Das Weimar der Herzogin Anna Amalia

Reist man nach Weimar kommt man an Goethe und Schiller kaum vorbei. Auch anderen großen Namen begegnet man hier immer wieder bei einem Bummel durch die Altstadt oder einem ausgedehnten Spaziergang durch den beliebten Ilmpark. Zahlreiche Gedenkstätten und Denkmäler erinnern an das Weimar der großen Dichter und Denker vergangener Zeiten.

Viele von ihnen haben auch ihre letzte Ruhestätte hier gefunden. Ein Teil der Familie von Goethe liegt hier auf dem historischen Friedhof in einem Familiengrab. Johann Wolfgang von Goethe ruht in der Fürstengruft direkt daneben. Neben ihm steht der Sarg Schillers. Er ist heute allerdings leer. Die Gebeine, die man einst für die Seinen hielt, waren es letztendlich doch nicht. Auf dem kleinen Friedhof an der Jacobskirche, übrigens der älteste, noch existierende in Weimar, ruht Goethes Frau Christiane. Gleich in ihrer Nähe findet man das Grab eines der bedeutendsten deutschen Maler und Grafiker der Renaissance – Lucas Cranach d. Ältere.

Nach Weimar gekommen sind sie alle wegen einer Frau: Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach. Sie war es, die aus dem kleinen unscheinbaren Örtchen Weimar ein geistiges und kulturelles Zentrum machte und so die großen Denker ihrer Zeit anlockte.

Ankunft in Weimar

Als Anna Amalia nach Weimar kam um Herzog Ernst August II. Constantin zu heiraten, war sie gerade erst 16 Jahre alt. Ihre Ehe war arrangiert, wie es zu dieser Zeit eben üblich war. Immerhin teilten sie aber die Liebe zu Musik und Theater. Gemeinsam gründeten sie ein Hoftheater und legten damit den Grundstein für ein kulturelles Weimar.

Die junge, herzogliche Familie residierte standesgemäß im Stadtschloss am Ilmpark. In den Sommermonaten bewohnten sie gemeinsam Schloss Belvedere am Rande von Weimar. Das ehemalige Jagdschloss Ernst Augusts verfiel seit seinem Tod 1748. Als regelmäßige Sommerresidenz der Familie von Sachsen-Weimar-Eisenach erhielt es nun seine ursprüngliche Bedeutung zurück. Der anfangs streng barocke Schlosspark erfuhr durch Herzogin Anna Amalia, die gern mehr Weite und Natürlichkeit wollte, eine Umgestaltung. Sie lies zahlreiche Schmuckplätze und verschiedenste Parkarchitektur – Fontänen, Skulpturen, eine künstliche Ruine – anlegen. Herzog Carl Friedrich, Anna Amalias Enkel, vollendete die Umgestaltung des 43 ha großen Parks.

Durch den Ilmpark und den Ort Ehringsdorf gelangt man gut zu Fuß zum Schloss Belvedere. Unterwegs trifft man dabei auf einiges Sehenswertes!  Route bei komoot.

Heute befindet sich im Schloss Belvedere ein Rokoko-Museum. Hier bekommt man Einblick in das Leben am Hofe im späten Barock- und Rokokozeitalter. Außerdem hat sich das Musikgymnasium für hochbegabte Musikschüler hier angesiedelt. Mit etwas Glück hört man die Schüler beim üben und bekommt so eine musikalische Untermalung für den Spaziergang durch den Park.

Die Zeit als Regentin

Bereits 2 Jahre nach ihrer Hochzeit verstarb Herzog Constantin mit nur 21 Jahren, kurz vor der Geburt seines 2. Sohnes. Im Testament hinterließ er Herzogin Anna Amalia die vormundschaftliche Regentschaft, bis sein ältester Sohn die Mündigkeit erreicht und selbst regieren kann. Anna Amalia, gerade erst 18 Jahre alt, musste sich ihre eigene Mündigkeit erst vom Kaiser bestätigen lassen. Ein Jahr später übernahm sie das durch frühere Misswirtschaft und 7-jährigen Krieg stark in Mitleidenschaft gezogenen Herzogtum.

Ihre Regierungszeit begann sie mit Sparmaßnahmen mit denen sie versuchte das verarmte Land zu retten. Im gleichen Zuge verlieh sie dem Örtchen ein städtisches Bild, lies die Scheunen innerhalb Weimars abreisen und Straßenlaternen aufstellen. Das wohlergehen der Ärmeren Bevölkerung lag ihr ebenfalls am Herzen. Um deren Situation zu verbessern lies sie Schulen errichten, darunter auch eine Hebammenschule um die hohe Sterberate bei Müttern und Kindern einzudämmen.

Sie selbst verbrachte eine stark kulturell geprägte Kindheit am Hofe in Wolfenbüttel. Ihr Vater Carl I. legte viel Wert auf Kunst, Musik und Theater und sorgte für den Ausbau des Schul- und Hochschulwesen. Anna Amalia tat ihm gleich. Trotz ständiger finanzieller Probleme setzte sie sich Zeit ihres Lebens für den Erhalt der Kultur ein. Musik blieb stets ein wichtiger Bestandteil am Hofe. Regelmäßig lud sie Dichter und Künstler zum Gedankenaustausch ein. Viele ließen sich längere Zeit in Weimar nieder.

