Von Burg Stein zur Ruine Isenburg – Wandern im Erzgebirge

Eine schöne kleine Wanderung haben wir im sächsischen Hartenstein entdeckt. Hartenstein ist eine kleine Stadt südöstlich von Zwickau. Durch den Ort schlängelt sich die Zwickauer Mulde. Einer der bedeutendsten Barockdichter Deutschlands ist in Hartenstein geboren – Paul Fleming. Ihm zu ehren steht auf dem Marktplatz ein Denkmal.

Unsere Wanderung führt uns allerdings aus dem Ort hinaus in die Natur. Von Burg Stein gehen wir durch den Poppenwald. Über den Raubrittersteig gelangen wir zur Ruine der Isenburg und kommen später an einigen weiteren interessanten Orten vorbei. Die komplette Route findet ihr auch bei Komoot.

Über den Raubrittersteig

Wir starten am Bahnhof Hartenstein. Perfekt wenn man mit dem Zug anreist, das Auto kann man hier aber auch abstellen. Direkt gegenüber vom Bahnhof sehen wir schon Burg Stein. Ihr werden wir uns später noch kurz widmen. Vorerst überqueren wir die Brücke über die Zwickauer Mulde und gehen links die Straße mit dem Namen „Stein“ hinauf. Im Wald angekommen bleiben wir erst einmal auf dem Hauptweg.

Am zweiten Abzweig nach links, rechts erkennen wir beim genaueren hinsehen auch einen Wegweiser, biegen wir schon auf den Raubrittersteig ab. Oberhalb der Zwickauer Mulde führt dieser wildromantische Pfad durch einen wunderschönen Wald und vorbei an markanten Schieferfelsen. Ausgeschrieben als gefährlicher Hangweg, hält sich die Gefahr auf dem von uns begangenem Stück aber in Grenzen. An einigen Stellen geht es zwar steil hinab zur Zwickauer Mulde, aber der Weg ist breit genug, sodass man schon sehr ungünstig stolpern muss.

Geheimnisvolle Ruine – die Isenburg

Nach einiger Zeit kreuzen wir einen weiteren Weg. Rechter Hand kann man von weitem schon die erste Mauer der Ruine Isenburg erkennen. Über die Isenburg weiß man nicht viel. Der Name kommt wohl von Eisenburg, was entweder auf den Eisenabbau in der Nähre zurückzuführen ist oder es steht für „eisern“, also uneinnehmbar.

Man vermutet die Anlage hier seit dem 12. Jahrhundert. Bereits zwei Jahrhunderte später zerstörte man die Burg, verzichtete auf den Wiederaufbau und überließ sie ihrem Schicksal – dem Verfall. In späteren Jahrhunderten dienten die Ruinen der Bevölkerung in Kriegszeiten vermutlich als Versteck. Schließlich sprengte man die Reste um 1750 und baute damit die Wildbacher Kirche, allerdings mit Verzögerung erst ein paar Jahre später. Was nach der Sprengung noch übrig blieb, legte der Reichsarbeitsdienst 1934 wieder frei. 1993 restaurierte man die Fundamente.

Zu sehen sind heute noch ein paar Mauern und Teile des Burgfrieds. Nachdem wir alles ausgiebig inspiziert haben verlassen wir das Gelände wieder auf dem gleichen Weg und gehen hinunter zur Mulde. Ein guter Platz um ein Päuschen einzulegen, wenn man mag. Als nächstes führt uns ein schmaler Pfad parallel zum Fluss, durch den Wald. Offenbar haben wir den Hauptweg verfehlt, finden ihn aber schon bald wieder. Er führt uns direkt zum Bismarck-Gedenkstein.

1904 weihte man den Stein im Rahmen einer einer kleinen Feier. In sozialistischen Zeiten entfernte man das Bronze-Relief – es verschwand. 1993 richtete man den mittlerweile zugewachsenen Platz wieder her, erneuerte den Sockel und brachte eine neue Bronzetafel an.

Wasser mit Heilkraft – die Radiumquelle

Jetzt geht es ein paar Meter die Wildbacher Straße entlang, die ist aber zum Glück nur wenig befahren. Bei der nächsten Möglichkeit verlassen wir die Straße und wenden uns nach rechts. Dort wählen wir direkt den ersten Weg links und entdecken eine Quelle – eine Radiumquelle um genau zu sein. Radium entsteht bei Zerfall von Uran, hier im Gebirge als Uranerz vorhanden.

