Von Stollen und Neinerlaa – Eine kulinarische Reise ins Erzgebirge

Das Erzgebirge war zu früheren Zeiten eine recht arme Gegend. Das spiegelt sich auch in den meist einfachen Gerichten wieder, die für diese Region typisch sind. Als Grundlage diente dabei meist die Kartoffel, da sie auch auf den kargen erzgebirgischen Böden gut wächst. Zu Hungerzeiten sprach sich übrigens auch die Kirche in Form der sogenannten „Knollenpredigten“ für den Kartoffelanbau aus. So entwickelten sich im Erzgebirge zum Beispiel verschiedenste Kartoffelpuffervarianten, wie Klitscher, Rauchemaad oder Buttermilchgetzen. Aber auch viele Pilzgerichte finden sich in der erzgebirgischen Küche. Schließlich wohnt man hier ja immer irgenwie in Waldnähe.

In der Weihnachtszeit fielen die Speisen dann etwas reichhaltiger aus. Alles was man übers Jahr angespart hatte, wurde jetzt aufgetischt. Griene Kließ mit Gänsebraten, Bratwurst und Sauerkraut, und nicht zu vergessen der erzgebirgische Weihnachtsstollen. Der, man mag es kaum glauben, im Vergleich zu anderen Stollen noch ein bisschen gehaltvoller ist.

Weihnachtsstollen aus dem Erzgebirge

Dieses ganz typische Backwerk fand seine erste Erwähnung im Jahre 1571 in Wolkenstein, sicher hat es ihn aber davor auch schon gegeben. Er stellt das eingewickelte Christkind dar. Man hört daher manch älteren Erzgebirgler auch „Kindl“ sagen, wenn es um den Stollen geht.

Früher hat man den Stollenteig zu Hause selbst zubereitet und beim Bäcker um die Ecke backen lassen. Das ist heute nicht mehr üblich. Man backt entweder selbst zu Hause, die meisten kaufen ihren Stollen aber wohl mittlerweile. Die Stollenbäckerei beginnt bereits in der Zeit um den Totensonntag. Ein guter Stollen muss nämlich 4-5 Wochen durchziehen, damit auch alle Zutaten ihren vollen Geschmack entfalten können.

Angeschnitten wird das Kindl dann traditionell am 1. Weihnachtsfeiertag. Der Stollen steht ja für das Christkind und vorher ist es ja noch gar nicht auf der Welt. Gegessen hat man dann davon manchmal bis Ostern.

Weil auf den erzgebirgischen Stollen noch eine dicke Schicht Butter und Puderzucker kommt, ist er noch ein ganzes Stück gehaltvoller als die Stollen aus anderen Regionen. Dafür schmeckt er aber auch noch einen Tick besser, finde ich. Stollengewürze verwendet man im Erzgebirge übrigens kaum, wenn doch, dann sehr sehr sparsam.

Du willst dich selbst mal am Stollen backen versuchen? Hier findest du ein Rezept.

Karoffelkuchen

Aus den Resten des Stollenteigs lässt sich ein leckerer Kartoffelkuchen zubereiten. Den Teig einfach mit etwas gekochter und geriebener Kartoffel strecken und auf einem Backblech verteilen. Da man den Stollen ja erst am 25.12. anschneiden darf, war das eine gute Gelegenheit um schon vorab zu prüfen, ob der Teig auch gelungen war. Nun gibt es zwei mögliche Varianten der Zubereitung eines Kartoffelkuchens:

Variante Eins: Teig erst backen, anschließend mit Butter bestreichen und mit einer Zimt-Zucker-Mischung bestreuen. Optisch erinnert diese Variante stark an Zuckerkuchen.

Variante Zwei: Den Teig erst dünn mit Buttermilch, dann mit reichlich geschmolzener Butter bestreichen und mit Zimt-Zucker bestreuen. Mit den Finger drückt man nun noch Vertiefungen in den Teig. An diesen Stellen sammelt sich dann beim Backen eine karamellisierte Butter-Zimt-Zucker-Mischung. Bei 180 Grad etwa 30 Minuten in den Backofen. Fertig!

Man kann den Teig natürlich auch einfach herstellen, ohne zwangläufig einen Stollen backen zu müssen.

