Ein Streifzug durch die Dübener Heide

Zwischen Elbe und Mulde, im Norden der Leipziger Tieflandsbucht, liegt das größte zusammenhängende Waldgebiet im mitteldeutschen Tiefland: die Dübener Heide. Sie erstreckt sich vom östlichen Sachsen-Anhalt bis nach Nordsachen. Der zugleich größte Mischwald Mitteleuropas wird begrenzt von den Städten Dessau, Torgau, Eilenburg sowie den Elbniederungen im Norden und dem Muldelauf über Bad Düben und Bitterfeld.

Diese Endmoränenlandschaft mit ihren sandigen Böden und ausgedehnten Wäldern, prägte vor mehr als 130.000 Jahren die Saale-Eiszeit. Galt die Dübener Heide in früheren Jahrhunderten als beliebtes Jagdgebiet der hier ansässigen Adelshäuser, steht heute ein großer Teil des Areal unter Naturschutz. Im geschützten Bereich, dem Naturpark Dübener Heide, haben wir uns ein paar Tage umgesehen und ein paar wirklich schöne Orte entdeckt.

Naturpark Dübener Heide

Die Dübener Heide lässt sich in zwei Bereiche unterteilen. Der westliche bei Bitterfeld ist geprägt durch Braunkohleabbau und die dadurch zerstörten Wälder. Der Tagebau wird heute saniert und die entstandenen Löcher werden geflutet. So entstand zum Beispiel bei Gräfenhainichen die Halbinsel Ferropolis – die Stadt aus Eisen. Neben verschiedenen Veranstaltungen und Konzerten gibt es hier auch ein Freilichtmuseum zur Tagebaugeschichte der Region mit Tagebaugroßgeräten und Schienenfahrzeugen.

Im Osten der Dübener Heide, einschließlich des bekannten Kurortes Bad Düben, findet man den geschützten Naturpark Dübener Heide. Zwischen Wald-, See- und Moorgebieten gibt es 500 km Wanderwege die zu Fuß oder mit dem Rad erkundet werden wollen. Auch Entdeckungstouren Hoch zu Ross oder auf dem Wasser sind möglich. Mit etwas Glück entdeckt man dabei Biber oder Storch. In den Moorgebieten der Dübener Heide machen im Herbst und Frühjahr die Kraniche Rast und können an einigen Stellen beobachtet werden.

Presseler Heidewald- und Moorgebiet

Der wohl schönste Teil der Dübener Heide befindet sich im Süden. Das Presseler Heidewald- und Moorgebiet besteht hauptsächlich aus 2 größeren Mooren – dem Zadlitzbruch und dem Wildenhainer Bruch.

Der Wildenhainer Bruch ist das größte Moor der Dübener Heide. Im Frühjahr und Herbst rasten hier die Kraniche, einige Paare bleiben und brüten im Gebiet. Begehbar ist der Wildenhainer Bruch allerdings nicht.

Als das mit Abstand schönste Moor gilt der Zadlitzbruch, besonders im Juni, wenn das Wollgras blüht. Wir waren Anfang September da und konnten dieses Naturschauspiel deshalb leider nicht beobachten. Überhaupt haben wir vom typischen Moor nicht viel gesehen. Die komplette Gegend war aufgrund des fehlenden Regen in diesem Sommer, stark ausgetrocknet. Das hat sich scheinbar auch in der Moorlandschaft bemerkbar gemacht. Der Weg dorthin lohnt sich dennoch. Sich teilweise über recht zugewachsene Pfade durch nahezu mannshohen Farn zu schlagen war schon fast abenteuerlich.

Unsere Tour in und um den Zadlitzbruch seht ihr auch auf Komoot.

In den letzten 10.000 Jahren ist der Zadlitzbruch auf 4 Meter Höhe angewachsen und wächst jedes Jahr um 1 mm weiter, sofern nicht entwässert wird. Beide Moore, der Zadlitz- als auch der Wildenhainer Bruch, sind von Austrocknung bedroht. Man bemüht sich aber diesem Zustand entgegenzuwirken und den Wasserbedarf beider Moore zu dauerhaft zu sichern.