Diesem Radonwasser, was da leise aus der Erde plätschert, wird eine heilende Wirkung nachgesagt und scheint einigermaßen beliebt zu sein. Man hat wohl tatsächlich schon Menschen beobachtet, die recht weite Wege auf sich nehmen und gleich kanisterweise Vorräte abfüllen. Irgendwas muss wohl dran sein, an der Heilwirkung. Immerhin waren es die starken Radiumquellen, die das nahe gelegene Bad Schlema zum bedeutendsten Kurort in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts machten. So stark wie damals sind die Radiumquellen aber lange nicht mehr. Durch Bergbau zerstört haben sie heute nur noch ein Siebzigstel ihrer ursprünglichen Kraft.

Aus alt mach neu – die Wildbacher Kirche

Wir lassen die Quelle hinter uns und treffen bald im kleinen Örtchen Wildbach ein, einem Ortsteil der Kurstadt Bad Schlema. Neben der Straße führt hinter den Häusern ein kleiner unscheinbarer Pfad hinauf zur Kirche. Die Kirche, die man aus den Steinen der Isenburg gebaut hat. Die alte Kirche war damals recht baufällig, sodass man den Bau einer neuen beschloss. Zu diesem Zweck sprengte man die Reste der Ruine Isenburg im Jahr 1751 und brachte die Steine ins Dorf. Geldknappheit bedingt durch den Siebenjährigen Krieg und Naturereignisse verzögern den Baubeginn um mehr als 50 Jahre. 1806 wir die neue Kirche endlich geweiht.

Zum Abschluss ein Spaziergang

Der Weg führt uns wieder in den Wald hinein und bringt uns letztendlich an den Ausgangspunkt unserer Wanderung zurück – Burg Stein in Hartenstein. Wenn wir das bisher noch nicht getan haben, können wir nun die Burg genauer in Augenschein nehmen. Begehbar ist sie allerdings nur mit Führung, darauf haben wir aber verzichtet. Den kleinen Innenhof kann man aber auch so betreten.

Alternativ können wir auch noch eine Weile auf dieser Seite der Mulde bleiben und uns nach links dem Schloss Wolfsbrunn zuwenden. Eigentlich ist Wolfsbrunn gar kein wirkliches Schloss, sondern die ehemalige Villa eines Bergbauunternehmers vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Heute befindet sich im Gebäude ein Hotel mit Restaurant. Zum Abschluss ein kleiner Spaziergang durch den schönen Schlosspark lohnt sich aber allemal. Besonders schön: der Brunnen und der idyllische Teich direkt hinter dem Eingang.

 

 

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16 Kommentare zu „Von Burg Stein zur Ruine Isenburg – Wandern im Erzgebirge“

  1. Glücklicherweise gibt es Menschen, die gerne wandern und von ihren Tripps so wundervolle Fotos mitbringen, wie du es tust. Dann kann ich mir die Wanderei sparen; irgendwie bin ich einfach noch kein Fan davon geworden. Obwohl dein Wandervorschlag selbst für mich recht verlockend klingt. 😉 Evtl. wirds ja doch noch mit mir und meiner Wanderfreude!
    LG Ina

  2. Eine schöne Wanderung stellt du hier vor. In dieser Gegend war ich oft mit meinen Eltern früher, weiss jetzt gar nicht genau wo aber an die Burgruine erinnere ich mich auf jeden Fall.

    LG aus Norwegen
    Ina

  3. Hallo Carina, Eine schöne Wanderung – und wenn das Ziel dann auch noch so eine mystisch wirkende Burgruine ist, macht das gleich doppelt soviel Spaß. Ich kann mich bei solchen historischen Gemäuern immer gar nicht beim Fotografieren zurückhalten und habe hinterher -zig Fotos 🙂 Danke für den tollen Reisetipp!
    Liebe Grüße, Cornelia

  4. Liebe Carina, das sieht und hört sich nach einer ganz wunderbaren Wanderung aus! Ich bin immer wieder froh über Ausflugsziele und Wanderungen zu lesen, so gehen einem nie die Ideen aus 🙂

    Ganz herzlichen dank dafür!
    Isa von lustloszugehen

  5. Ich bin ja echt kein Wanderfan in dem Sinn, aber ich liebe ausgedehnte Spaziergänge im Wald. Das hat immer so etwas Entspannendes, Erdendes, Friedvolles – und deine Beschreibung und Bebilderung vom Raubrittersteig bis zur Radiumquelle wecken in mir gerade den Wunsch, mich dort für ein paar Minuten (oder Stunden) hinbeamen zu können… 🙂

  6. Ach wie schön! Schade, dass das von uns in Österreich aus so weit weg ist 😉 ich bin zwar kein großer Wanderfan, aber so kleine Wanderungen in der Natur mag ich auch sehr gerne. Sehr schöne Fotos!

    Lieben Gruß,
    ❤ Alice von alicechristina.com

    1. Na, Österreich hat ja auch jede Menge tolle Wandergebiete! Die muss ich irgendwann alle mal noch erkunden, oder wenigstens einige davon.. 😉 LG Carina

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