Hier findest du ein Rezept zum selbst probieren.

Früchtebrot

Früchtebrot gibt es im Erzgebirge als Alternative zum Stollen und das darf man auch schon in der Adventszeit essen. Aber auch Früchtebrot braucht mindestens 4 Wochen bis es gut durchgezogen ist. Man muss also rechtzeitig mit dem Backen beginnen. Im Gegensatz zum Stollen ist ein Früchtebrot mit weniger Aufwand zu backen, nur das Kleinschneiden der Zutaten braucht etwas Zeit.

Zutaten für ein Früchtebrot

125 g Zucker
125 g Mandeln
125 g Haselnüsse
125 g Zitronat
125 g Rosinen
125 g Mehl
125 g getrocknete Pflaumen & Aprikosen (jeweils zur Hälfte)
125 g getrocknete Feigen
3 große Eier, ½ Päckchen Backpulver, Butter oder Margarine zum fetten der Form

Das Obst kleinschneiden, die Nüsse eventuell hacken. Alles vermengen und in eine 
gefettete Kastenform geben. Bei 180 Grad Umluft etwa 60 min backen. 
Is Neinerlaa am Heilig Obnd – Das Neunerlei am Heilig Abend

Am Heilig Abend wir dann geschlemmt. Pünktlich um 18 Uhr, wenn überall die Kirchenglocken läuten, wird das Neinerlaa serviert. Neun verschiedene Speisen werden dabei aufgetafelt, die aber von Haus zu Haus stark variieren können. Also das Eine, traditionelle Neunerlei gibt es nicht. Was auf den Tisch kommt hängt meist von der Tradition der jeweiligen Familie ab.

Warum neun? Neun ist durch Drei teilbar und die Drei zählt als Glückszahl. Die Neun bedeutet also dreifaches Glück. Die einzelnen Speisen haben dabei immer eine bestimmte Bedeutung.

Bratwurst steht für Herzlichkeit und Kraft

Sauerkraut damit das Leben nicht sauer wird oder auch für eine gute Ernte

Linsen oder Hirse damit das Kleingeld nicht ausgeht

Klöße, Karpfen oder Hering damit das große Geld nicht ausgeht

Gans, Schweinebraten oder Kuhhase (Kaninchen) dass einem das Glück treu bleibt

Nachtisch steht für Lebensfreude

Semmelmilch oder Buttermilch erhält die Gesundheit

Nüsse oder Mandeln helfen, dass der Alltag gut läuft

Rote Bete oder Pilze bringen Freude, Glück und rote Wangen (also ebenfalls Gesundheit)

Holunder– oder Hagebuttensuppe stehen auch für Gesundheit

Sellerie ist gut für die Fruchtbarkeit

Kartoffelsalat bewahrt die Sparsamkeit

Brot und Salz dürfen keinesfalls fehlen, sie fehlen sonst das ganze nächste Jahr. Das Brot wird angeschnitten aber nicht aufgegessen sondern über Nacht ins Tischtuch eingewickelt und liegen gelassen.

Zusätzlich legt man gern ein weiteres Gedeck auf für einen fremden oder armen Gast. Allerdings gibt es eine weitere Regel die besagt, dass ein Fremder an Heilig Abend den Hausfrieden stört. Das zusätzliche Gedeckt wird also nie benutzt. Auf dem Tisch steht der Erbleuchter, der nur von Hausherren angezündet werden darf und den ganzen Abend, bis zum Schlafen gehen, brennt. Stroh unter der Tischdecke erinnert an die Geburt des Christkindes im Stall und Kleingeld unterm Teller soll im kommenden Jahr reichen Geldsegen bringen. Außerdem wir abgeraten, vom Essen aufzustehen, da man sonst bestohlen wird oder die Hühner einem die Eier verlegen.

Wie du siehst gibt es also auch noch zahlreiche Bräuche, die ein solches traditionelles Neunerlei im Erzgebirge begleiten.