Warum wir Moore schützen sollten

Weltweit binden die Moore pro Jahr 150 bis 250 Mio. Tonnen CO2, das sie der Atmosphäre entziehen und so dem Klimawandel entgegenwirken. Im Moor absterbende Pflanzenteile verrotten mangels Sauerstoff nicht, sondern werden zu Torf, dabei wird auch jede Menge Kohlenstoff als Grundstoff organischen Materials mit eingelagert. Trocknet ein Moor aus, kehrt sich dieser Prozeß logischerweise um, Kohlenstoffeinlagerungen mehrerer tausend Jahre werden freigesetzt und reagieren mit dem Sauerstoff der Luft zu CO2.

Außerdem ist Moor ein Lebensraum und zwar ein seltener. Hier leben zahlreiche Arten, einige davon stammen sogar noch aus der Eiszeit!

Moore zu schützen bedeutet also nicht nur Klimaschutz, sondern auch Artenschutz!

Talsperre Trossin

Ganz im Norden Sachsens, kurz vor der Grenze zu Sachsen-Anhalt, liegt die kleine Talsperre Trossin. Aufgrund der Nähe zum Örtchen Dahlenberg, sagt man auch Stausee Dahlenberg. Zwischen 1973 und 1978 zur Brauchwasser-Versorgung errichtet, dient die Talsperre heute zur Erholung und Freizeitgestaltung.

Der vordere Teil wird im Sommer zum Naturbad, weiter hinten am See ist das Baden dann verboten. Hier dürfen die Angler ihrem Hobby nachgehen. Außerdem wohnt hier der Biber! Um die Talsperre führt ein sehr schöner Naturlehrpfad, gespickt mit zahlreichen Bänken und tollen Ausblicken über den See. Dem Biber sind wir leider nicht begegnet, seinen Spuren allerdings schon an der ein oder anderen Stelle.

Wer an der Talsperre Trossin wandern möchte, muss sich nicht auf den Rundweg um den See beschränken. Die Wanderung lässt sich beliebig in den umliegenden Wald ausdehnen. Und auch ein Abstecher in den Ort Dahlenberg sollte in Erwägung gezogen werden.

Tipp: Wir empfehlen, die geplanten Wanderrouten vorher festzulegen und abzuspeichern, bzw. auszudrucken. An einigen Stellen sind die Wege kaum beschildert. Zudem ist der Netzempfang teilweise extrem schlecht oder auch gar nicht vorhanden. Stellenweise konnten wir nicht einmal eine GPS-Verbindung herstellen.

Dahlenberg

Von der Talsperre Trossin sind es nur ein paar Gehminuten bis nach Dahlenberg, die man durchaus in seine Routenplanung einbeziehen sollte. Der schönste Teil des kleinen Ortes ist der um den Dorfteich.

Das erste sehenswerte Objekt am Dorfteich ist eine Art Säule übersät mit allerlei Trink-Szenen. Die örtliche Tradition des „Nachbarbier gebens“ ist hier 1997 in Form des Nachbarbierbrunnens vom Dahlenberger Künstler Bruno Kubas in Ton verewigt worden.

Nachbarbier geben

Frische Haus- oder Grundstücksbesitzer kauften sich mit einer Tonne Bier in die Dorfgemeinschaft ein. Bei dieser Gelegenheit werden neue Nachbarn der Gemeinschaft vorgestellt. Sie erwerben so alle Rechte und Pflichten eines Nachbarn. Dieser Brauch, der 1832 das erste Mal erwähnt wurde und damals nur Männern vorbehalten war, ist auch heute noch in Dahlenberg lebendig.

Ein Stück weiter um den Dorfteich herum steht die alte Dorfmühle, die 1534 als „Hammer-Mühle“ erstmals Erwähnung fand. Bis 1976 wurde hier noch fleißig gearbeitet. Neben dem Mahlen konnte in der Mühle auch gesägt werden. Eine technische Besonderheit dabei war das Sägegatter mit horizontalem Sägeblatt. Seit 1998 rekonstruiert man Stück für Stück die Mühle, anschauen kann man sich das Ganze aber heute schon.

