7 Länder – 7 Bräuche: Kurioses und Kulinarisches aus der Weihnachtszeit

In Deutschland bedeutet Weihnachten für die Meisten besinnliches Zusammensein im Kreise der Familie. Gemeinsam sitzt man „unterm“ Weihnachtsbaum, manch einer singt Lieder und es wird gut gegessen. Gans oder Pute mit Klößen und Rotkohl zum Beispiel. Man beschenkt sich, geht in die Kirche oder genießt einfach nur die Zeit mit seinen Liebsten.

Das macht man auch in anderen Ländern so. Und wie auch in Deutschland gibt es auch hier Traditionen verschiedenster Art. Von liebenswert über seltsam bis hin zu äußerst kurios ist alles dabei. Ich habe hier einfach mal ein paar zusammengetragen. Viel Spaß dabei!

 

 

Weihnachten in Ungarn – Luca Széke (Luka-Stuhl)

Am 13. Dezember beginnt man mit dem Bau des Luca Széke. Sieben verschiedene Holzarten benötigt man und jeden Tag wird nur ein kleines Stück angebracht. Zum Weihnachtsabend muss der Stuhl dann fertig sein. Man nimmt ihn mit zur Christmette und stellt sich darauf. In dieser Position ist man nun der Lage, Hexen als solche zu erspähen. Manch einer soll dabei schon die eigene Frau erkannt haben, heißt es. Sieht man eine Hexe, schnappt man sich den Stuhl und läuft nach Hause. Unterwegs streut man fleißig Mohnsamen auf den Boden. Bevor die Hexe die Verfolgung aufnehmen kann, muss sie diese erst Korn für Korn einsammeln. Zu Hause angekommen, ist der Stuhl sofort zu verbrennen. Nur so ist man im nächsten Jahr vor Hexen geschützt.

 

 

Weihnachten in der Ukraine – die Weihnachtsspinne

In der Ukraine dürfen an Weihnachten auf keinen Fall Spinnen und Spinnweben in der Baumdekoration fehlen. Es bringt nämlich Glück am Weihnachtsmorgen ein Spinnennetz am Baum zu finden. Diese Tradition entstammt aus einem ukrainischen Märchen. Eine arme Witwe, die sich keinen Baumschmuck leisten konnte, findet am Weihnachtsmorgen ihren Baum umhüllt von Spinnweben wieder. Angestrahlt durch die Morgensonne schimmern sie golden und silbern. Eine andere Version sagt, dass das Jesuskind aus Mitleid die hässlichen Netze in goldene und silberne verwandelte. Mir gefällt die erste Version besser, da ich Spinnennetze im Sonnenlicht eigentlich sehr schön finde.

Im Übrigen ist das wohl auch die Geburtsstunde des Lametta, sagt man.

Einst lebte in der Ukraine eine Witwe, welche sehr arm war, und zwar so arm, dass sie ihren Kindern nicht einmal einen Weihnachtsbaum zum Fest bieten konnte. Eines schönen Tages wurde aus einem verirrten Tannenbaumsamen in ihrem Garten ein stattlicher Baum, was den Kindern Hoffnung auf einen eigenen Christbaum gab. Ihr größter Wunsch den Baum dekorieren zu dürfen ging allerdings nicht in Erfüllung, denn es gab einfach nichts im Haus, mit dem sie ihn hätten schmücken können. Doch am nächsten Morgen weckte die Mutter ihre Kinder in heller Aufregung, denn eine Spinne hatte ein riesiges Netz um den Tannenbaum gesponnen, welches durch die Sonnenstrahlen gold- und silberfarben glänzte. Von diesem Moment an wussten alle in der Ukraine, dass es die Weihnachtsspinne war.

Weihnachten in Katalanien – Kleine Scheißer und Baumstämme

Im katalanischen Spanien findet man in der Krippe neben Maria und Joseph eine kleine Figur mit heruntergelassener Hose. Auf welchem Weg der ‚caganer‘ (katalanisch für Scheißer) seinen Weg in die Krippe gefunden hat ist nicht bekannt. Man vermutet aber, er verkörpert den Kreislauf der Natur. Indem er sich entleert, düngt er die Erde und verspricht gute Ernte im nächsten Jahr. Auch sieht man in ihm das Symbol für einen gesunden Körper. Der kleine Scheißer wird meist etwas abseits von der eigentlichen Krippenszene platziert und selbst die katholische Kirche akzeptiert den kleinen Mann.

In den letzten Jahren entwickelte sich übrigens noch ein urinierendes Gegenstück: der „pixaner“.

Prinzipiell scheint die Entleerung ein sehr begehrtes weihnachtliches Thema in Katalanien zu sein. Schon mal was vom ‚Tió de Natal‘ gehört? Ein toter Baumstamm mit zwei Beinen und lächelndem Gesicht. Damit er nicht friert, wird er unter einer Decke gesteckt. Ab dem 8. Dezember wird er von den Kindern mit Obst und Brot „gefüttert“. Heilig Abend erzählt man den Kindern dann, Tió de Natal „scheiße“ Geschenke. Man benutzt tatsächlich das katalanische Wort cagar für „scheißen“! Für die Kinder ist das das Zeichen, mit einem Stock auf den Baumstumpf einzuschlagen und dabei bestimmte Lieder zu singen. Wenn sie dann die Decke wegziehen, liegen tatsächlich verschiedene Süßigkeiten darunter, die der freundliche Stumpf „geschissen“ hat. Lecker!

