Kadaň Stadtmauer

Alte Königsstadt Kadaň (Kaaden)

Kadaň ist ein eher kleines Städtchen in der Aussiger Region (Ústecký kraj) im tschechischen Nordböhmen. Etwa 18.000 Menschen leben hier am Fluss Eger südwestlich der Kreisstadt Chomutov (Komotau).

Von Chemnitz fährt man nur etwa 1 Stunde mit dem Auto. Abgesehen von dem gerade stattfindenden Fest auf dem Markt, war es im Rest der Stadt recht ruhig und wir trafen kaum Menschen. Fanden wir etwas seltsam zumal sich ein Bummel durch die sehenswerte Altstadt sehr lohnt. Seit 1978 steht diese nämlich dank der vielen mittelalterlichen Häuser zurecht unter Denkmalschutz. Auch wenn die ein oder andere Fassade mal wieder einen neuen Anstrich bräuchte.

Ein wenig Geschichte

Den heutigen Ort legte man vermutlich bereits Ende des 11. Jahrhunderts an. Besiedelt war die Gegend aber wohl schon seit dem 8. Jahrhundert durch verschiedenen Völker.

1186 schenkte Herzog Friedrich die Siedlung dem Johanniterorden. Ein paar Jahrzehnte später erhob man Kadaň zur freien Königsstadt, erbaute die Königsburg und die Minoriten errichteten ein Kloster. 1362 brannte die Stadt mitsamt der Burg nieder.

 

 

Zur Zeit Karl IV. blühte Kadaň wieder auf. Kaiser Karl erteilte der Stadt mehrere Privilegien und ernannte sie erneut zur Königsstadt. Jeden 1. Samsag im September feiert man deshalb in Kadaň den Einzug Karls IV. mit dem Königstag. 1987 verlor die Stadt ihre Privilegien allerdings wieder und hatte stark unter den Wirren des 30jährigen Krieges zu leiden. Bis zum 1. Weltkrieg war Kadaň Garnisonsstadt der K. u. K. Österreichisch-Ungarischen Armee. Nach dem Krieg gehörte Kadaň zur neu geschaffenen Tschechoslowakei.

 

 

Zwischen 1939 und 1945 im Zuge der Einverleibung großer Teilen der Tschechoslowakei durch das Deutsche Reich gehörte Kadaň zum Sudetenland. Nach Kriegsende, 1945/46, wurden nahezu alle deutschstämmigen Bewohner entschädigungslos enteignet und vertrieben. Bis zur Vertreibung lebten seit der Jahrhundertwende in der Stadt hauptsächlich Deutsche.

Die Altstadt von Kadaň

Nach der Ernennung Kadaňs zur Königsstadt baute man eine Stadtbefestigung, die ständig erweitert wurde. Sie bestand aus 2 bis 3 Reihen Mauerwerk und einem weiteren Festungskreis, der Stadt und Vorstadt befestigte. Als sich im 19. Jahrhundert die Stadt ausdehnte, trug man die Stadtmauer zu großen Teilen ab. Was heute noch übrig ist stammt aus dem 14. Jahrhundert. Die Mauer ist teilweise begehbar.

 

 

Seit Mitte des 14. Jahrhunderts ist das heutige Rathaus, in der ehemaligen dreischiffigen Markthalle, Sitz der städtischen Selbstverwaltung. Der Umbau zu Rathauszwecken erfolgte aufgrund eines Brands im Jahre 1362. Lediglich einer der gotischen Gewölberäume im Erdgeschoss blieb damals erhalten. Darin befindet sich heute die Josef-Liesler-Galerie.

Josef Liesler (1912 – 2005) war ein tschechischer Surrealist, Grafik Designer, Illustrator und Briefmarken Designer.

Das Bild des Marktplatzes dominiert ein 53,7 Meter hoher Turm direkt neben dem Rathaus. Er entstand bereits vor 1402. Anfang des 16. Jahrhunderts renovierte man ihn und versah ihn mit steinernen Artefakten, einer Galerie und einer Ziegelhelmkuppel. Die Kanten der Kuppel schmückte man mit Terrakotta-Krabben. Ok, Krabben… ja, warum  nicht. Zusätzlich lies sich der Bauherr Petr Hündt ein originelles Autogramm einfallen und versah die Galerie mit einer Hundestatue. Den zugegebenermaßen etwas kurios anmutenden Turm setzte man 1996 komplett instand.

 

 

In der Mitte des Marktplatzes steht eine Pestsäule, erbaut von 1753 – 1755. Eigentlich handelt es sich dabei um eine Dreifaltigkeitssäule, denn oben auf der Säule befindet sich eine Dreifaltigkeits-Statue. Diese Denkmäler erinnern an die Pest und wurden als Dank für deren Auslöschung aufgestellt.

Schräg gegenüber vom Rathaus befindet sich eine schmale Gasse. An ihrer schmalsten Stelle ist sie nur 66 cm breit. Sie soll die schmalste Gasse Tschechiens sein. Es handelt sich hierbei um die Henkergasse. Am Ende der Gasse wohnte einst der Henker. Vor Ort steht auch der Pranger.

 

 

Um den Markplatz herum finden sich zahlreiche weitere sehenswerte Häuser aus alten Zeiten. So zum Beispiel das Haus U Slunce (Zur Sonne) mit einem Portal im Renaissancestil mit Säulen und Pflanzenmotiven. Oder der Gotische Palais mit Gewölbe und Erker. Gewölbebogen und Erkerverzierungen sind aus dem 14. Jahrhundert. Im 16. Jahrhundert erfolgte der Umbau zum Renaissancestil.

