Sächsische Schweiz – Durch die Schwedenlöcher zur Bastei

Die Sächsische Schweiz – zahlreiche Künstler ließen sich hier schon zu ihren Meisterwerken inspirieren. So zum Beispiel Caspar David Friedrich zu seinem „Wanderer über dem Nebelmeer“. Die Wolfsschluchtszene aus Carl Maria von Webers Oper „Der Freischütz“ ist hier angesiedelt. Und auch Richard Wagner fand hier die Inspiration zu „Lohengrin“.

Unser Weg führt uns heute durch die Schwedenlöcher über den Amselgrund hinauf zur Bastei. Dabei machen wir einen Abstecher zum Amselfall, kommen am Amselsee vorbei sowie an der Felsenburg Neurathen. Diese Strecke ist allgemein sehr beliebt, sodass man hier kaum allein ist. Aber schon wegen der spektakulären Aussichten lohnt sich ein Besuch hier.

Lage

Zwischen dem Lausitzer Bergland und dem Erzgebirge liegt das Elbsandsteingebirge – ein aus Sandstein bestehendes Mittelgebirge. Es erstreckt sich am Oberlauf der Elbe von Deutschland bis ins benachbarte Tschechien. Den deutschen Teil nennt man Sächsische Schweiz, den tschechischen Teil Böhmische Schweiz. Immer häufiger sagt man heute auch Sächsisch-Böhmische Schweiz. Die gesamte Elbsandsteingebirge umfasst ein Gebiet von etwa 700 km².

Die Künstler Adrian Zingg und Anton Graff gaben der Region im 18. Jahrhundert übrigens ihren Namen. Bei ihrem Aufenthalt hier fühlten sie sich sehr an ihre Heimat in der Schweiz erinnert. Zur Unterscheidung sprachen sie im Briefwechsel von der Sächsischen Schweiz.

Durch die Schwedenlöcher

Unser Startpunkt ist der Parkplatz nahe der Bastei an der Basteistraße. Von hier beginnen wir unsere Wanderung und laufen das erste Stück auf dem Gansweg. Nach wenigen Metern biegen wir rechts zum ersten Aussichtspunkt ab, der Pavillonaussicht. Hier blicken wir auf die Wehlnadel und den Gansfelsen und sehen außerdem das Hotel auf der Bastei. Im Hintergrund ist auch der Lilienstein gut zu sehen.

 

 

Zurück auf dem Gansweg beginnt nun der Abstieg in den Amselgrund durch die Schwedenlöcher. Zahlreiche Stufen gilt es nun zu überwinden. Zum Glück geht es abwärts. Ein Teil der Treppen besteht aus Betonplatten. Das wirkt etwas seltsam und passt so gar nicht in diese atemberaubende Landschaft.

Die Schwedenlöcher sind eine klammartige Schlucht, die zum Amselgrund führt. Im 30-jährigen Krieg haben die Bauern hier ihr Hab und Gut, ihr Vieh und sich selbst vor den Schweden versteckt. Auch in späteren Kriegen diente die Schlucht als Versteck. Entstanden ist die sie durch Erosion des weichen Sandsteins. Durch den erodierenden Sandstein ist die Schlucht regelmäßig durch Felsstürze gefährdet und musste in der Vergangenheit schon mehrfach gesperrt werden. Im Mai 2012 brach eine Baumwurzel ein 10 Kubikmeter großes Felsstück ab. 7 Wanderer wurden durch den herabfallenden Felsen verletzt.

 

 

Am Amselgrund

Sind wir endlich im Amselgrund angekommen, biegen wir vorerst nach links ab und machen einen Abstecher zur Amselbaude. Hier kann man sich einen kleinen Imbiss gönnen oder sich die Ausstellung zum Thema Schluchtenwald und Entwicklung der historischen Amselfallbaude ansehen. Auch interessant ist der Film über die Wasseramsel.

