Klosterruine Heilig Kreuz

Von mittelalterlichen Gemäuern geht eine große Faszination aus, nicht zuletzt, weil das doch eher raue Mittelalter aus heutiger Sicht sehr romantisiert wird. Wir sind diesem Zauber ebenfalls stark verfallen. Ob alte Burgen oder Schlösser, verfallene Ruinen oder stille Klostermauern – wir nutzen jede Gelegenheit um solch altes Gemäuer zu erkunden.

Bei unserem Ausflug nach Meißen drängte es sich also förmlich auf, einen Abstecher zur nur wenige Autominuten entfernten Klosterruine Heilig Kreuz einzuplanen. Die Anlage wurde seit Ende des 16. Jahrhunderts nicht mehr genutzt und verfiel seitdem. Erste Sicherungsarbeiten fanden erst Ende des 20. Jahrhunderts statt. Mutter Natur hat sich die alten Mauern inzwischen zu großen Teilen zurück geholt und bereits Künstler wie Caspar David Friedrich und Johan Christian Dahl zu einigen ihrer Werke inspiriert.  Bei einem Spaziergang auf der liebevoll gepflegten Anlage der Klosterruine Heilig Kreuz kann man in aller Ruhe einen Moment der Stille genießen und sich in die Vergangenheit zurückdenken. 

Klosterruine Heilig Kreuz im Mittelalter

Begonnen hat die Geschichte des Klosters Ende des 12. Jahrhunderts. Es heißt, dass Adela von Meißen hier lebte, nachdem sie von ihrem Mann Ottokar I. Přemysl nach dessen Krönung zum böhmischen König, verstoßen wurde. Adela war die Schwester von Dietrich dem Bedrängten, dem damaligen Markgraf von Meißen. Nach Adelas Tod übergab Dietrich die Anlage an die Benediktinerinnen und stattete das Kloster mit weitläufigem Grundbesitz aus. Die Ländereien des Klosters reichten bis nach Torgau, Oschatz und Leipzig.

Ursprünglich stand das Kloster Heilig Kreuz einmal an anderer Stelle. Erst im Jahre 1217 verlegte man es an den Standort, an dem es heute noch steht. Mit der Umlegung erfolgte auch der Bau eines Kirchengebäudes. Außerdem unterstellte Markgraf Dietrich das Kloster Heilig Kreuz den Zisterziensern von Altzella. Papst Honorius III. stellte die nun nach zisterziensischen Regeln lebenden Benediktinerinnen unter päpstlichen Schutz. Und auch der Meißner Bischof suchte das Kloster gemeinsam mit Zisterzienseräbten auf. Es entbrannte ein Streit um die Zugehörigkeit des Klosters, der sogar zu Urkundenfälschungen führte.

Bald schon ließen aber die Zuwendungen für das Kloster Heilig Kreuz nach. Der neue Markgraf, Dietrichs Nachfolger, verlagerte seinen Lebensmittelpunkt nach Dresden und scherte sich wohl nicht mehr um die Meißner Gegend. Hinzu kam, dass die Zisterzienserorden im Allgemeinen in einer wirtschaftlichen Krise steckten. Nicht zuletzt durch die Konkurrenz der neu entstandenen Bettlerorden.

Nach der Reformation hob man das Kloster schlussendlich auf und übergab die Anlage im Jahre 1570 inklusive ihrer weitläufigen Feld-, Wald- und Wiesengrundstücke der Landesschule St. Afra, auch heute noch eine Schule für besonders begabte Schüler. Die Klostergebäude verfielen mit der Zeit und wurden im Dreißigjährigen und Siebenjährigen Krieg vollends zerstört.

Die Klosterruine Heilig Kreuz im 20. Jahrhundert

Seit 1945 befindet sich auf dem Klostergelände eine Gärtnerei. Ein paar Jahrzehnte später, 1994, zog das Hahnemannzentrum in die alten Gebäude ein. Mit Hilfe von Fördermitteln konnten endlich Sicherungsarbeiten an der Klosterruine vorgenommen werden. Man versucht nun die alten Mauern in ihrem schwebenden Zustand zwischen Natur und Kultur zu erhalten.