Wenn du gern selbst einmal ein Neinerlaa servieren möchtest, habe ich schon mal ein paar ausgewählte Rezepte für dich:

Holundersuppe für die Gesundheit
400 g reife Holunderbeeren
1 l Wasser
½ Zitrone 
1 St. Zitronenschale
30 g Stärkemehl
80 g Zucker 
Zimtrinde, ein paar Nelken,  Kirsch-  oder Johannisbeersirup 
nach Bedarf Rosinen, Apfelstücke, Wein 

Beeren mit Wasser aufkochen und durch ein Sieb rühren. 
Zucker und Gewürze dazugeben und mit der Stärke andicken. 
Mit Zitronensaft und Fruchtsirup abschmecken. 
Zur Verfeinerung können nun Apfelstücke, Rosinen oder 
auch ein Schuss Wein dazu gegeben werden. 
Serviert werden kann mit gerösteten Semmelwürfeln und eventuell einem Schuss Milch. 

 

Linsensuppe für reichlich Kleingeld
400 g Linsen 
3 EL Mehl
10-12 EL Zucker 
8 EL Essig
6 TL Salz 
1 Prise Pfeffer
4 Scheiben Speck

Linsen über Nacht einweichen. Am nächsten Tag mit Wasser aufgießen und 1 Stunde köcheln. 
Mehl mit etwas Wasser verrühren und zu den Linsen geben. Speck in kleine Würfel schneiden 
und in der Pfanne auslassen bis er knusprig ist. Den Eintopf gut würzen und den Speck dazu 
geben. Eventuell nochmal nachwürzen. Statt Speck kann man auch gut Knacker nehmen. 
Auch Kassler eignet sich gut für einen Linseneintopf. 

Um die richtige süß-sauer Note zu erreichen muss man ein wenig probieren. Die Mengenangaben 
sind nur Richtmengen. Lieber erstmal weniger würzen und ziehen lassen. Nachgewürzt ist dann schnell.

 

Heringssalat für das große Geld
300 g Matjeshering
2 kleine Zwiebeln
2 Gewürzgurken
½ TL Senf
2 EL Essig
1 Gewürzkorn

Matjes in mundgerechte Stücke schneiden. Zwiebel und Gurke klein schneiden 
und hinzufügen. Zum Schluss würzen. 2 bis 3 Stunden ziehen lassen. 

 

Selleriesalat für die Fruchbarkeit
1 Sellerieknolle
½ TL Salz 
1-2 EL Essig
1 TL Zucker 
1 EL Salz 
1 EL (Salat)ÖL
Wasser

Sellerie waschen, schälen, klein schneiden und 30 min im Salzwasser köcheln. 
Abgießen und mit Salz, Essig, Zucker abschmecken. Etwas Öl dazugeben und 
gut durchziehen lassen. 
Auch hier muss man wieder etwas probieren um den gewünschten süß-sauren 
Geschmack zu erreichen. Also lieber nochmal nachwürzen. 

 

Kartoffelsalat für die Sparsamkeit
1 kg Kartoffeln 
1 Glas Gewürzgurken
1 große Zwiebel 
500 g Fleischsalat
Salz und Pfeffer

Kartoffel waschen, kochen und abkühlen lassen. 
Zwiebel und Gurken klein schneiden. Zusammen mit dem Fleischsalat 
und einem Schuss Gurkenbrühe in eine Schüssel geben. Mit Salz und Pfeffer 
würzen. Die Kartoffeln schälen, in Scheiben schneiden und am besten noch 
lauwarm in die Schüssel geben. Wenn der Salat zu trocken ist, kann man noch 
etwas Gurkenbrühe dazugeben. Im Kühlschrank gut durchziehen lassen.

Noch mehr Rezepte zu den einzelnen Speisen finden sich natürlich auf den entsprechenden Seiten im Internet.

Guten Appetit!

 

 

Bilder: Pixabay

 

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Und jetzt bist du dran! Was kommt bei dir traditionell an Heilig Abend auf den Tisch?

 

 

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20 Kommentare zu „Von Stollen und Neinerlaa – Eine kulinarische Reise ins Erzgebirge“

  1. Traditionell Kartoffelsalat und Würstchen! Das man die Stollen beim Bäcker bäckt gibts schon noch, also meine Schwiegermutter macht das immer so. Ich mag ja überhaupt kein Stollen, kam gar nicht gut an bei den Schwiegereltern;-).