Mehr Zeit für Kultur

Als 1775 ihr Sohn Carl August die Regentschaft übernahm, hinterließ ihm Anna Amalia ein beinahe schuldenfreies Herzogtum. Frei von Regierungspflichten konnte sich Anna Amalia nun noch intensiver auf ihre zahlreichen Interessen konzentrieren, neben der Musik auch die Kunst und die Wissenschaft. Mit Schriftstellern, Künstlern und Gelehrten traf sie sich regelmäßig zum Gedankenaustausch im Wittumspalais, der zu einem der Mittelpunkte der Stadt Weimar florierte. Das Wittumspalais hatte sie nach dem Schlossbrand im Jahre 1774 bezogen. In den Sommermonaten verlegte man die anregenden Gespräche nach Schloss Tiefurt etwas außerhalb von Weimar. Seit 1781 nutzte Herzogin Anna Amalia das kleine Schlösschen als Sommersitz.

Schloss Tiefurt – ein zum Landschlösschen umgebautes ehemaliges Pächterhaus – diente seit 1776 als Wohnsitz für Anna Amalias zweiten Sohn, Prinz Friedrich Ferdinand Constantin. Er begann hier mit der Anlage eines 21 ha großen Landschaftsparks. Nachdem er sich 1781 auf längere Reisen begab verlegte Herzogin Anna Amalia ihren Sommersitz nach Tiefurt und setzte die Parkgestaltung fort. Auf beiden Seiten der Ilm findet sich verschiedene Parkarchitektur, Denkmäler und ein Teepavillon. Tiefurt entwickelte sich zum beliebten Treffpunkt für Dichter, Denker und Künstler. Goethe, Herder und Wieland gingen hier ein und aus.

Von Weimar aus sind Schloss und Park Tiefurt gut zu Fuß oder mit dem Rad zu erreichen. Man folgt einfach dem Radweg entlang der Ilm. Route bei komoot.

Im Schlösschen erhält man Einblick in die unterschiedlichen Nutzungsphasen des Gebäudes. Außerdem findet man hier Skulpturen des Hofbildhauers Martin Gottlieb Klauer sowie altes Porzellan aus China, Meißen und Wien.

Ein Nachruf

Anna Amalia verstarb am 10. April 1807 nach kurzer Krankheit und wurde auf eigenen Wunsch in der Stadtkirche St. Peter und Paul beigesetzt. In dieser Kirche predigte seit 1776 Johann Gottfried Herder, dessen Predigten Anna Amalia liebte. Nicht nur wegen des Inhalts sondern auch aufgrund Herders ruhiger und natürlicher Art.

Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach hat sich stets um den Erhalt und die Pflege von Musik, Kunst und Wissenschaft in Weimar verdient gemacht. So gelang es ihr den kleinen unscheinbaren Ort zu einem Zentrum geistigen und kulturellen Lebens zu verwandeln. Goethe erkannte dies und würdigte ihr in einem Nachruf:


„Der Lebenslauf der Fürstin verdient mit und vor vielen andern sich dem Gedächtnis einzuprägen, besonders derjenigen, die früher unter ihrer Regierung und später unter ihren immerfort landesmütterlichen Einflüssen manches Guten teilhaft geworden und ihre Huld, ihre Freundlichkeit persönlich zu erfahren das Glück hatten.“

Noch ein Tipp zum Schluss: Viele Einrichtungen in Weimar haben montags geschlossen, teilweise auch dienstags. Unbedingt vorher informieren!

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4 Kommentare zu „Das Weimar der Herzogin Anna Amalia“

  1. Liebe Carina,
    dein Beitrag kommt wie gerufen. Ich bin über die Osterfeiertage in Weimar und freue mich jetzt schon riesig. Wie schön, über die Herzogin Anna Amalia einiges zu erfahren. Denn die Bibliothek sehe ich mir auf jeden Fall an. Im Übrigen, ich bin dann zum ersten Mal im Osten des Landes.

    Liebe Grüße, Selda

    1. Ich bin mir sicher, liebe Selda, deine Vorfreude wird belohnt und du wirst nicht enttäuscht sein von dieser wundervollen Stadt. Es gibt so unglaublich viel zu entdecken. Die Anna-Amalia-Bibliothek habe ich selbst bisher noch nicht besucht, das werde ich noch nachholen müssen bei einer nächsten Reise. Für den Rokoko-Saal unbedingt vorbestellen! Die Besucherzahl ist hier begrenzt. Es gibt meines Wissens nur 70 Karten am Tag. Die frei zugängliche Bibliothek hat über die Ostertage allerdings geschlossen. Der Rokoko-Saal dürfte aber geöffnet sein. (mehr Infos auch hier: Klassik-Stiftung Weimar). Liebe Grüße, Carina

  2. Hab mir den jetzt mal gemerkt, denn ich will den unbedingt genauer lesen. Gerade hab ich ihn nur überfliegen können. Spannender Blickwinkel auf Weimar!

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