Spielzeugdorf Seiffen – ein Besuch im Weihnachtswunderland

Fast oben auf dem Erzgebirgskamm, nahe an der tschechischen Grenze, liegt der kleine Ort Seiffen. Ein Besuch lohnt sich natürlich auch im Sommer aber am schönsten ist Seiffen zur Weihnachtszeit. Der ganze Ort erstrahlt in weihnachtlichem Glanz. Gut, das ist jetzt noch nichts besonderes. Immerhin befinden wir uns im Erzgebirge, da gehört das in der Weihnachtszeit zum guten Ton. Das aber ein ganzer Ortskern für die komplette Adventszeit gesperrt wird, ist auch hier nicht alltäglich.

Grund dafür ist der inzwischen über die Landesgrenzen hinaus bekannte Seiffener Weihnachtsmarkt. Zwischen vielen kleinen Schnitzer-Werkstätten und Läden mit traditioneller erzgebirgischer Holzkunst gibt es Glühwein und andere weihnachtliche Leckereien. Man fühlt sich wie in einem Weihnachtswunderland, dass nicht nur Kinderherzen höher schlagen lässt!

Das Mekka erzgebirgischer Holzkunst

Bekannt ist Seiffen für seine zahlreichen Schauwerkstätten der Spielzeugmacher. In nahezu jedem Haus befindet sich eine kleine Werkstatt. Der Beiname Spielzeugdorf kommt also nicht von ungefähr. Es ist auch recht naheliegend, dass sich in Seiffen eine Berufsschule für Holzspielzeugmacher- und Drechsler befindet. Das ist übrigens die einzige Einrichtung dieser Art in ganz Deutschland.

lustige Elche im Weihnachtsdorf
Natürlich gibt es auch modernere Schnitzerein, wie hier diese knuffigen Elche

Entwickelt hat sich diese Kunstform in Zeiten des rückläufigen Bergbaus. Es mussten neue Einnahmequellen geschaffen werden. Für landwirtschaftliche Arbeit eignet sich das Erzgebirge nur schlecht, zahlreiche Wälder legten aber die Holzverarbeitung nahe. Anfangs stellte man Gebrauchsgegenstände wie Teller oder auch Holzlöffel her. Bald schon kamen auch die ersten Spielzeuge und typischen Figuren wie Engel, Bergmänner und Pyramiden her. Das sich die geschnitzten Figuren als traditioneller Weihnachtsschmuck etablierten entwickelte sich aber erst später.

Wer sich gern selbst einmal in der Herstellung traditioneller erzgebirgischer Holzkunst versuchen möchte, kann in Seiffen entsprechende Kurse besuchen. Für Interessierte gibt es in den Ferien Drechsel-, Schnitz- und Malkurse an der Holzspielzeugmacher- und Drechslerschule. Mehr Informationen dazu gibt es auf der Seite des Verbands erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller.

Seiffener Weihnacht

Der Weihnachtsmarkt ist wohl das Ereignis, welches jährlich die meisten Besucher anzieht. Die ganze Adventszeit wird dafür der Ortskern gesperrt. Zum kostenpflichtigen Parkplatz (5,- € im Dezember 2017) wird manbereits an der Zufahrtsstraße eingewiesen. Verfahren kann man sich also schon mal nicht. Vom Parkplatz aus sind es nur noch wenige Minuten zu Fuß hinunter ins Dorf zum Weihnachtsmarkt.

Glühwein- und Plätzchenduft erfüllen jetzt die Luft, weihnachtlicher Lichterglanz lässt jedem das Herz aufgehen und beim Anblick der liebevoll geschnitzten Spielzeuge möchte man am liebsten selbst wieder zum Kind werden. Während man zwischen riesigen Pyramiden und Bergmännern von einem süßen, kleinen Lädchen zum nächsten schlendert merkt man gar nicht wie die Zeit vergeht. Plötzlich ist es dunkel und es wird tatsächlich noch weihnachtlicher und noch gemütlicher. Bezaubernde märchenhafte Laternen beleuchten nun zusätzlich die Straßen. Wer jetzt noch nicht in Weihnachtsstimmung ist, dem ist dann leider auch nicht mehr zu helfen!

Als absolutes Highlight der Seiffener Weihnacht gilt der jährliche Festumzug mit der Kindertrachtengruppe „Lebendiges Spielzeug“. Er findet immer zur Eröffnung am Samstag vor dem 1. Advent statt. Ein weiterer Höhepunkt ist die Bergparade am Samstag vor dem 3. Advent. Die Festmärsche der Bergmänner dienten früher der Huldigung des Landesherrn zu besonderen Anlässen. Heute sind sie fester Bestandteil der erzgebirgischen Weihnachtstradition und auf vielen Weihnachtsmärkten in der Region zu finden. Auch in Chemnitz gibt es eine Bergparade.