Zwischen den Gebäuden ergiesst sich aus 10 Metern Höhe der Grünbach über das Amselloch, eine durch herabfallenden Sandsteinfelsen entstandene Höhle. Leider waren nur ein paar Tropfen zu sehen, von Wasserfall keine Spur. Wer den Amselfall in voller Aktion sehen möchte, muss dafür eine kleine Gebühr zahlen. Eine bedienbare Wehrschürze sorgt dann für einen schwallartigen Abfluss. Ich hatte vorher Bilder vom Wasserfall gesehen und war an dieser Stelle dann doch etwas enttäuscht.

 

 

Wir gehen zurück und durchlaufen den Amselgrund immer am Grünbach entlang und kommen bald am Amselsee vorbei. Wer mag, kann sich hier ein Boot leihen und eine Runde über den See drehen. Von der kleinen Staumauer des Sees hat man eine gute Sicht auf die Honigsteine mit der bekannten Steinformation Lokomotive.

Die Idee zum dem kleinen Stausee gab es bereits 1920. Der Gedanke war, die Landschaft noch attraktiver für Besucher zu gestalten und so den Tourismus zu beleben. Hat wohl funktioniert. Zusätzlich sollte der See als Feuerlöschteich, zum Hochwasserschutz und zur Fischzucht dienen. Am 21. Juni 1934 erfolgte dann, nach einigem Hin und Her, der erste Spatenstich.

 

 

Aufstieg zur Bastei

Nachdem wir den See hinter uns gelassen haben, kommen wir zum Eingang der Felsenbühne Rathen. Die Felsenbühne gilt als Europas schönste Naturbühne. Seit 70 Jahren kann man hier von Mai bis September Opern, Musicals und Theaterstücke vor eindrucksvoller Kulisse sehen. Ein Besuch der sich sicher lohnt! Mehr Infos findest du im Veranstaltungsprogramm.

Nachdem wir durch die Schwedenlöcher über unzählige Stufen hinab gegangen sind, müssen wir natürlich auch wieder nach oben. Gegenüber vom Eingangsbereich der Felsenbühne führen uns nun erneut endlos scheinende Stufen wieder hinauf. Vorbei an vielen, wirklich schönen Aussichtspunkten kommen wir endlich oben auf der Basteibrücke an. Hier hast du die Möglichkeit einen Abstecher zur Ruine der Felsenburg Neurathen zu machen. Felsenburg deshalb, weil beim Bau einer solchen Burg der natürliche Fels mit einbezogen wurde.

 

 

Von der einstigen Felsenburg, erstmals erwähnt 1289, sieht man heute aber leider nicht mehr viel. Die Bauten bestanden zum großen Teil aus Holz und sind deshalb nicht mehr erhalten geblieben. Was man heute noch sieht, sind die in den Fels gehauenen Räume und Durchgänge, sowie die Zisterne. Seit 1906 fanden hier mehrere Grabungen statt, mit den letzten Grabungen 1982-84 erfolgte die Aufbereitung zum Freilichtmuseum. Für kleines Geld kannst du das Gelände der Felsenburg erkunden. Mehr Infos zur Burgruine gibt es hier.

Wir gehen aber weiter über die Basteibrücke. Die Aussicht von hier und auch von der Aussichtsplattform am Restaurant sowie die gute Zugänglichkeit ziehen regelmäßig massenhaft Touristen an. Wir mögen solche Menschenmengen nicht so sehr. Also schnell ein paar Fotos und dann weiter. Eventuell ist es unter der Woche auch nicht ganz so überlaufen.

 

 

Bastei

Die Felsformation Bastei zwischen Rathen und Wehlen ist wohl das bekannteste Ausflugsziel der Sächsischen Schweiz. Die Felsen gehörten zum Verteidigungsring der ehemaligen Felsenburg, der Name Bastei lässt dies schon vermuten.

Auf der Hochfläche hinter den Felsen befindet sich ein Hotel mit Restaurant. Gästebewirtung auf der Bastei hat tatsächlich schon länger Tradition. Bereits 1812 begann der Lohmener Fleischer Pietzsch mit der Verköstigung der Besucher. Damals bot er in 2 Rindenhütten Brot, Butter, Bier, Brantwein, Kaffee und Milch an. Eine Küche und ein Keller entstanden kurze Zeit später unterhalb eines Felsüberhanges. Fleischer Pietzsch erhielt 1826 eine Schanklizenz, seine errichteten Hütten brannten allerdings im gleichen Jahr nieder.