Leben im Kloster Heilig Kreuz

Unter Aufsicht einer Äbtissin lebten im Kloster Heilig Kreuz 30 bis 40 Nonnen und Laienschwestern. Nach Ablegen des Gelübdes – leben in Armut, Keuchheit und Gehorsam –durfte der abgeschlossenen Bereich, die Klausur, von den Nonnen nicht mehr verlassen werden. Bis zu 7 mal am Tag versammelte man sich zum gemeinsamen Gebet und Gesang. Die Schwestern lebten nach strengem Zeitplan, dennoch gelang es ihnen sich in ihrer wenigen Freizeit dem Fertigen verschiedener Näh- und Textilarbeiten zu widmen, Kräuter und Heilpflanzen zu kultivieren oder sich um Kranke und Pflegebdürftige zu kümmern. Einige studierten auch intensiv geistliche Texte und Gesänge.

Die Laienschwestern, die kein Gelübde ablegten, lebten in einem eigenen Bereich. Ihre Aufgabe bestand hauptsächlich im verrichten körperlicher Arbeit im Kloster oder auf den zahlreichen Gütern. Verwaltet wurden die Güter von Gutsherren, die der Probst des Klosters einsetzte. Er war außerdem für alle weltlichen Rechtsgeschäfte des Klosters zuständig und der einzige Mann, der die Klausur betreten durfte allerdings nur zum Feiern von Messen.

Die Mauern die man heute noch bestaunen kann sind Teile der Nonnenkirche, der Kapelle, des Kapitelhauses. Ebenfalls zu sehen sind Fragmente des Äbtissinenhauses und der Probstei.

  

  

  

  

  

   

   

   

   

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17 Kommentare zu „Klosterruine Heilig Kreuz“

  1. Liebe Carina,
    mit deinem Beitrag lässt du ja mein Herz für historische Gebäude und deren Geschichte aufleuchten. Ich lese so was super, super gerne und deine Bilder untermalen den Beitrag besonders schön. Zum Glück habe ich Verwandtschaft in Sachsen, da werde ich mal die Klosterruine auf meine „Möchte-ich-mal-sehen“ Liste setzten.

    Liebe Grüße,
    Mo

  2. Wie schade, letztes Jahr war ich zur Weihnachtszeit in der Ecke von Meißen, hätte ich das gewußt, sicher hätte ich einen Abstecher in die Ruine gemacht.
    Klöster finde ich haben immer einen ganz besonderen Charme.
    Liebe Grüße, Katja

  3. Liebe Carina
    Ich mag solche alten Gemäuer und Ruinen auch sehr gerne und liebe es dann darüber auch die Geschichte zu erfahren. Schön, dass du auch einiges zu der Geschichte über Heiligkreuz geschrieben hast, fand ich mega interessant. Bei uns in der Schweiz gibt es übrigens auch ein Kloster Heiligkreuz. Dieses ist aber noch von Mönchen bewohnt, es gibt dafür aber wunderschöne Gemälde und Fenster anzuschauen.
    Alles Liebe und wundervolle Weihnachten,
    Lena

    1. Darauf bin ich beim recherchieren auch gestoßen. Bei Rostock habe ich auch noch ein Kloster mit diesem Namen gefunden. „Heilig Kreuz“ war wohl sehr beliebt zu dieser Zeit. 😉 Dir auch ein wundervolles Weihnachtsfest und LG Carina

  4. Ich liebe alte Ruinen und Burgen. Sie alle tragen ihre eigene Geschichte bei sich. Manchmal kann ich es noch richtig „fühlen“, schwer zu beschreiben. Schön, dass alles noch restauriert und bewahrt wird, so geht die Geschichte nicht verloren. Deine Bilder sind ja mal wieder toll, da kriegt man richtig Lust, dort hinzufahren. Und man sieht, dass man nicht aus Deutschland ausreisen muss, es gibt hier so viel erstaunliches zu entdecken.

    Lieben Gruß, Bea.

  5. Pingback: Die schönsten Bilder aus dem 2. Halbjahr 2018 - #FoPaNet 2-2018 - Routinebruch

  6. Das wäre auch ein Ausflug für mich! Wenn ich verreise, brauch ich immer einen Kulturschock nach dem anderen und mittelalterliche Gemäuer sind da genau richtig für 🙂 Wir reisen bald nach Rom und werden uns da auch viele bekannte Bauwerke anschauen. Darauf freue ich mich schon!

    Liebe Grüße
    Jana

    1. Rom ist toll und zu sehen gibt es unglaublich viel! Die Stadt ist fast schon überladen mit alte Bauwerken, Ruinen und Ausgrabungsstätten.. Jedesmal wenn man um die nächste Ecke kommt, steht da wieder etwas Faszinierendes aus alten Zeiten. Ein riesiges Freilichtmuseum.. Viel Spaß wünsche ich euch! LG Carina

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