Zauberhaftes Meißen – ein Tagesausflug

Meißen, Kreisstadt des gleichnamigen sächsischen Landkreises, liegt zwischen Dresden, Leipzig und Freiberg am Ausgang des Elbtalkessels an der Elbe und ihrem Nebenfluss, der Triebisch.

Bekannt ist Meißen weltweit durch die Porzellanmanufaktur. Immerhin war es 1708 auch das erste in Europa hergestellte Porzellan. Damit haben wir uns aber bei unserem Besuch nicht näher beschäftigt. Meißen hat nämlich tatsächlich noch mehr zu bieten. Eine zauberhafte Altstadt zum Beispiel oder die Albrechtsburg.

Stadtgeschichte

Um 929 baute König Heinrich I. auf einem Hügel die Burg Misnia. Unter halb des Hügels existierte bereits ein slawische Siedlung mit dem Namen Meisa aus der sich im Laufe der Jahre die Marktsiedlung Meißen entwickelte. Ende des 12. Jahrhunderts konnte man den Ort bereits als Stadt bezeichnen, auch wenn die Stadtrechte Meißens erst seit 1332 urkundlich belegt sind.

Als Bischofsresidenz war Meißen für die kulturelle Entwicklung Sachsens jeher von großer Bedeutung. 3 Klöster gab es hier: den Augustiner-Chorherrenstift St. Afra, das Benediktinerinnenkloster Heilig Kreuz sowie einen Franziskanerorden. Mit der Einführung der Reformation, in Meißen erst 1539, löste man die Klöster auf.

 

 

Wirtschaftlich war Meißen lange Zeit ein Zentrum der Tuchmacher. Mit dem 30-jährigen Krieg kam dieses Handwerk aber nahzu zum Erliegen. Erst nachdem Johann Friedrich Böttger im Jahre 1708 das europäische Porzellan erfand gab es in Meißen neuen wirtschaftlichen Aufschwung. 1710 ließ August der Starke das Verfahren patentieren und richtete auf der Albrechtsburg die erste Porzellanmanufaktur ein.

In der DDR lag die Prämisse auf Wohnraumschaffung, bevorzugt in den Randgebieten. Die historische Altstadt überlies man sich selbst und dem Verfall. Erst nach 1990 gab es umfassende Sanierungsarbeiten.

 

 

2002 setzte das Hochwasser mehrere Stadtteile bis zu 3 m unter Wasser. Die eben erst sanierte Altstadt erlitt dabei starke Schäden. Die daraufhin gebaute Flutmauer konnte auch das Hochwasser von 2013 nicht aufhalten und setzte die Altstadt erneut unter Wasser. Heute sieht man davon nichts mehr.

Albrechtsburg

Am 3. Oktober 1990 gründete man hier den Freistaat Sachsen neu.

Ernst und Albrecht, die Enkel Friedrich IV., gaben den Bau der Albrechtsburg in Auftrag. Beide herrschten von 1464 bis 1485 gemeinsam über Sachsen und Thüringen. Ab 1470 errichtete Baumeister Arnold von Westfalen in deren Auftrag die Albrechtsburg als erstes deutsches Schloss. Ursprünglich war angedacht, dass die beiden Regenten das Bauwerk als Residenz nutzen, dazu kam es aber nie. 1485 löste sich die gemeinsame Herrschaft auf und das Land wurde aufgeteilt. Albrecht behielt das Schloss. Aber erst sein Sohn, Georg der Bärtige, kam in den Genuss tatsächlich hier zu leben. 1676 benannte man es nach seinem Bauherrn und erstem Besitzer, seitdem heißt es Albrechtsburg. Im 30-jährigen Krieg erlitt das Schloss starke Schäden und stand danach viele Jahre leer.

 

 

Eine neue Verwendung fand die Albrechtsburg erst 1710 als sich August der Starke entschied, in den Räumen die erste Porzellanmanufaktur zu errichteten. Tatsächlich sollte erst Dresden als Manufakturstätte dienen, die Albrechtsburg schien August aber geeigneter durch ihre isolierte Lage. Das Geheimnis der Prozellanherstellung konnte so viel besser bewahrt werden.

