Auf den Spuren des Rochlitzer Porphyr – der Porphyrlehrpfad auf dem Rochlitzer Berg

Halb Sachsen wurde einst aus diesen Steinen gebaut, heißt es. Und tatsächlich begegnet uns an zahlreichen historischen Bauwerken dieser besondere Stein – der Rochlitzer Porphyr. Seine Farbschattierung reicht von rötlich über rotviolett und rotbraun bis hin zu beige. Entdeckt haben wir ihn bereits auf einigen unserer Touren durchs sächsische Schlösserland – etwa an der Augustusburg oder Burg Kriebstein. Für Kirchen und Brücken griff man ebenfalls gern auf Porphyr zurück. Und auch außerhalb Sachsens war Rochlitzer Porphyr ein beliebter Baustoff. Die Fundamentplatten des Brandenburger Tors oder das Bismarck-Denkmal in München sind ebenfalls aus diesem Material.

Auch am Kloster Wechselburg, zu dessen Fuße wir heute unseren Startpunkt gewählt haben, verbaute man dieses Gestein. Unser Ziel ist der Gipfel des Rochlitzer Berges, der mit etwa 350 Meter nicht unbedingt zu den Riesen zählt. Wir hatten uns vorab eine Route ausgesucht, die wir gehen wollten. Da uns das GPS aber mal wieder im Stich lies, verpassten wir direkt am Anfang den Abzweig und gingen unmittelbar falsch. Das ist allerdings nicht weiter schlimm, da in diesem Fall viele Wege nach oben führen. Wir folgten einfach den Wegweisern mit der Aufschrift „Rochlitzer Berg“.

(Die ursprünglich geplante Route kannst du dir bei Komoot ansehen. Wir haben lediglich den Startpunkt an eine andere Stelle verlegt.)

Vom Stein der Könige zum Alltagsgegenstand

Ausbrüche eines nahegelegenen Vulkans sind der Ursprung des Rochlitzer Porphyrs. Große Mengen Asche fielen in Vulkannähe nieder und türmten sich zu einem Berg auf – dem Rochlitzer Berg. Das geschah vor etwa 275 Millionen Jahren. Im Laufe der Zeit verdichteten sich die vulkanischen Aschen zum dem für die Rochlitzer Gegend typischen Porphyrtuff – allgemein als Porphyr bezeichnet.

Seine Farbe und die weißen und hellroten Adern, die den Stein durchziehen, lassen ihn marmorartig wirken. Diese charakteristischen Zeichnungen des Gesteins geben ihm einen hohen Wiedererkennungswert. Derartig ausgeprägt findet man das nirgendwo sonst. Man sagt daher auch gern und voller Stolz „sächsischer Marmor“.

Porphyr begegnet uns schon beim Aufstieg, wenn hier und da ein Gesteinsbrocken aus der Erde spickt. Bereits vor 3.000 Jahren begann man, die herumliegenden Blöcke zu Mühlsteinen zu verarbeiten. Erste Steinbrucharbeiten sind wohl etwa um das Jahr 1.000 nachweisbar. Der Bauboom in der Zeit der Romanik und Gotik sorgt ab dem 12. Jahrhundert für eine Blütezeit des sowohl robusten als auch leicht zu bearbeitenden Gesteins. Rochlitzer Porphyr findet man an zahlreichen eindrucksvollen sakralen und weltlichen Bauwerken. In seiner Heimatregion fand der Stein zudem Verwendung als Postsäulen, Wegweiser, Fenster- und Türeinfassungen oder beim Brückenbau; selbst Kanonenkugeln liesen sich daraus herstellen. Gemahlener Prophyr hielt sogar Einzug in die Medizin – angeblich half er bei Darmrissen, Koliken oder Vergiftungen.

„Der Rochlitzer Werkstein ist nicht kluftig, sondern ganz und unzerschrocken. Er stehet wohl im Wetter, hält im Brande und währet im Wasser.“
Petrus Alpinus in seiner Bergchronik

Als man Anfang des 20. Jahrhunderts das erste Steinbrech- und Walzwerk auf dem Rochlitzer Berg baute, erweiterte sich die Produktpalette erneut – Putz und Wegebelag, Kaltasphaltdecken und die Gestaltung von Sportstätten waren von nun an möglich. Die Aschebahn der Olympischen Spiele 1936 in Berlin bestand, ihr ahnt es sicher, aus rotem Rochlitzer Porphyr.

