Eins hat ja jeder – die zwei Schlösser von Glauchau

Am Rande des Erzgebirgsbeckens liegt die Stadt Glauchau. Der Ort entstand Mitte des 13. Jahrhunderts im Schutze einer Burg als planmäßig angelegter Ort. Hier ansässige Gerber, Schneider, Tuch- und Schuhmacher sorgten für florierende Wirtschaft. Kein Wunder also, dass sich Mitte des 19. Jahrhunderts, zur Zeit der Industriellen Revolution, hier ein Zentrum der Textilindustrie entwickelte.

Inmitten dieser einst pulsierenden Stadt, steht seit jeher eine Schloss. Das besondere daran: es sind eigentlich zwei Schlösser – Schloss Forder- und Schloss Hinterglauchau. Dort schauen wir uns heute einmal etwas genauer um.

Schloss Glauchau heute

Die Glauchauer Schlösser sind heute ein Kulturzentrum. Seit 1950 befindet sich ein Museum im Schloss Hinterglauchau. Gegründet wurde es bereits 1884 und ist somit eins der ältesten Museen in Sachsen. Hier erfährt man einiges zur Stadt- und Schlossgeschichte und dem Alltag der seinerzeit zahlreichen in Glauchau ansässigen Weber.

Die Räumlichkeiten des Schlosses Forderglauchau nutzt man für die Stadt- und Kreisbibliothek und auch die Musikschule des Landkreises Chemnitzer Land hat ihren Sitz hier. Außerdem befindet sich in den Gebäuden ein Konzertsaal und eine Galerie.

Schloss Hinterglauchau

Um 1180 errichteten die uns bereits bekannte Herren von Schönburg an der Stelle der heutigen Glauchauer Schlösser eine Burg. Begegnet sind uns dieses Herren bereits auf Burg Kriebstein, Schloss Rochsburg, Kloster Wechselburg und im tschechischen Kadaň. Auch auf Burg Stein im sächsischen Hartenstein fallen in der Geschichte ihre Namen.

Ende des 15. Jahrhunderts herrschte auf sächsischen Adelssitzen ein regelrechter Bauboom. So wurde auch Schloss Hinterglauchau zu dieser Zeit einem kompletten Umbau unterzogen und erstrahlte bald als standesgemäßes Schloss im spätgotischen Stil. Die Gebäude umschlossen nun einen dreieckigen Hof und waren durch einen Graben von der Vorburg zur Stadtseite hin abgegrenzt.

Schloss Forderglauchau

Schon ein paar Jahrzehnte später folgte die nächste Erweiterungs- und Umbauaktion bei der die Anlage ihr heutiges renaissancehaftes Aussehen erhielt. Zu dieser Zeit erweiterte man Schloss Glauchau in die Vorburg hinein und baute somit Schloss Forderglauchau. Ihre Namen erhielten die Schlösser allerdings erst bei ihrer Teilung 1681 im Rahmen der Herrschaftsteilung im Hause Schönburg. Im Jahre 1900 starb die Linie Schönburg-Hinterglauchau aus und der Besitz ging an die Forderglauchauer Linie. Somit vereinten sich die Schlösser wieder.

Der damalige Graf lebte in Wechselburg und stellte große Teile der Räumlichkeiten den Glauchauer Museen zur Verfügung.

Eintrittspreise und Öffnungszeiten von Schloss Glauchau gibt es hier.

Besonders interessant

Eine Besichtigung der Kelleranlagen und unterirdischen Gänge ist nur mit Führung möglich aber sicher interessant. Da die Tür offen stand und uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst war, dass der Zugang nur mit Führung möglich ist, haben wir uns in den schmalen Gängen kurz umgesehen, können aber nicht mehr dazu sagen. Nur soviel: es ist verdammt eng da unten!

Am Eingang zum Kellergewölbe befindet sich die Weinstube. Hier sieht man Signaturen hochadeliger Besucher an Wänden und Decke. Eine Art frühe Graffitis sozusagen.

Umgebung

Neben dem Schloss fällt der Blick auf die stark verfallene Hirschgrundbrücke. Früher einmal war sie direkter Zugang zum Schloss, heute darf sie aus Sicherheitsgründen nicht mehr betreten werden. Möchte man eigentlich auch nicht, wenn man das Bauwerk betrachtet. Zerrissene Abdeckplanen und ein hölzernes Stützgerüst lassen die einstige Schönheit der Bogenbrücke kaum noch erahnen. Eine Sanierung kostet viel Geld, die Mittel fehlen bisher. Schade!

