Wildpark Christianental in Wernigerode

Die Menschen in Wernigerode lieben ihren Wildpark Christianental. Viele haben sogar eine Tierpatenschaft übernommen. Der Zugang zum Wildpark ist deshalb kostenlos. Am Eingang wird lediglich um eine Spende in Höhe von 1,- € gebeten. Die Meinungen über Sinn und Unsinn eines Tierparks oder Zoos gehen weit auseinander. Zoos sind schon lange ein Teil unserer Kultur. Wir alle waren in unserer Kindheit in dem ein oder anderen Tierpark und haben voller Faszination die dort lebenden Tiere betrachtet. Früher zum Zwecke der Erholung und Belustigung, sollen Tierparks heute vielmehr Lehrinhalte vermitteln und auf Probleme des Arten- und Naturschutzes hinweisen.

Ich habe dem Wildpark Christianental einen Besuch abgestattet und mir selbst ein Bild gemacht. Tatsächlich habe ich dem Park sogar zweimal besucht – einmal bewusst, ein anderes Mal führte mich mein Wanderweg letztendlich durchs Christianental und somit durch den Wildpark.

 

 

Historisch gewachsen

Bereits 1435 sprach man vom Waldgebiet rund um den Schlossberg in Wernigerode von einem „Deirgarden“. Das damals hier gehaltene Wild diente aber nicht Erholungs- und Lehrzwecken sondern der Hetzjagd für die Schlossherren.

Nur wenige Minuten von der Altstadt entfernt liegt der Wildpark Christianental. Auch vom Schloss aus erreicht man ihn in kurzer Zeit über das Wegnetz durch das Waldgebiet rund um den Agnesberg.

In diesem Tierpark findet man keine Exoten, sondern die Tierwelt des Harzes – typische Greifvögel, das seltene Auerhuhn, Rot- und Dammwild und auch der Luchs. Für große und kleine Kinder gibt es einen Streichelzoo mit Haustieren wie Ziegen, Kaninchen und Meerschweinchen. Insgesamt leben hier 400 Tiere aus 30 verschiedenen Arten. Alles gut beschildert und mit Informationstafeln bietet sich die Möglichkeit wissenswertes und lehrreiches über die heimische Tierwelt zu erfahren.

 

 

Großzügige Gehege, aber enge Volieren

Die Großzahl der Gehege ist sehr großzügig angelegt und bietet den Tieren auch Möglichkeiten zum verstecken. Es ist also nicht garantiert, dass man immer jedes Tier sieht. Den Fuchs zum Beispiel habe ich bei keinem meiner Besuche entdecken können. Nicht so gut fand ich die Volieren für die Vögel, besonders die der Greifvögel. Die Bereiche für die Raubvögel sind mit Netzen abgegrenzt. Die Vögel können zwar kurze Strecken fliegen aber gerade das typische Kreisen ist so nicht möglich. In freier Natur legen gerade Greifvögel große Strecken mit teilweise hoher Geschwindigkeit zurück. Das ist in einer Voliere nicht möglich.

Man versicherte mir aber, dass die Vögel, die hier zu sehen sind, irgendeine Verletzung oder Behinderung haben. Nun gut, normalerweise klärt die Natur solche Probleme auf ihre Art – man nennt es natürliche Auslese. Wer zu schwach ist, endet als Futter und trägt so zum Kreislauf des Lebens bei. Aber gerade bei selten gewordenen Tierarten, macht es sicher Sinn verletzte Tiere aufzunehmen. Können sie gesund gepflegt werden, werden sie anschließen wohl auch wieder ausgewildert. Ob man sie vorher noch „ausstellen“ muss, dazu hat wohl jeder seine eigene Meinung. Ständiger Besucherverkehr bedeutet ja durchaus auch eine Menge Stress für einen eigentlich wilden Vogel.

 

 

Man bemüht sich

Auf jeden Fall hat man sich bei der Ausgestaltung der Gehege sehr viel Mühe gegeben und versucht diese sehr liebevoll und natürlich einzurichten. Bei einigen der Tierarten die hier leben ist die Wahrscheinlichkeit doch relativ gering, diese in freier Wildbahn zu entdecken. Nicht nur weil sich Wildtiere naturgemäß möglichst vom Menschen fernhalten, sondern weil es einige von ihnen mittlerweile einfach kaum noch gibt. Einen gewissen Lehreffekt kann man dem Park also keinesfalls absprechen. Ebenso wenig den Erholungseffekt. Eingebettet in den Wald, durchzogen mit mehreren Wegen und vielen Sitzmöglichkeiten bietet sich das Gelände zum spazieren und verweilen an. Außerdem gibt es zwei Teiche mit Wasservögeln und mitten im Park stehen zwei kanadische Mammutbäume. Mit dem Gasthaus Christianental ist für das leibliche Wohl gesorgt und die Kinder kann man am Spielplatz „parken“.

Grundsätzlich ist der Wildpark Christianental sehr schön eingerichtet und gepflegt. Die Bemühungen, eine möglichst artgerechte Haltung der Tiere zu gewährleisten sind erkennbar, an einigen Stellen ist da aber noch Luft. Besonders die Situation der Greif- und Eulenvögel finde ich verbesserungswürdig. Vielleicht sollte man grundsätzlich auf die Haltung dieser Tiere in Zoos und Tierparks verzichten, abgesehen von der Pflege verletzter Tiere mit anschließender Auswilderung.

Positiv erwähnen möchte ich noch die Tatsache, dass sich hier auf heimische Tierarten beschränkt wird. Abgesehen von den Schnee-Eulen, findet man im Wildpark Christianental keine Exoten. Den Tieren wird also nicht noch zusätzlich der Klima-Stress auf erzwungen.

 

 

Wie steht ihr zum Thema Tierpark und Zoo? Sinvolle Einrichtung mit Lehrwert zu Arten- und Naturschutz? Oder reine Belustigung für den Menschen?

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2 Gedanken zu „Wildpark Christianental in Wernigerode

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