Der Kurort Seiffen

Neben Spielzeugdorf hat Seiffen noch einen weiteren Beinamen, nämlich Kurort. Seit 1956darf der Ort diesen Namen offiziell tragen. Mehrere Millionen Menschen kommen jedes Jahr um sich verzaubern zu lassen, nicht nur zur Weihnachtszeit. Weihnachten ist hier eh das ganze Jahr über. Kleine spitzgiebelige Häuser ehemaliger Bergleute und ein Rathaus in Form eines Grubengebäudes prägen das Ortsbild. Oberhalb des Ortskerns befindet sich die kleine barocke Bergkirche mit achteckigem Grundriss. Mittlerweile ist sie wohl weltweit bekannt. Auch deshalb, weil sie oft als Motiv für den erzgebirgischen Weihnachtsschmuck dient.

Eingebettet im Tal zwischen Schwartenberg (787 m) und Ahornberg (795 m) bietet sich Seiffen als Ausgangspunkt für ausgedehnte Wanderungen ins umliegende Erzgebirge an. So führen zum Beispiel gleich mehrere Fernwanderwege durch Seiffen: der Europäische Fernwanderweg E3, der Bergwanderweg Eisenach – Budapest und der Wanderweg der deutschen Einheit von Görlitz nach Aachen. Zusätzlich gibt es natürlich ein regionales Wandernetz und auch auf alten Bergbausteigen kann man die Gegend erkunden.

Wintersportfreunde kommen selbstverständlich auch auf ihre Kosten. Skifahren am Reicheltberg, Langlauf auf einer der zahlreichen Loipen rund um Seiffen oder Eislaufen ist im Winter bei entsprechendem Schnee möglich. Für die wärmeren Jahreszeiten gibt es übrigens eine 733 m lange Sommerrodelbahn mit mehreren Steilkurven.

Bei schlechterem Wetter empfiehlt sich ein Besuch im Museum. Erste Adresse im Spielzeugdorf sollte selbstverständlich das Spielzeugmuseum sein. Das Freilichtmuseum sollte man besuchen, wenn man an historischen Bauwerken und Werkstätten interessiert ist. Selbstverständlich steht auch hier die Spielzeugherstellung im Mittelpunkt. Wer sich für Bergbautradition im Erzgebirge interessiert, für den gibt es im Bergbaumuseum sicher einiges zu entdecken.

 

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21 Kommentare zu „Spielzeugdorf Seiffen – ein Besuch im Weihnachtswunderland“

    1. Freut mich zu hören, dass das Erzgebirge bereits auf eurer Liste steht. 😊
      Die meisten sind ganz hübsch, ja. Aber die Landschaft drum herum sollte man auch nicht außer acht lassen. 😉
      Liebe Grüße, Carina

  1. Pingback: Rundwanderweg Grünhainichen – Schwarzmühle - Wandern im Erzgebirge - Routinebruch

  2. Pingback: Zwischen Knochenstampfe und Papiermühle – Mühlentag 2018 - Routinebruch

  3. Da werden wunderschöne Kindheitserinnerungen wach.
    Holzfiguren unter dem Weihnachtsbaum. Genau solche aus dem Weihnachtswunderland im Erzgebirge gab es immer bei meiner Oma.
    Was das anbelangt mag ich es wirklich altmodisch, nostalgisch, einfach und vorallem hölzern 🙂

    Liebe Grüße aus dem https://wellspa-portal.de, Katja

    1. Was Weihnachten angeht mag ich es auch lieber traditionell und auf meine beiden alten erzgebirgischen Raachermannl bin ich ganz besonders stolz. 😉 LG Carina

  4. Ich finde, solch eine traditionelle Handwerkskunst sollte viel mehr Beachtung erhalten in Zeiten, in denen nahezu alles aus billigstem Plastik unter wideren Bedingungen hergestellt wird. Zu dem scheint sich ein Besuch von Seifferen auch so zu lohnen. Danke für den Einblick!

    Ein Lächeln,
    Miri von thesoulfoodtraveller.com

    1. Die Seiffener Holzkunst oder überhaupt die erzgebirgische Handwerkskunst findet schon reichlich Beachtung. Die kleinen Kunstwerke werden weltweit vertrieben und auch gern kopiert. 😉 LG Carina

  5. Der Beitrag ist richtig schön geschrieben und hat mich sofort auch in Weihnachtsstimmung gebracht. Ich war noch nie dort und kenne das Spielzeugdorf nur von Erzählungen 😉

  6. Klingt nach einem sehr magischen Ort 😊 Schade ist dieser Ort weit entfernt von meinem Wohnort, sonst wäre ich sicherlich schon dort gewesen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden 👍

  7. Ich war noch nie in Seiffen – aber das klingt nach einem sehr interessanten und vor allem idyllisch wirkenden Plätzchen. Da möchte ich unbedingt auch mal hin. Danke dir fürs Vorstellen!

    Liebe Grüße
    Verena

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