Mitte des 19. Jahrhunderts siedelte die Manufaktur in ein neu gebautes Fabrikgebäude um und die Albrechtsburg stand wieder leer. 1864 begann man mit dem entfernen der alten Manufaktureinbauten und stellte den ursprünglichen Zustand des Schlosses wieder her. Fehlendes Mobiliar wurde durch aufwendige Malereien ersetzt. Am Ende des 19. Jahrhunderts konnte die Albrechtsburg in Meißen für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

 

 

Wer sich die Albrechtsburg von innen anschauen möchte zahlt 8,00 € Eintritt.

Dom zu Meißen

In direkter Nachbarschaft zur Albrechtsburg befindet sich der Dom zu Meißen. Gewidmet dem Heiligen Johannes und Donatus von Arezzo, trägt er den Namen St. Johannis und St. Donatus. Der Meißner Dom ist heute einer der stilreinsten deutschen gotischen Dome und verfügt über eine der reichsten und wertvollsten Ausstattungen in sächsischen Kirchen.

Bereits 968 stand an gleicher Stelle eine Basilika, die man 1250 umbaute. Mit dem eigentlichen Bau des Doms als gotische Hallenkirche begann man 1260. Schon 8 Jahre später konnten Chor und Kreuzgang genutzt werden. Die komplette Fertigstellung zog sich aber über die nächsten Jahrzehnte. Die Maria-Magdalenen-Kapelle an der Ostseite (heute Lapidarium) war 1280 fertiggestellt und die achteckige Johanniskapelle 1291. Mit Fertigstellung des Kapitelsaals 1297 begann eine mehrere Jahrzehnte dauernde Baupause. Erst im Jahre 1410 konnte dann das Langhaus beendet werden.

 

 

Bei einem Gewitter 3 Jahre später, zerstörte ein Blitzschlag die Westfront und ihre beiden Türme. Über Jahrhunderte hatte der Dom zu Meißen nur einen Turm an der Ostseite. Die beiden 81 m hohen Türme, die man heute kennt, baute man erst zwischen 1903 und 1909 zusammen mit einem 4. Geschoss.

Wer den Dom auch von innen bestaunen möchte, muss mit 4,50 € Eintrittsgeld rechnen. Für Führung und Turmbesteigung zahlt man noch extra. Allerdings gibt es ein Kombiticket für 11,00 €, wenn man auch in die Albrechtsburg möchte. Wir haben die 4,50 € investiert und können behaupten: Von Innen ist der Dom nicht weniger beeindruckend! Und auch bei derart wertvoller Ausstattung, gehen einem auch als nicht gläubiger Mensch hin und wieder die Augen auf.

 

 

An den Wänden finden sich überlebensgroße Stifter- und Patronatsfiguren aus der Naumburger Domwerkstatt von 1260. Aus diesem Jahr ist auch der Lettner. Ein spätgotischer Hochaltar (möglicherweise bemalt von einem niederländischen Meister) sowie Chorgestühl sind aus dem beginnenden 16. Jahrhundert. Die Malerei am Laienaltar stammt aus der Werkstatt von Lucas Cranach d. Ä., das Triptychon der Georgskapelle soll der Meister 1534 sogar selbst geschaffen haben. Kruzifix und Kandelaber schuf 1760 der berühmte Porzellan-Dekorgestalter Johann Joachim Kändler.

 

 

Frauenkirche

Die Meißner Frauenkirche steht in der Altstadt direkt am Marktplatz.

1205 fand sie die erste urkundliche Erwähnung als Kapelle „Unserer lieben Frauen St. Marien“. Über die Jahre entwickelte sie sich zur Bürgerkirche. Nach mehreren Bränden in der Stadt entstand die Frauenkirche zwischen 1450 und 1520 als spätgotischer Hallenbau neu. Der Marienaltar, den man heute in der Kirchen sehen kann, stammt noch aus dieser Zeit. Ebenfalls in der Frauenkirche Meißen befindet sich der spätgotische Flügealtar von 1480, der ursprünglich in der Nikolaikirche zu finden war.

 

 

1547 zerstörte ein Blitzschlag die Turmspitze. Ein Neubau erfolgte 1549 in achteckiger Form, zusätzlich vergoldete man den Turmknopf und setzte eine Wetterfahne auf. Dir farbigen Fenster im Chroraum stammen aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, als das Innere der Frauenkirche einer Regotisierung unterzogen wurde.