 

Weihnachten in der Slowakei – Was macht der Pudding an der Decke?

In den ländlichen Gegenden der Slowakei darf der Hausherr an Weihnachten nach dem Essen selbiges durchs Zimmer schmeißen. Genauer gesagt bringt er den Weihnachtsnachtisch Loksa, einen Pudding, mittels eines Löffels schwungvoll an die Decke. Alle blicken natürlich gespannt nach oben und hoffen, dass möglichst viel vom Dessert kleben bleibt. Denn je weniger heruntertropft, desto besser verspricht das nächste Jahr zu werden.

Weihnachten in Mexico – Radieschenfest in Oaxaca

Radieschen zu Weihnachten? Na klar! Am 23.12. wird in Oaxaca das Radieschenfest gefeiert. Radieschen haben sich seit ihrer Einführung durch spanische Kolonialherren im 18. Jahrhundert zu einem wichtigen Nahrungsmittel entwickelt. Da kann man den kleinen scharfen Kugeln schon mal einen Tag widmen. Wobei, so klein sind die gar nicht. In Oaxaca haben Radieschen nämlich die Größe von Kartoffeln. Und weil sie in der Region in sehr steinigem Boden wachsen müssen nehmen sie recht kuriose Formen an. Das wiederum inspiriert den Mexicaner Figuren aus dem Gemüse zu schnitzen. Krippenfiguren aus Radieschen sind inzwischen Tradition und die schönsten werden am 23.12. – in der Nacht der Radieschen – prämiert. Danach wird mit einem Feuerwerk gefeiert.

 

 

Weihnachten in Italien – Geschenke von der Weihnachtshexe

Italienische Kinder werden in der Weihnachtszeit gleich mehrfache beschenkt. Am 06. Dezember das erste Mal vom heiligen Nikolaus. Babbo Natale (der Weihnachtsmann) oder Bambino Gesú (das Jesukind) bringt am 25.12. Geschenke. Im Januar dann, am 06. genauer gesagt, kommt Befana.

La Befana, eine alte, hässliche aber liebenswerte Figur, entstammt dem bäuerlichen Volksglauben. Ihr Name leitet sich von Epiphanie, dem Fest der Heiligen Drei Könige, ab. Befana saß am Webstuhl als sie die frohe Botschaft von der Geburt des Christkindes vernahm. Gemeinsam mit den drei heiligen Königen sollte sie sich, dem Weihnachtsstern folgend, auf den Weg zur Krippe ins heilige Land machen. Sie wollte erst noch fertig weben und später folgen. Da sie sich aber zu spät auf den Weg machte, war der Weihnachtsstern schon erloschen. So konnte sie das Christkind nicht mehr finden.

Seitdem fliegt Befana in der Nacht vom 05. zum 06. Januar auf ihrem Besen von Haus zu Haus und sucht das Jesuskind. Sie kommt über den Schornstein in die Häuser und bringt jedem Kind Geschenke in die bereitgestellten Strümpfe oder Schuhe. Auch denen, die nicht ganz so artig waren bringt sie etwas mit. Carbone dolce – süße Kohle – schwarz gefärbte Zuckermasse. Auch die Kinder bereiten Befana eine Freude indem sie ihr einen Teller mit Mandarinen oder Orangen bereitstellen. Dazu gibt es ein Glas Wein.

 

 

Weihnachten in Grönland – mattak und kiviak

Die traditionsbewussten Inuit tafeln am Weihnachtsabend mit ganz besonderen Spezialitäten auf. Zum einen hätten wir da mattak. Mattak ist nichts anderes als Walhaut inklusive der darunter liegenden Fettschicht. Es enthält mehr Vitamin C als Zitrusfrüchte und war somit früher ein lebensnotwendiger Bestandeil der Ernährung. Geschmacklich soll es an Nüsse erinnern.

Ein weiteres traditionelles Gericht ist kiviak. In einen Robbenbalg werden Alk-Vögel (mehrere Hundert!) mitsamt Federn, Schnabel und Füßchen gestopft bis nichts mehr hinein geht. Danach wird zugenäht und mit Fett abgedichtet. Gelagert wird die gefüllte Robbe im Eisboden. Nach ungefähr einem halben Jahr kann das Ganze dann zu besonderen Anlässen serviert werden, Weihnachten zum Beispiel. Wird aber auch gern zu Geburtstagen und Hochzeiten gereicht.

Nunja, auch eine Art vorkochen. Wohl bekomms!

 

 

 

Bilder: pixabay.com

 

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Sicher gibt es bei diesen Bräuchen auch regionale Unterschiede und sie werden nicht immer im ganzen Land zelebriert.

Kanntest du diese Bräuche schon? Oder hast du schon selbst daran teilhaben dürfen? Du kennst noch andere Traditionen aus der Weihnachtszeit? Dann schreib sie gern in die Kommentare!

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2 Gedanken zu „7 Länder – 7 Bräuche: Kurioses und Kulinarisches aus der Weihnachtszeit

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