    LG aus Norwegen
    Ina

    1. Sicher gibt es das noch! Nur früher hat das jeder so gemacht, heute ist es eher selten, dass man seinen Stollen überhaupt selbst macht, meine ich. LG Carina

  2. Bei uns gibt es Heiligabend immer Karpfen. Ich finde es schön, wenn man an alten Familientraditionen festhält.
    Ich bin ja erst vor ein paar Jahren ins Vogtland gezogen. Dort ist mir aufgefallen, dass es Kartoffelkuchen hier das ganze Jahr übergibt. Ich kannte es bis dahin auch nur als Besonderheit in der Zeit des Stollenbackens. Aber das liegt wahrscheinlich an der Liebe zur Kartoffel 🙂
    Liebe Grüße und eine schöne Adventszeit, Manja

    1. Karpfen kenne ich nun eher wieder als traditionelles Silvester-Essen. Den Kartoffelkuchen gibt es wohl mittlerweile überall das ganze Jahr über, seine Ursprünge hat er aber in der Weihnachtszeit. LG Carina

  3. Heiligabend ist bei mir immer anders, daher kann ich da irgendwie keine richtige Antwort drauf geben. Aber deinen Berciht finde ich super schön gelungen und auch die Rezepte sind inspirierend. Schön schön und danke, LG, Cindy

  4. Das Neunerlein finde ich ja interessant.
    Bei uns gibt es Heilig Abend immer unterschiedliches. Kommt sehr drauf an in welcher Konstellation gefeiert wird. Dieses Jahr haben wir uns noch nicht festgelegt.

    LG Alexandra

  5. Liebe Carina,
    dein liebevoller Beitrag hat mich gerade daran erinnert, dass ich mal mit meinen Großeltern im Erzgebirge zur Weihnachtszeit war. Die kunstvoll geschnitzten Schwippbögen waren besonders beeindruckend.
    Vielen Dank für tollen Rezepte. Das ein oder andere probiere ich auch mal aus.

    Liebe Grüße,
    Mo

  6. Wow, da bekommt man ja direkt Appetit! Mein Favorit ist die Holundersuppe. Ich muss dieses Jahr Heiligabend kochen – mal sehen, ob ich eines Deiner Rezept verwenden kann (nur bitte keine Gans oder Fleischlastiges). Viele Grüße!

  7. Bei dem Selleriesalat wurde ich an meine Kindheit erinnert 😍 meine Mama hat auch immer einen ähnlichen gemacht. Das Früchtebrotrezept werde ich gleich veganisieren – ich liebe Früchtebrot so sehr 😍
    Dankeschön für’s Teilen!

    Ein Lächeln,

    Miri von thesoulfoodtraveller.com

  8. Mein Mann macht einen tollen Kartoffelsalat! Da freu ich mich schon drauf, wenn es den am heiligen Abend gibt. Deinen Beitrag finde ich toll und super recherchiert. Tolle Rezepte.

    Lieben Gruß, Bea

  9. „Neinerlaa“ ich höre förmlich wie meine Freundin aus dem Erzgerbirge es ausspricht. Hach, schön! 😀
    Toller artikel, wieder was gelernt! ^^
    Bei uns wechselt das Weihnachtsessen meistens… Meine Oma macht aber auch immer Stollen selbe (ich esse sie nie xD) & selbstgemachte Kekse dürfen natürlich auch nicht fehlen.

    Liebe Grüße

  10. Ich weiß noch gar nicht, was in diesem Jahr auf unseren Tisch kommt! Meist etwas, was die ganze Familie gern isst, sowas wie Lasagne! Nicht klassisch weihnachtlich, aber lecker! Einen Tag später steht dann immer eine Ente auf dem Tisch! Davon ess ich aber nie mit 😉

    Ich fand deine kulinarische Reise sehr interessant! Neun Speisen, auweia, da würde mein Magen streiken 🙂 Aber total interessant!

    Liebe Grüße
    Jana

  11. Das ist ja mal ein interessanter und informativer Beitrag. Vielen Dank dafür! Ich wusste das bisher nicht und auch die Geschichte zum Stollen fand ich interessant. Vielleicht werde ich eines der Rezepte mal ausprobieren.

    Viele Grüße,
    Diana

  12. Pingback: 7 Länder – 7 Bräuche: Kurioses und Kulinarisches aus der Weihnachtszeit - Routinebruch

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