Das wohl größte Highlight der Frauenkirche Meißen ist das Porzellan-Glockenspiel, dass man 1929 anlässlich der 1000-Jahrfeier installierte. Es handelt sich dabei um das erste stimmbare und spielbare Porzellan-Glockenspiel der Welt. Die 37 Glocken erklingen sechs mal täglich zu festgelegten Zeiten und spielen dabei verschiedene Choräle. Zusätzlich erklingt zu jeder Viertelstunde ein Westminsterschlag als Vorspiel zum jeweiligen Glockenschlag. Bedient werden kann das Glockenspiel über einen Spieltisch mit Klaviatur oder über eine Stiftwalze.

 

 

Spielplan des Porzellan-Glockenspiels:

06:30 Uhr Wachet auf, ruft uns die Stimme

08:30 Uhr Großer Gott, wir loben dich

11:30 Uhr Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre

14:30 Uhr Wir treten zum Beten

17:30 Uhr Ein feste Burg ist unser Gott

20:30 Uhr Lobet den Herrn, den mächtigen König

Altstadt

Die Altstadt von Meißen erstreckt sich rund um den Marktplatz. Als Grenze gilt die alte Stadtmauer. Neben Schloss, Dom und Frauenkirche findet man hier noch eine ganze Reihe weitere sehenswerte Bauten.

Stadtmuseum

Das Stadtmuseum am Heinrichsplatz ist in der ehemaligen St. Peter und Paul Kirche des Franziskanerklosters untergebracht. Innen kann man die ursprüngliche Kirchenarchitektur noch sehr gut erkennen. Die hohen Räume erlauben das Ausstellen besonderer Exponate, wie zum Beispiel der größten handbetriebenen Ratsweinpresse von 1788. Grabmale aus 5 Jahrhunderten gibt es im Kreuzgang, Stadtgeschichte im Neogotischen Haus. Eintritt 4,00 €

 

 

Heinrichsbrunnen

Als Heinrich I. im Jahre 929 über den Tälern von Elbe, Meisa und Triebisch die Burg Misnia baute, legte er damit wohl den Grundstein für die Entwicklung der Stadt Meißen. 1863 errichteten die Meißner ihm zu Ehren den Heinrichsbrunnen vorm Stadtmuseum.

Rathaus

Meißens Rathaus gilt als das Älteste seiner Art in Sachsen. Es befindet sich direkt am Markt, umgeben von zahlreichen restaurierten Bürgerhäusern aus der Renaissance. Die Architektur des Rathauses hingegen ist der Spätgotik zuzuordnen. Eine besondere Zierde sind dabei die drei kleinen Zwerchhäuser auf dem Dach mit einzigartigem Fachwerk. Bei dem Dach handelt es sich um einen Nachbau mit 52 Rautenspitzbildern, die zum Teil aus Originalstücken bestehen. Das Originalhaus baute man zwischen 1470 und 1486.

 

 

Tuchmachertor

Geht man um die Frauenkirche herum, gelangt man zu einem der schönsten Zeitzeugen der Renaissance, die Meißen zu bieten hat – dem Tuchmachertor. Die Tatsache, dass es sich bei dem Tor heute um eine Nachbildung handelt, tut der Schönheit keinen Abbruch. 1954/56 erneuerte man das Tor, dass Anfang des 20. Jahrhunderts komplett abgerissen wurde. Seinen Namen erhielt das Tuchmachertor von der Zunft. Es waren die Tuchmacher, die Anfang des 17. Jahrhunderts den Auftrag zum Bau eines neuen Eingangstores für den Friedhof hinter der Frauenkirche gaben. Heute ist das Tor reines Schmuckelement und bietet Zugang zu einer kleinen Parkanlage.

Bahrmannsches Brauhaus

Gegenüber vom Tuchmachertor fällt einem ein künstlerisch gestaltetes Giebelhaus im Renaissancestil auf – das Bahrmannsche Brauhaus. Bis Ende des 19. Jahrhunderts braute man hinter diesen Mauern noch Bier. Viele Jahre war es Stammhaus der Meißner Schwerter Brauerei.

Das Haus hat einen trapezförmigen Grundriss und besteht aus einem dreigeschossigen Vorderhaus sowie zwei Seitenflügeln. 1913 baute man zur Wohnraumnutzung um. Die weiten kühlen Keller und die großen Erdgeschosshallen sind das einzige, was hier heute noch an jahrhundertelange Brautradition erinnert.

