Über den Kammweg auf der Teufelsmauer

Die Teufelsmauer ist eine Sandsteinformation im Harzvorland. Von Ballenstedt nach Blankenburg zieht sie sich über 20 km und tritt an mehreren Stellen durch bizarre Formationen zu Tage. So zum Beispiel die Gegensteine bei Ballenstedt oder die Mittel- und Papensteine bei Weddersleben. Mein heutiges Ziel war der Rundweg vom Großvaterfelsen zum Hamburger Wappen bei Blankenburg.

Von Wernigerode fuhr ich mit dem Bus nach Blankenburg. Mit dem Wernigerode-Ticket, dass man mit Bezahlung der Kurtaxe ausgehändigt bekommt, fährt man kostenlos. Einfach beim Busfahrer vorzeigen.

In einem Reiseführer hatte ich gelesen, dass man auf den Großvaterfelsen hinaufsteigen kann. Allerdings nur über in Stein gehauene Stufen und Haltegriffe. Das ist ja so gar nichts für mich! Aber ich muss da ja auch nicht rauf. Also los!

 

 

Finde den Großvater

In Blankenburg angekommen, folgte ich der entsprechenden Beschilderung… und lief einmal im Kreis. Welchen Abzweig ich wo verpasst habe, weiß ich nicht. Ich erinnerte mich an eine Karte, die ich mir angesehen hatte und den darauf eingezeichneten Großvaterweg, der für mich logisch direkt zum Großvater führte musste. Den Weg fand ich auch und er führte zum Gasthaus „Großvater“ unterhalb des Felsens, den ich nun endlich auch sehen konnte. 319 Meter ragt er in die Höhe. Der Ausblick von da oben ist mit Sicherheit hervoragend. Trotzdem entschied ich mich gegen den Aufstieg und nahm den Weg unterhalb der Mauer – den Südhangweg.

Ein paar Meter weiter westlich vom Großvater gibt es übrigens auch noch eine Großmutter.

 

 

Wie ist das denn passiert?

Ein paar hundert Meter weiter, sah ich vom Weg aus einen großen Felsen über mir. Da sich ein paar Trampelpfade den Hang hoch schlängelten, entschloss ich mich nach oben zu steigen. Sicher hat man von dort auch eine tolle Aussicht. Hatte man auch! Allerdings lief ich dann ohne darüber nachzudenken auf dem Felsen weiter. Irgendwo geht es schon wieder hinunter. Nein! Zumindest nicht gleich.

 

 

Auf dem Löbbeckestieg

Unbewusst war ich auf dem Kammweg der Teufelsmauer bzw. auf dem Löbbeckestieg gelandet. 1853 lies Carl Löbbecke, seinerzeit Bürgermeister von Blankenburg, den Weg über den Felsen anlegen. Über schmale Pfade und Stufen kämpfte ich mich nun über den zum Teil in den Felsen gehauenen Weg. An besonders kniffligen Stellen gibt es zum Glück ein Geländer zum festhalten. Die Abgründe, die sich teilweise neben den oft nur fußbreiten Wegen auftaten, versuchte ich zu ignorieren. Ich kam ganz schön ins Schwitzen und das nicht nur wegen des unglaublichen Wetters. Man sollte hier auf keinen Fall an der falschen Stelle ausrutschen!

 

Über die Entstehung der Teufelsmauer gibt es viele Sagen und Mythen. Hier ist eine der zwei Bekanntesten:

Vor Urzeiten, als Gott und Teufel die Erde unter sich aufteilten, wurde zwischen beiden vereinbart, daß dem Teufel all das Land gehören sollte, welches er in einer Nacht bis zum ersten Hahnenschrei mit einer Mauer umbauen konnte. In jener Nacht, als der Teufel sein Bauwerk begann, war nun aber eine alte Frau unterwegs, die auf dem Markt einen Hahn verkaufen wollte. In der Dunkelheit stolperte sie, und der Hahn erschrak sich dabei und begann zu krähen. Der Teufel hörte dies und dachte, daß seine Zeit schon um sei und riß vor lauter Wut die Teufelsmauer wieder ein. Die Reste sind bis auf den heutigen Tag stehengeblieben.

