Der zauberhafte Garten von Ninfa


“Dieses entzückende Nympha ist das reizendste Märchen der Geschichte und Natur, das ich irgend in der Welt gesehen habe.”

So beschreibt der deutsche Schriftsteller und Historiker Ferdinand Gregorovius im 19. Jahrhundert diesen wunderbaren Ort – den Garten von Ninfa.

Mit dem Auto etwa eine Fahrstunde südlich von Rom liegt der Garten von Ninfa in der pontinischen Ebene am Fuße des Monti Lepini. Früher war hier Sumpf. Man baute einen kleinen Tempel und widmete diesen den Najaden – den Wassernymphen, die über Quellen, Bäche, Seen und eben auch Sümpfe wachen. Um den Tempel entwickelte sich unter der Regentschaft verschiedener Adelsfamilien, wie der Frangipani, schnell eine bedeutende Stadt. Sicher trug auch die strategisch günstige Lage an der Straße von Neapel nach Rom zum schnellen Wachstum des Ortes Ninfa bei.

Ninfa – Entstehung eines zauberhaften Gartens

Im 14. Jahrhundert überlies man die Stadt dem Verfall. Häufige Plünderungen und Malariaepedemien zwangen die Menschen zur Aufgabe von Ninfa. Die von einer Stadtmauer umringte Stadt mit Kastell, zahlreichen Kirchen und Häusern eroberte sich alsbald die Natur zurück. Die Überreste der mittelalterlichen Stadt, die Gregorovius auch als „Pompeji des Mittelalters“ bezeichnete, kann man heute in enger Symbiose mit der Natur bewundern.

Ninfa gelangte bereits am Ende des 13. Jahrhunderts in den Besitz der alten römischen Adelsfamilie Caetani. Papst Bonifacio VIII., mit bürgerlichen Namen Benedetto Caetani, kaufte die Stadt und angrenzende Gebiete für seinen Neffen. Mit der Errichtung eines Gartens mit Quellen, Brunnen und zahlreichen Pflanzen begann die Familie Caetani im 16. Jahrhundert. Im 19. Jahrhundert legte man die Sümpfe trocken und begann mit der Umgestaltung zum englischen Landschaftsgarten. In dieser Zeit pflanzte man Zypressen, Steineichen und Buchen.

Bis zur letzten Erbin, Lelia Caetani, blieb Ninfa im Besitz der Familie. Lelia brachte neue, zum Teil exotische Pflanzen in den Garten ein und gründete die Stiftung Roffredo Caetani, die sich bis heute um den Erhalt und die Pflege von Ninfa kümmert.

Flora und Fauna

Durch die günstige Lage im Schutze des Monti Lepini und des ganz eigenen Mikroklimas zwischen den Ruinen fühlen sich hier zahlreiche Tier- und Pflanzenarten zu Hause. Man könnte fast meinen, das Klima passt sich individuell an die Bedürfnisse jeder einzelnen Pflanze an, sodass hier Blumen, Sträucher und Bäume aus aller Herren Länder nebeneinander gedeihen.

Tatsächlich findet man hier 1.300 verschiedene Pflanzenarten aus aller Welt. Rosen und Clematis sind eng mit den Ruinen verwachsen. Zwischen weit verstreuten, unzähligen Rosensorten stehen Magnolien, Birken und japanische Ahornbäume. Allgegenwärtig ist das Gluckern des Wassers, wenn man vorbei an tropischer Avocado, südamerikanischem Mammutblatt oder Bananenbaum durch den Park schlendert. Und wenn im Frühling die Natur erwacht, lassen Apfel-, Kirsch- und Tulpenbaum den Garten von Ninfa in einer zauberhaften Farbenpracht erstrahlen.

Inmitten der üppigen Flora haben auch viele Tiere ein dauerhaftes zu Hause gefunden. Neben mehr als 100 Vogelarten, darunter Wanderfalke und Schleiereule, beherbergt Ninfa auch viele Säugetierarten wie Dachs, Stachelschwein und Steinmarder. Durch den Garten fließt der Fluss Ninfa, der nahe der nicht weit entfernten Stadt Cisterna die Latina entspringt und in den gleichnamigen See mündet. Hier lebt, neben anderen Fischen, heute noch eine Forellenart, die die Römer vor tausenden von Jahren aus Afrika importierten.

Nur mit Führung

Seit dem Jahr 2000 ist Ninfa Naturdenkmal der Region Latium. Um dieses empfindliche Biotop zu schützen ist der Garten von Ninfa nur an wenigen Tagen im Jahr für Besucher geöffnet und auch dann ist ein Rundgang nur mit einer Führung möglich, die im Übrigen bei jedem Wetter stattfindet.

Als wir in Ninfa ankamen, schüttete es wie aus Eimern und wir hatten schon Bedenken, dass unsere Anreise umsonst gewesen sei. Es dauerte aber nicht lange, bis der Regen etwas nachlies. Inzwischen hatten sich auch noch ein paar weitere Interessierte für die Tour eingefunden und es konnte losgehen. Nach einiger Zeit brach dann auch die Sonne wieder durch die dunklen Wolken und tauchte die überwucherten Ruinen in dieses ganz besondere Licht, dass nach einem Sommergewitter herrscht. Perfekt!

Die Führungen finden überwiegend in italienischer Sprache statt, Führungen in englischer Sprache können aber gebucht werden. Ein Besuch lohnt sich aber trotzdem, auch wenn man (so wie wir) der italienischen Sprache nicht mächtig ist. Mehr Informationen zu den Führungen, den Öffnungszeiten und den Preisen gibt es hier: Stiftung Caetani – Garten von Ninfa.

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2 Kommentare zu „Der zauberhafte Garten von Ninfa“

  1. Wow, das ist ja mal ein traumhafter Ort! Und wunderschöne Fotos! Für uns geht’s zwar demnächst nach Italien, aber leider nicht so weit südlich. Deinen Tipp merke ich mir auf jeden Fall, sollten wir mal wieder in die Region kommen 🙂
    Liebe Grüße, Lisa

    1. Vielen Dank. Wenn es dieses mal nicht klappt, dann sicher ein anderes Mal. Weiter im Norden soll es aber auch bezaubernde Eckchen geben, hab ich mir sagen lassen. 😉
      Liebe Grüße, Carina

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