 

 

Bennohaus

Benno, Bischof von 1066 bis 1106, ließ sich lange vor dem Bau des heutigen Hauses hier ein Gebäude errichten. Er wollte so seinem Volk nahe sein.

Das Haus, wie es heute ist, baute man 1470/80. Im Inneren befindet sich ein Zellengwölbe aus der Spätgotik. Reste von Wandmalerein aus dieser Zeit sind in der Eingangshalle zu finden. Bei Umbaumaßnahmen 1570 baute man ein Renaissance-Sitznischenportal und eine profilierte Holzdecke im großen Saal ein. Nach Verwüstungen im 30-jährigen Krieg richtete man das Benno-Haus um 1640 wieder her. Erneute umfangreiche Baumaßnahmen trugen zum Erhalt des Eingangsportals sowie der historischen Raumstruktur bei.

Die Besonderheit dieses Hauses liegt im Brunnenkeller, der 2007 saniert wurde und heute besichtigt werden kann. Im Haus befindet sich heute ein Winzerkeller-Restaurant.

Torhaus

Im Mittelalter sicherte das Torhaus oder auch das Mittlere Burgtor die Zufahrt zur Burganlage. Das Gebäude wirkt mit seinen Türmchen und Verzierungen wie aus einem Märchen. Im Inneren befindet sich eine Prozellanausstellung. Der Eintritt ist frei.

 

 

Buchstabenstein

Zwar kein Gebäude, aber dennoch interessant ist der Buchstabenstein. Er befindet sich in der Mauer am Seelensteig unterhalb des Domherrenhofs. Man schuf ihn vermutlich um 1690 als Torschlussstein. Das Sandsteinrelief ist 39×43 cm groß und zeigt ein barockes Monogramm der ineinander verschlungenen Buchstaben A, B, C, D. Durch die Struktur der abgebildeten Buchstaben lassen sich alle Buchstaben des lateinischen Alphabetes herauslesen. Eine Nachbildung mit Hilfstafel findet man am Dresdner Hôtel de Saxe.

Kulinarisches

Schon mal vom Meißner Fummel gehört? Nein? Macht nix. Sieht weder besonders hübsch aus, noch wartet da ein Geschmackserlebnis auf dich. Die Geschichte dazu ist aber ganz witzig.

Die erste Erwähnung geht auf Jahr 1747 zurück als man von einem Gebäck aus Meißen mit dem Namen Fommel sprach. Grundlage hierfür ist ein einfacher Nudelteig. Er wird ganz dünn ausgerollt, mit Eigelb bestrichen, zusammengeklappt, ein wenig aufgeblasen und gebacken.

August der Starke soll schon Fummel backen lassen haben. Zu dieser Zeit verkehrten häufig Kuriere zwischen Meißen und Dresden, die das wertvolle Porzellan transportierten. Die guten Stücke gingen dabei regelmäßig kaputt, da die Herren dem Meißner Wein wohl sehr zugetan waren. August der Starke gab den Bäckern den Auftrag, ein sehr leichtes, zerbrechliches Gebäck herzustellen und somit ward der Fummel geboren. Die Kuriere mussten von nun an immer ein Stück Fummel mit sich führen und bei Ankunft unversehrt vorzeigen.

Gute Weine findet man übrigens heute auch noch in der Meißner Gegend. Auf einem der zahlreichen Weingüter kann man sich bei Führungen und Verkostungen davon überzeugen.

 

 

Wer auf der Suche nach einer Stärkung ist, wird in Meißen schnell fündig. Wir entschieden uns für den Ratskeller und ließen uns gute Hausmannskost schmecken. Der Ratskeller befindet sich im spätgotischen Rathaus. Direkt am Markt gibt es noch einige weitere Möglichkeiten den Hunger zu stillen und auch in den Gassen um den Markt herum findest du zahlreiche kleinere und größere Restaurants und Cafés. Einfach die Augen aufhalten.

 

 

 

Wer in Meißen ist, sollte unbedingt auch einen Besuch der Klosterruine Heilig Kreuz einplanen. Dazu aber später mehr.

 

 

 

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2 Kommentare zu „Zauberhaftes Meißen – ein Tagesausflug“

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