 

Ungefähr 1,5 Kilometer später wurde der Weg wieder etwas breiter und die Abgründe zur Seite waren nicht mehr so tief. Ich hatte es geschafft. Ein bisschen stolz war ich ja schon auf mich. Immerhin hätte ich ja auch umkehren und den Hang, den ich hinauf gestiegen bin wieder hinab steigen können. Trotz Höhenangst und weichen Knien machte es aber irgendwie auch Spaß diesen Weg zu gehen und die Aussicht ist es allemal wert. Hätte ich aber vorher gewusst, was mich da oben für Wegverhältnisse erwarten – ich weiß nicht ob ich den Weg bewusst gewählt hätte.

 

 

Zum Wappen

Ich folgte nun weiter der Beschilderung Richtung Hamburger Wappen und Timmenrode. Der Weg ab hier ist entspannt und lässt sich gut laufen. Stellenweise wird man am Waldrand entlang geführt und hat einen herrlichen Blick übers Land. Endlich angekommen, tritt man auf eine Art Lichtung und erblickt sofort die beeindruckende Felsformation. Das Hamburger Wappen heißt eigentlich Drei Zinnen. Seinen Beinamen bekam es, weil die drei Spitzen der Formation an das Wappen der Stadt Hamburg erinnern. Dieser Name hat sich letztendlich durchgesetzt und niemand sagt mehr Drei Zinnen.

 

 

90 Meter ragen die Felsnadeln in die Höhe. Man kann direkt auf das Wappen hinauf klettern und von dort die Aussicht genießen. Habe ich selbstverständlich nicht gemacht. Es ist wohl auch nicht ganz ungefährlich, da man auf dem Sandgestein leicht abrutschen kann. Außerdem schadet die ständige Begehung dem weichen Gestein auf Dauer. Etwas abseits ließ ich mich auf einem Felsen nieder und gönnte mir eine längere Pause. Ich genoss den Blick über das weite Land und beobachtete die Leute, die im Felsen kletterten. Nach einiger Zeit trat ich den Rückweg an.

 

 

„entspannter“ Rückweg

Das erste Stück hat man keine andere Möglichkeit und muss den selben Weg zurück nehmen, den man her gekommen ist. Und zwar bis zu dem Punkt, wo man sich entscheiden muss, ob man den Südhangweg oder den Kammweg zurück zum Großvater nehmen will. Ich entschied mich erneut für den Südhangweg und blieb dieses mal auch auf Selbigem. Laut Beschilderung war dies der „entspannte“ Weg. Offenbar hat jeder eine andere Definition von entspannt. Im Vergleich zum Teufelsmauer-Kammweg ist er das sicherlich auch. Dennoch habe ich den Weg, der ununterbrochen auf und ab über Wurzeln ging, jetzt nicht wirklich als „entspannt“ wahrgenommen. Allerdings ist der Blick nach oben auf die Felsformationen recht beeindruckend.

 

 

 

Ebenfalls auf dem Kammweg unterwegs war Elke von Fotografische Reisen und Wanderungen. Ihre Tour vom Großvater zum Hamburger Wappen mit ganz vielen Bildern könnt ihr hier lesen.

 

 

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Wer war schon an der Teufelsmauer wandern? Oder kennt ihr vielleicht ähnliche interessante Wanderwege?

 

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9 Gedanken zu „Über den Kammweg auf der Teufelsmauer

  1. Das klingt nach einer schönen Strecke! Im Frühjahr will auch noch die eine oder andere Harz-Wanderung in Angriff nehmen. Danke für den schönen Bericht!

    1. Ist sie auf jeden Fall! Auch wenn ich mit mir etwas zu kämpfen hatte… kann ich dir diese Wanderung nur empfehlen. 😉
      Freut mich, dass dir der Artikel gefällt und vielen Dank für deine lieben Worte. LG Carina

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