Rochlitzer Porphyr ist nach wie vor allgegenwärtig und an vielen historischen Gebäuden – besonders aber nicht nur – in Sachsen vorhanden. Schaut euch mal um, vielleicht entdeckt ihr auch in eurer Stadt dieses markante Gestein.

Porphyrlehrpfad auf dem Rochlitzer Berg

Als wir nach unserem Aufstieg auf den Rochlitzer Berg aus dem Wald treten, stehen wir ziemlich genau vor der ersten Station des 2,7 km langen Porphyrlehrpfades. Der Pfad windet sich um den Berggipfel und beginnt am „Waldschlösschen“, einer alten Bergwirtschaft von 1861 und endet am Friedrich-August-Turm, von dem man eine wundervolle Aussicht genießt.

Das „Waldschlösschen“, das neben Gastwirtschaft auch als Lazarett und TBC-Heilstätte herhalten musste, steht heute leer und interessiert uns nicht weiter. Uns zieht vielmehr der erste Steinbruch direkt gegenüber an, die Haberkornschen Brüche. Steinbrüche hier tragen meist den Namen ihrer früheren Besitzer. Dieser hier gehörte demnach der Familie Haberkorn. Wir folgen dem Pfad und kommen an einem alten Bergkeller vorbei, der zu einem Haus gehörte, das früher hier stand. Heute wohnen im Keller Fledermäuse. Am Keller vorbei trifft man auf die Überreste eines Pferdestalls, den man erst vor wenigen Jahren entdeckte. Futtertröge und Halteringe sind noch gut zu sehen. Direkt dahinter befindet sich der Steinbruch der Familie Haberkorn oder besser einer davon, denn ihnen gehörten die meisten Brüche auf dem Rochlitzer Berg.

„Die Familie Haberkorn, ursprünglich aus Franken, siedelte sich in Rochlitz an und betrieb seit 1613 Steinmetzhandwerk und Porphyrabbau. 1897 schlossen sich die vier Steinbruchfirmen auf dem Rochlitzer Berg zu den ‚Vereinigten Porphyrbrüchen auf dem Rochlitzer Berge GmbH‘ zusammen und verbesserten so die Wirtschaftlichkeit des Abbaus. Nachdem die Mitbegründer verstarben, gingen nach und nach alle Brüche in den Besitz der Familie Haberkorn über. Nach dem Krieg enteignet, wagte man nach Ende der DDR und Rückgabe des Unternehmens an die Familie einen Neuanfang.“

Wir verlassen den Steinbruch und folgen der Straße. Links kommen wir am Böhmestein vorbei, aufgestellt zu Ehren von Rudolf Böhme, Königlich Sächsischer Jäger Sergeant. 1866 feierte er mit Familie und Freunden im „Waldschlösschen“ seine Rückkehr aus dem Krieg. Auf dem Heimweg im Dunkeln stürzte er in den Haberkornschen Bruch. Den Sturz überlebte der frisch aus dem Krieg Heimgekehrte nicht. Das Leben geht manchmal seltsame Wege. Im Übrigen nicht der einzige Unglücksfall im Haberkornschen Bruch. Bereits weiter vorn begegnete uns der Gedenkstein eines jungen Mannes, der erst 2006 hier tödlich verunglückte.

Nächster Halt ist der Panorama-Ausblick. Es handelt sich dabei um eine frühere Schutthalde des Seidelbruchs. Nachdem sich die Natur langsam diesen ehemals kahlen Fleck zurückholt, wird die Panorama-Sicht Stück für Stück eingeschränkt. Irgendwann ist hier nichts mehr zu sehen, außer Wald. Auch gut.