Ist man an der Mühle vorbei, sollte man noch mal einen Blick zurück riskieren. Idealerweise hat man die Dorfkirche an eine derart günstige Stelle gebaut, dass man bei windstille eine perfekte Spiegelung im Dorfteich erkennen kann. Ob das wohl Zufall war?

Auf der gegenüberliegenden Seite des Nachbarbierbrunnens angekommen führt der Weg in den Wald hinein. Folgt man diesem, kommt man in wenigen Minuten zurück zur Talsperre Trossin. Man sollte sich aber ruhig ein bisschen Zeit nehmen und sich ein wenig umschauen. Teilweise riesige und vermutlich schon sehr alte Bäume kann der aufmerksame Wanderer hier entdecken. Zudem hält dieser stellenweise sehr ursprünglich wirkende Wald hier und da kleinere Moorflächen bereit. Uns ist sogar ein Reh über den Weg gelaufen. Waldidylle pur!

Authausener Wald

Ebenfalls gut mit einer Tour zur Talsperre Trossin zu verbinden ist eine Wanderung im Authausener Wald. Im Grenzgebiet zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt ist dieser etwa 2200 Hektar große Teil der Dübener Heide zu finden. Teilweise überschneidet er sich mit dem Presseler Heidewald- und Moorgebiet.

Verschiedenen Moortypen, Nass- und Feuchtwiesen und naturnahe Gewässer wechseln sich hier mit naturbelassenen Buchen-, Eichen- und Kiefernwäldern ab. Dachs, Fuchs, Waldschnepfe und Hirschkäfer haben hier eine Heimat gefunden. In den Gewässern leben Biber und Fischotter neben zahlreichen wasserliebenden Vogelarten, wie Seeadler, Schwarzstorch, Roter Milan und die Bekassine. Auch Amphibien wie Rotbauchunke und Moorfrosch fühlen sich hier pudelwohl.

Zu Zeiten der intensiven, militärischen Nutzung entstanden durch Rodung kleine, offenen Landschaften. An diesen Stellen hat sich die Heidelerche ausgebreitet. Schling- und Ringelnatter und auch die Zauneidechse nutzen die waldfreien Stellen um in der Sonne zu liegen. Mittlerweile konnte auch der Wolf wieder im Authausener Wald beobachtet werden.

Militärische Nutzung des Authausener Waldes

Seit 1937 nutzte das Militär den Authausener Wald, vorerst als Handgranatenübungsplatz. Ab 1955 begann die Bewirtschaftung als Militärforst der DDR, die alten Gebäude nutzte die NVA. 1973 erweiterte man das NVA- Gelände, eine Bunkeranlage konnte 1979 fertiggestellt werden. 1990 übernahm die Bundeswehr das Gebiet. Bis 1995 nutzte man die Anlage nur noch als Materiallager. Seit 2002 befindet sich in den alten Bunkern das Militärmuseum Kossa.

Der Wald wird heute zum größten Teil seiner natürlichen Entwicklung überlassen. Gelegentlich dünnt man ursprünglich nicht ansässige aus, sodass heimische Bäume nachwachsen können. Damit versucht man langfristig einen strukturreichen Mischwald zu erreichen.

 

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Die Dübener Heide ist ein herrliches Gebiet für all diejenigen, die gern und viel in der Natur unterwegs sind. Neben vielfältiger Natur gibt es in der Umgebung auch einige sehenswerte Orte wie zum Beispiel Torgau und der Kurort Bad Düben, der gleichzeitig Namensgeber der Region ist. Neben alten Mühlen und geschichtsträchtigen Schlössern, erinnern übers Jahr zahlreiche Veranstaltungen an althergebrachte Handwerke und Traditionen. Wir hätten uns gern noch mehr in der Region Dübener Heide umgesehen, leider war unsere Zeit um. Vielleicht kommen wir aber einmal wieder.

 

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4 Kommentare zu „Ein Streifzug durch die Dübener Heide“

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