So errichtete man die erste befestigte Gaststätte mit Übernachtungsmöglichkeit auf der Bastei. Zeitgleich baute man eine erste Holzbrücke. Da die Besucherzahlen ständig stiegen, ersetzte man die Brücke schon ein paar Jahre später (1851) durch eine Brücke aus Sandstein. Mit etwa 76 Metern und 7 Bögen überspannt sie noch heute die tiefe Schlucht mit dem Namen „Mardertelle“.

 

 

Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich die Bastei zum Hauptausflugsziel entwickelt. Man baute die Gaststätte um sowie Fernsprech- und Hochdruckwasserleitung. Pläne zum Bau einer Bergbahn setzte man letztenlich doch nicht um. Nach 1945 sprach man bereits von Massentourismus, besonders an den Wochenenden und Feiertagen. Es folgte erneut ein umfangreicher Umbau der Gaststätte und der Bau eines Hotels.

Die beliebte Aussichtsplattform am Restaurant musste 2016 erstmalig gesperrt werden, da das verwitterte Gestein auf dem die Plattform aufliegt, die Sicherheit gefährdete. Bei Sicherungsarbeiten stellte sich heraus, dass der Fels mit technischen Mitteln nicht mehr zu retten ist. Geplant ist nun der Rückbau der alten Plattform und der Bau einer neuen aus Carbonbeton, die nur teilweise auf dem Fels aufliegt. Die neue Plattform soll 3,5 Meter breit und 70 Tonnen schwer werden.

Nationalpark Sächsische Schweiz

Der Nationalpark umfasst selbstverständlich mehr, als nur die Gegend um die Bastei. Allerdings erklärte man dieses Gebiet 1938 als erstes zum Naturschutzgebiet Elbsandsteingebirge. Heute gehört die Bastei zur Kernzone des Nationalparks Sächsische Schweiz.

Am 1. Oktober 1990 gründete man dann den Nationalpark Sächsische Schweiz mit einer Fläche von 93,5 km², der sich in Tschechien mit dem Nationalpark Böhmische Schweiz fortsetzt.

200 Jahre lang hat man den natürlichen Wald zur forstwirtschafltichen Nutzung gegen Fichtenwald getauscht. Heute versucht man nun wieder zurück zum ursprünglichen Wald zu gelangen. Als typischen Baumbestand findet man hier Buchen, die auf dem ehemals vulkanischen Grund gut wachsen. An freistehenden Felsriffen klammern sich Riffkiefern, die durch Witterung den Windflüchtern an der See ähneln. Vereinzelt findet man Weißtannen an den Hängen der Schluchten. Dazwischen haben sich Auenwiesen gebildet. Auf dem Boden finden sich Heidekraut, Farne, Heidelbeerkraut und ebenso Sumpfporst, Fuchssches Kreuzkraut und Leuchtmoos auf den feuchten Felsen. Eingewandert sind das Drüsige Springkraut und die Weymouthkiefer.

 

 

Neben der reichhaltigen Fauna hat sich eine ebenso zahlreiche Tierwelt entwickelt. Eine Vielzahl an seltenen Arten hat in den letzten Jahrzehnten wieder hierher zurückgefunden und bereits erloschenen Arten konnten erfolgreich wieder angesiedelt werden. Der in den 1970er Jahren verschwundene Wanderfalke ist seit Anfang der 1990 mit stabiler Population wieder ansässig. Das Wildschwein, das bereits Anfang des 19. Jahrhunderts ausgerottet war, kam in den 1950er Jahren ohne menschliches Zutun wieder. Gemsen und Mufflons, die man Anfang und Mitte des 20 . Jahrhunderts aussetzte, sind heute stabil. Und obwohl man keine Sichtung bestätigen kann, geht man anhand von Kot, Fährten und gerissenem Wild davon aus, dass sich eine kleine Luchspopulation angesiedelt hat. Den letzten Luchs im Nationalpark Sächsische Schweiz erlegte man bereits 1743.

