An der deutsch-polnischen Grenze: Görlitz – Zgorzelec

Wir haben uns ins sächsische Hollywood gewagt und uns ein wenig umgesehen. Vielen Filmen diente die Stadt schon als Kulisse. Durch den Film „Grand Budapest Hotel“ hat Görlitz nun auch offiziell den Titel „schönster europäischer Drehort“ und nennt sich selbst gern „Görliwood“. Drehorte haben wir allerdings nicht direkt angesehen aber sicher haben wir den ein oder anderen unbewusst besucht.

Schön ist die deutsch-polnische Stadt auf jeden Fall. Getrennt wir das deutsche Görlitz vom polnischen Zgorzelec durch die Neiße. Ich zeige euch nun ein paar beeindruckende und wunderschöne Plätze auf beiden Seiten der Stadt.

Die Altstadt von Görlitz

Die historische Altstadt entstand Mitte des 13. Jahrhunderts und ist geprägt von vielen Epochen. Renaissance, Barock und Gotik sind im Stadtbild vertreten. Direkte Lage an der wichtigen Handelsstraße Via Regia machte Görlitz schnell zu einer reichen Handelsstadt.

Zu DDR-Zeiten verfielen die wunderschönen Bauten. Dank Investoren konnte die Altstadt nach dem Mauerfall aber restauriert werden. Es wäre eine Schande, wenn diese Bauwerke den damals geplanten Sprengungen zum Opfer gefallen wären.

 

 

Der Kreuzweg zur Heilig-Grab-Anlage

Von der Westseite der Kirche St. Peter und Paul führt der Kreuzweg durch die Nikolaivorstadt zum Heiligen Grab. Wie beim Kreuzweg in Jerusalem muss man auch beim Görlitzer Kreuzweg etwa 1000 Schritte zurücklegen.

Ebenfalls nach Jerusalemer Vorbild wurde im Mittelalter die Heilig-Grab-Anlage errichtet. Die Genauigkeit der verkleinerten Nachbildung der wichtigsten Teile der Jerusalemer Grabeskirche wurde nirgendwo sonst in Deutschland erreicht. Auf der Anlage befinden sich Salbhaus mit der Skulptur „Die Beweinung Jesu“, Grabkapelle und Doppelkapelle zum Heiligen Kreuz. Doppelkapelle deshalb, weil sie aus zwei Etagen besteht. Im unteren Teil befindet sich die Adamskapelle. Links außen am Gebäude führt eine Treppe in die obere Golgathakapelle. Eine Besichtigung der Anlage kostet 3,- €.

 

 

St. Peter und Paul Kirche

Kurz auch Peterskirche genannt, ist die größte fünfschiffige Hallenkirche Sachsens. Mit 72 Metern Länge und 39 Metern Breite ist diese Kirche tatsächlich ein sehr monumentaler Bau. Der Westbau der bereits um 1230 an diesem Platz stehenden Basilika ist bis heute erhalten geblieben. Mit dem Bau der eigentlichen Kirche, wie sie heute zu sehen ist, begann man aber erst Anfang des 15. Jahrhunderts. Ein Blick hinein lohnt sich ebenfalls. Wir waren dafür leider zu spät und die Tür war schon verschlossen.

 

 

Nikolaikirche

Auch hier stand bereits um 1100 ein Vorgängerbau. Über diesen ist aber nicht viel bekannt. Mit dem Bau der heutigen Nikolaikirche begann man um 1450. Zugunsten der Peterskirche wurde aber unterbrochen und erst 1520 konnte die Nikolaikirche geweiht werden. Bereits Anfang des 16. Jahrhunderts löste die Peterskirche die Nikolaikirche als Gemeindekirche ab. Seitdem dient sie vorwiegend als Grabkirche. Der sie umgebende Friedhof ist einer der schönsten Deutschlands.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden auf dem Nikolaifriedhof nur noch in Ausnahmefällen Bestattungen durchgeführt. Die gut erhaltenen Grabmäler und Grufthäuser aus verschiedenen Epochen zeugen vom Wandel der Religion und Hoffnung auf das Jenseits über mehrere Jahrhunderte.

 

 

Finstertor

Das Finstertor ist das einzige erhaltene Tor der Befestigung der Görlitzer Vorstädte und befindet sich unterhalb des Nikolaifriedhofs. Man nannte es auch das Armesündertor, weil die Verurteilten durch dieses Tor zum Galgen gehen mussten um dort ihre Strafe zu erhalten. Direkt daneben liegt das Scharfrichterhaus. Seit ca. 1570 wohnte hier, mit Unterbrechungen, der Henker der Stadt.

 

 

Kulturhistorisches Museum im Kaisertrutz

1490 errichtete man den Kaisertrutz als vorgelagerte Bastion der Stadtmauer zum Schutz der Via Regia. Heute wird der Bau als Museum genutzt. Seit 1932 kann man hier Stadtgeschichte und Ur- und Frühgeschichte der Oberlausitz kennen lernen. In der dritten Etage eröffnete 2015 die „Galerie der Moderne“. Eine gute Option für Regentage. Eintritt 5,- €, für Sonderausstellungen muss man extra bezahlen.

 

 

Über die Altstadtbrücke nach Zgorzelec

Die Alstadtbrücke war die erste befestigte Möglichkeit auf dem Stadtgebiet von Görlitz die Neiße zu überqueren. Im Mai 1945 sprengte man die Brücke und teilte somit die Stadt in einen deutschen und einen polnischen Teil. Erst 2004 baute man eine neue Fußgängerbrücke, die gleichzeitig als Symbol für ein zusammenwachsendes Europa und das Vereinigung beider Städte stehen soll. Die Brücke befindet sich unterhalb der Peterskirche.

 

 

Entlang der Neiße

Auf beiden Seiten der Neiße sind Wege angelegt, sodass man direkt am Fluss spazieren kann. Für einen Spaziergang wählten wir die polnische Seite. Der Weg führte über schön angelegte Wege vorbei an Lehrtafeln über die Bewohner von Wald, Wiese und Fluss. Beim Blick nach links fiel uns ein Bauwerk auf. Wir liefen weg vom Fluss durch ein kleines Wäldchen und stießen auf den „Dom Kultury“.

 

 

Dom Kultury – das Kulturzentrum

Dieser monumentale Bau zu Ehren der beiden Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. wurde 1900 fertiggestellt und 1902 durch Kaiser Wilhelm II. eröffnet. Die 42 Meter hohe Kuppel war dem Reichstagsgebäude in Berlin nachempfunden und trägt eine kleine vergoldete Kaiserkrone. An der Außenfassade befinden sich zahlreiche Figurengruppen und Reliefs. Seit 1948 ist das Gebäude Kulturzentrum. Ausstellungen, Konzerte und Theateraufführungen finden hier statt.

 

 

Zgorzelec hätte ich gern mehr erkundet und auch Görlitz hat sicher noch weitere sehenswerte Plätze zu bieten. Leider hatten wir aber keine Zeit mehr. Vielleicht kommen wir aber mal wieder und holen das Versäumte nach.

 

 

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Ihr wart noch nie in Görlitz? Dann solltet ihr unbedingt einmal hin! Oder seid ihr schon da gewesen? Was hat euch besonders gefallen?

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2 Gedanken zu „An der deutsch-polnischen Grenze: Görlitz – Zgorzelec

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