Gegenüber der Aussichtsplattform baute der Steinbruchbesitzer Christian Gottlob Seidel 1817 die Einsiedelei. Zwischen zwei hohe Felsen setzte er eine Mauer, so entstand ein kappellenartig wirkender Bau. Auf der hinteren Seite führte eine Tür in zwei kleine Räume, die teilweise in eine alte Abraumhalde hinein geschlagen waren. Sogar einen Kachelofen gab es, wie Funde beweisen. Die Einsiedelei zog seinerzeit viele Besucher an. Seidel legte innen das „Stammbuch für die Freunde der Natur“ aus, in das sich Besucher eintragen konnten. Zwischen 1817 und 1832 taten das immerhin 3.000 Menschen. Hinzu kommen noch diejenigen, die sich nicht in das Buch eintrugen. Eine beachtliche Besucherzahl für die damalige Zeit. Man kam sogar aus Kopenhagen. Seidel gilt als bahnbrechend für die Etablierung des Fremdenverkehrs auf dem Rochlitzer Berg.

Auch das wenige Meter weiter oben liegende Denkmal für Friedrich August I. – die Königshöhe – ist Christian Gottlob Seidel zuzuschreiben. Dass das Denkmal aus Rochlitzer Porphyr gefertigt ist, versteht sich von selbst.

Weiter geht es zum Gleisbergbruch – einem sehr eindrucksvollem Steinbruch. Hier stehen auch noch die alten Gebäude, die üblicherweise zu einem Steinbruch gehörten – Sozialgebäude, Schmiede und ein Unterstand in dem die Steinmetze ihre Arbeit verrichteten. Hinter den Gebäuden findet man den Bruch. Auch die alten Gerätschaften sind hier noch zu sehen. Besonders beeindruckend ist die glatte Steinbruchwand mit eingehauenen Jahreszahlen, die bis 1947 reichen. Am besten sieht man das von der Aussichtsplattform, von der man auch den umfassendsten Blick über den gesamten Steinbruch hat. Als man in 60 Meter Tiefe angekommen war, konnte der Staub nicht mehr abziehen und viele der Arbeiter erkrankten an einer Staublunge. Steinmetzmeister und Steinbruchbesitzer Gleisberg brach daraufhin die Abbauarbeiten ab.

Von Aussichtsplattform des Gleisbergbruchs ist es nun nicht mehr weit zum Gipfel und dem Friedrich-August-Turm. Wieder war es Steinmetz Seidel, der die Idee hatte, hier einen Aussichtsturm zu errichten. Der 27 Meter hohe Turm zu Ehren König Friedrich-August II. konnte 1859, nach vier Jahren Bauzeit, fertiggestellt werden. Bei guter Sicht kann man bis zum Erzgebirgskamm auf der einen und dem Völkerschlachtdenkmal in Leipzig auf der anderen Seite blicken.

Neben den Turm beschloss man mit dem Türmerhaus, eine Turmwärterwohnung zu bauen. Der Turmwärter betreute den Aussichtsturm, kassierte Eintrittsgelder, verkaufte Andenken und pflegte die Anlage. Der dritte Turmwärter war übrigens der Vater des bekannten Tierfotografen Rudolph Zimmermann, der demnach einen Teil seines Lebens hier verbrachte. Heute gibt es keinen Turmwärter mehr. Das Türmerhaus nutzte man zwischenzeitlich als Imbiss und Gaststätte. Seit dem Bau des Bergrestaurants „Türmerhaus“ steht das eigentliche Türmerhaus leer. Um den Turm zu betreten muss man eine Schranke passieren, die sich mittels eine Euros öffnen lässt. Der Ausblick ist es auf jeden Fall wert.

Damit endet der Porphyrlehrpfad auf dem Rochlitzer Berg. Über eine Treppe gelangt man zurück zur ersten Station, dem „Waldschlösschen“ und kann sich nun einen Weg hinunter suchen. Unser Weg führt uns natürlich zurück nach Wechselburg, unserem Ausgangspunkt. Dort angekommen, entdecken wir letztendlich sogar den Abzweig, den wir am Anfang nehmen wollten, aber übersehen hatten.


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2 Kommentare zu „Auf den Spuren des Rochlitzer Porphyr – der Porphyrlehrpfad auf dem Rochlitzer Berg“

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