war die Mulde.

 

 

Ihren Namen erhielt die Brücke angeblich von Luther. Als er vor bewaffneten Franzsiskaner-Mönchen über die Muldebrücke floh und dort in das erste offenstehende Haus, ein Wirtshaus, rannte, soll er gesagt haben:

„Gott sei Dank, dass er mich dieses Haus finden ließ. Denn wahrlich, es ward mein Paradies.“

Das Wirtshaus hieß von da an „Paradies“ und auch die Brücke kam damit zu ihrem Namen.

Folgt man dem Radweg weiter in südlicher Richtung, gelangt man an den Röhrensteg – die älteste der drei historischen Holzbrücken in Sachsen. Die Brücke gibt es seit ca. 1535, seit 1790 in der heutigen Form mit Überdachung.

 

 

 

Und noch viel mehr!

Tatsächlich ist das noch lang nicht alles, was Zwickau an Sehenswertem zu bieten hat. Zu erwähnen sind unbedingt noch:

Der Schwanenteich – die älteste Parkanlage Zwickaus. 1473 mit ursprünglich 5 Teichen angelegt. 1950 bekam die Anlage ihren heutigen Volksparkcharakter. Zahlreiche Wege laden zum spazieren ein. Im Übrigen auch ein Geschenk des Zwickauer Gönners Martin Römer.

Den Kornmarkt sollte man auch nicht außer Acht lassen. An der Münzgasse 12 steht ein kleines Häuschen, genannt das Schiffchen. 1967/68 abgerissen und originalgetreu wieder aufgebaut. Am Haus finden sich architektonische Elemente von Romantik bis Gotik. Seit 1600 lebten hier Seilerfamilien. Auch den Brunnen der Kornmüller sollte man kurz in Augenschein nehmen.

In der Nähe des Kornmarktes, da wo früher das Obere Stadttor war, steht seit 2002 eine Postdistanzsäule. Kein Original aber dennoch einen Blick wert.

Am Katharinenkirchhof befindet sich Schloss Osterstein. 1221 vermutlich als Verwaltungs- und Wehrbau errichtet, nutzte man es von 1775 bis 1962 als Strafanstalt. Danach diente es nur mehr als Lager, Wäscherei, Verfalls- und Spekulationsobjekt. Heute befindet sich im Schloss ein Altenheim.

Am Muldeparadies steht heute noch ein kleines Stück der alten Stadtmauer mitsamt des Pulverturms. Dieser diente, wie der Name schon verrät, zur Lagerung von Schießpulver. Leider wurde auch hier gerade gebaut.

Zum Abschluss möchte ich noch das Dünnebierhaus am Neuberinplatz 1 erwähnen. 1480 mit Vorhangbogenfenstern und filligran verziertem Staffelgiebel gebaut. Ein ungewöhnlicher Blickfang.

 

 

Ich habe an einem Tag leider nicht alles geschafft. Man sollte wohl einen zweiten Tag einplanen, wenn das Ganze nicht in Stress ausarten soll.

Wart ihr schon mal in Zwickau? Was hat euch gefallen, was nicht so sehr? Habe ich was vergessen, was unbedingt noch ergänzt werden muss?

 

 

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5 Gedanken zu „Zwickau – weit mehr als Automobilindustrie II

    1. Vielen Dank! Freut mich, wenn es gefällt 😊

      Der Link, den du da hast führte einst zum selben Artikel. Ich hatte ihn zweimal hochgeladen.. beim ersten Mal mit Tippfehler in der URL 😀
      Wo schwirrt der denn noch rum, also der alte Link?

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