Viele weitere Häuser tragen heute noch die Zeichen des Mittelalters. Eine Liste der denkmalgeschützten Gebäude in Kadaň findest du hier.

 

 

Franziskanerkloster der Vierzehn Nothelfer in Kadaň

1469 erwähnte man erstmals ein Kapelle an die die Franziskaner ein provisorisches Gebäude anbauten. Bereits 1480 weihte man eine dreischiffige Kirche. Das Kloster entwickelte sich stetig, erst der 30-jährigen Krieg hemmte das Wachstum. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts kam es zur Restaurierung. Ein Jahrhundert später, während der Josephinischen Reformen, entkam das Kloster nur knapp seiner Auflösung.

 

 

Im 2. Weltkrieg mussten die Franziskanermönche das Kloster der deutschen Wehrmacht überlassen. 1950 erfolgte die endgültige Schließung. Erst nach dem Fall der kommunistischen Regierung betrieben einige Franziskaner das Kloster zwischen 1991 und 1994 weiter. 1995 traten sie das Kloster an das römisch-katholische Bistum Leitmeritz in Nordböhmen ab. Diese wiederum vermieteten das Kloster an die Stadt Kadaň. Es wurde saniert und man brachte das Städtische Museum darin unter.

 

 

Das ehemalige Kloster gehört heute zu den Nationalen Kulturdenkmälern Tschechiens. Neben dem Museum werden auch Führungen angeboten. Informationen zu Öffnungszeiten, Preisen und Führungen gibt es hier.

Talsperre Kadaň

Direkt unterhalb des Klosters staut die Talsperre Kadaň die Eger. Entstanden ist die Talsperre zwischen 1966 und 1971, 1972 konnte man sie in Betrieb nehmen. Der Stausee hat eine Wasserfläche von 67,2 ha und fasst 2,75 Mio m³ Wasser. Die Staumauer ist ein 14,15 Meter hoher Betonbau. Die Dammkrone ist 104,3 Meter lang und 4,9 Meter breit. Die Talsperre Kadaň sicher die Wasserversorgung verschiedener Kraftwerke in Kadaňs näherer Umgebung.

 

 

Burg Kadaň

1250 gründete man die Burg Kadaň als Wohnsitz des königlichen Verwalters. Die Kreuzritter zerstörten die Burg teilweise 1421. König Georg von Podiebrand, böhmischer König von 1458 bis 1471, ließ die Anlage renovieren. Unter Johann von Lobkowicz, baute man die Burg erneut um, wobei sie ihr gotisches Aussehen verlor. Durch schwedische Besatzer im 30-jährigen Krieg erlitt die Burg große Zerstörung.

Die Familie Lobkowicz ist ein altes Adelsgeschlecht. Einer der Lobkowicz ist heute im Besitz eines Palais auf dem Prager Hradschin, in dem er ein bedeutendes Kunsthistorisches Museum errichtet hat.

Im Auftrag von Maria Theresia, 1740 – 1780 Erzherzogin von Österreich und Königin von Ungarn und Böhmen, gestaltete man die Burg zur Kaserne um. 1816 erfolgte eine Erweiterung der Kaserne. Die nächsten 150 Jahre diente sie der österreichischen und tschechischen Armee. 1990 erfolgte eine weitere Rekonstruktion und der Übergang in den Besitz der Stadt. Heute wird die Burg ausschließlich für kulturelle Zwecke genutzt.

 

 

Übrigens waren auch die Herren von Schönburg, denen unter Anderem die Glauchauer Schlösser, Kloster Wechselburg, Burg Kriebstein und die Rochsburg gehörten, zeitweise im Besitz der Burg Kadaň.

Anreise, Unterkunft, Essen

Anreise

Auto: Von Chemnitz sind es etwa 80 km und ca. 1:15 h Fahrt über die B174. Von Dresden etwa 130 km und ca. 1:45 h Fahrt über A17 (eventuell könne hier Mautgebühren anfallen!)

Parken kannst du auf dem Marktplatz gegen Gebühr, bei Veranstaltungen ist der Markt allerdings gesperrt. Unterhalb der Burg befindet sich außerdem ein kostenloser Parkplatz direkt an der Eger.

Bahn: Von Dresden fährt ein Zug über Usti nad Labem, du musst aber mindestens 2 Mal umsteigen. Dauer ungefähr 3 Stunden.

Unterkunft

In und um Kadaň gibt es einige preiswerte Unterkünfte, je nach Reisezeit und Ansprüchen schon ab 26 € pro Nacht. Außerdem gibt es in und um Kadaň mehrere Zeltplätze.

 

 

Essen

Wir mussten ein wenig suchen, schließlich wollten wir ja böhmische Küche und keine Pizza oder Döner. Durchaus erstaunt waren wir, dass einige Restaurants geschlossen hatte. Ob das jetzt daran lag, dass die Feriensaison noch nicht begonnen hat oder ob das immer so ist, können wir nicht sagen. Gefunden haben wir letztendlich das kleine Restaurant „Na Hradbách“ in einer kleinen Gasse unterhalb der Rosenkranz Kapelle, das wir durchaus empfehlen können. Am besten gehst du durch die Henkergasse und dann rechts.

 

 

Geld tauschen

In Tschechien musst du nach wie vor dein Geld in Kronen tauschen. Das machst du am besten am Geldautomat vor Ort. In kleineren Orten findest du einen Geldautomat meist am Bahnhof oder bei einer Bank. Wichtig: Geld immer ohne Währungsumrechnung abheben, du zahlst sonst unverhältnismäßig hohe Gebühren!

 

 

 

 

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2 Kommentare zu „Alte Königsstadt Kadaň (Kaaden)“

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