Nach einem Schlossrundgang bietet es sich an den Ausflug mit einem Spaziergang in der größten Parkanlage der Stadt Glauchau abzuschließen. Der Gründelpark entstand als natürliche Fortsetzung des Schlossparkes und liegt demnach in unmittelbarer Umgebung. Ab etwa 1875 legte man Wiesen und Wege an, setzte Bäume und andere Pflanzen und stellte Bänke auf. Im Mittelpunkt der Anlage steht der Gründelteich. Über eine kleine Holzbrücke gelangt man auf eine Insel mitten im Teich. Hier steht ein Denkmal zu Ehren des Grafen Richard Clemens von Schönburg-Glauchau. Daneben steht die Hedrich-Säule, die auf den ersten Blick etwas an die Siegessäule in Berlin erinnert. Kein Wunder, werden doch beide von Siegesgöttin Victoria gekrönt.

 

Neben den beiden Schlössern Forder- und Hinterglauchau gibt es in Glauchau durchaus noch mehr zu entdecken. Im Rathaus zum Beispiel gibt es ein Glockenspiel aus Meissner Porzellan. Vom Bismarckturm aus genießt man eine tolle Aussicht, bei gutem Wetter sogar bis zum Fichtelberg. Und auch das Villenviertel mit 25 liebevoll restaurierten Villen aus der Gründerzeit lohnt sicher einen Blick. All das werden wir uns aber ein anderes Mal anschauen.

 

 

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17 Kommentare zu „Eins hat ja jeder – die zwei Schlösser von Glauchau“

  1. Die Schlösser sehen ja recht minimalistisch aus. Sind für mich sogar eher schon Burgen – wobei ich den Unterschied nicht genau kenne 😀
    Schlößer üben so eine Faszination auf mich aus. Meine Großeltern kommen aus der Loire-Gegend in Frankreich die bekannt ist für ihre Schlösser.
    Liebe Grüße,
    Emilie von LA MODE ET MOI

    1. Burgen sind immer noch mit dicken Mauern umgeben und dienten eher zum Schutz und der Abwehr von Feinden.. Die meisten Schlösser waren ursprünglich auch mal Burgen, die man später aber umbaute.. Französische Festungen und Schlösser schauen wir uns auch irgendwann mal an. LG Carina

  2. Ich liebe ja Schlösser und Burgen! In Glauchau waren wir in meiner Kindheit auch öfter mal, kann mich sogar noch teilweise erinnern wenn ich deine Bilder an sehe. Danke für deinen Bericht.

    LG aus Norwegen
    Ina

  3. Wie toll! Ich liebe Burgen und Schlösser weil da immer so eine Faszination davon ausgeht. Deine Fotos sind sehr gelungen und machen echt Lust darauf einen Abstecher dorthin zu machen. Leider ist es für mich zu weit weg.

    Liebe Grüße
    Verena

  4. Die Schlösser sehen ja toll aus 😊 Ich liebe ja Schlösser und Burgen und finde, dass sie immer ein gewisses Etwas haben. Wir wohnen sogar witzigerweise neben einem Schloss, das heute vor allem für Geschäftsmeetings etc. genutzt wird. Deine Fotos machen aufjedenfall Lust darauf, einen Besuch dort abzustatten. Schade nur, dass es für uns so weit weg ist.

    Lieben Gruß,
    ❤ Alice von https://alicechristina.com

  5. Ich sehe mir sehr gerne alte Schlösser oder Burgen an, aber von diesen beiden habe ich noch gar nichts gehört. Eine tolle Gegend und auf jeden Fall mal einen Besuch wert, wenn ich deine Fotos so betrachte.
    Liebe Grüße
    Sigrid

  6. Ich finde alte Burgen total toll! Da kann man so schön von der Vergangenheit träumen. Wie das Leben auf der Burg wohl so war? Was das für Menschen waren, die dort lebten? Die Burg war mir bisher total unbekannt, aber besuchen würde ich sie schon gerne mal.

  7. DAS sind ja wirklich tolle Schlösser. Gibt es denn die Möglichkeit dort auch zu übernachten? Das wäre doch sicher eine wunderschöne Location um eine ungewöhnliche, romantische Nacht zu verbringen.

    Liebe Grüße, Katja

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