Natur erhalten

Damit uns diese Natur erhalten bleibt, gibt es einige Regeln. Im gesamten Nationalpark Sächsische Schweiz gilt Wegpflicht! In der Kernzone dürfen nur die markierten Wege benutzt werden. Außerhalb dieser Zone sind alle Wege freigegeben. Das Wegnetz der Sächsischen Schweiz umfasst übrigens 400 km Wanderwege und 50 km Radwege.

 

 

 

Die Sächsische Schweiz ist zudem ein beliebtes Klettergebiet. 1147 Klettergipfel mit über 15000 Kletterwegen stehen zur Verfügung. Zur Brutzeit sind einige Gipfel gesperrt. Grundsätzlich wird nach den bereits Anfang des 20. Jahrhunderts aufgestellten sächsischen Kletterregeln geklettert, die übrigens auch die ersten ihrer Art waren.

Boofen, also übernachten in der freien Natur, in Höhlen oder unter Felsüberhängen, darf man heute nur noch an dafür gekennzeichneten Stellen. In der Kernzone ist übernachten komplett verboten, die gekennzeichneten Stellen befinden sich alle außerhalb der Zone. Das sich einige nicht benehmen können und unter Anderem junge Bäume ausreisen und offenes Feuer machen mussten, gelten heute leider diese Einschränkungen. Zu was derartiges Fehlverhalten führen kann haben wir ja erst diesen Sommer gesehen. Waldbrand nahe der Bastei

 

Anreise

Die Sächsische Schweiz ist sehr gut erschlossen und auf verschiedenen Wegen zu erreichen – ob mit Bus, Bahn, Auto oder sogar mit dem Schiff. Eine Übersicht über die Anreisemöglichkeiten findest du hier.

 

Wir haben für diese Strecke von etwa 9,5 km ungefähr 3 Stunden gebraucht. Wie immer sehr gemütlich, mit Pause und reichlich Fotostopps.

Werbung
Kaufst du über einen dieser Amazon-Links ein, erhalte ich eine kleine Provision. Dadurch wird es für dich nicht teurer, du unterstützt damit aber mich und meinen Blog

 

Warst du schon einmal Wandern in der Sächsischen Schweiz? Wo genau? Welchen Weg kannst du empfehlen?

Related Post

12 Kommentare zu „Sächsische Schweiz – Durch die Schwedenlöcher zur Bastei“

  1. Pingback: Skurrile Steinformationen im Erzgebirge – die Greifensteine - Routinebruch

  2. Huhu, ich bin ja ein großer Fan von Deutschlandurlaub und werde das auf jeden Fall mal im Hinterkopf behalten! Deine Bilder sind ganz toll und die Region scheint echt schön zu sein. Danke für den ausführlichen Beitrag!
    Liebe Grüße,
    Marie

    1. Ich finde auch, dass man nicht immer weit weg muss um Urlaub zu machen. Es gibt hier jede Menge zu entdecken! Die Sächsische Schweiz zum Beispiel. 😉 LG Carina

  3. Ich selber bin auch immer wieder überwältigt von der Schönheit der sächsischen Schweiz. Auf der Bastei war ich erst im April wieder und es ist jedes mal auf’s Neue ein Erlebnis. Einen Tag später haben wir eine Wanderung den Satanskopf hoch zur Idagrotte und zum Kuhstall gemacht. Ein Blogbeitrag dazu kommt bei mir noch beizeiten – ich kann nur jetzt schon sagen: Ich bin noch nie im Wald so viele Stufen hochgestiegen. Ufff…. Trotzdem war es einfach grandios.

    LG von
    Kerstin

  4. Das sieht ja landschaftlich richtig toll aus dort. Danke für die schönen Bilder und die vielen Infos 🙂 Das merke ich mir mal. Wenn meine Tochter mal etwas älter ist kann ich mir das gut vorstellen.

    Liebe Grüße,
    Diana

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.