Burg Hassenstein

Burg Hasištejn – Ruine mit Aussicht

Auf der böhmischen Seite des Erzgebirges, oberhalb des kleinen Örtchens Místo (übersetzt heißt das „Platz“), im Bezirk Chomutov ganz in der Nähe der alten Königsstadt Kadaň, stand einst eine mächtige Burg – Burg Hasištejn. Sie zählt zu den ältesten Burgen im Erzgebirge.

Die Jahrhunderte haben der Burg mittlerweile zugesetzt und man sieht ihr den Verfall leider stark an. Immerhin ist sie seit gut 400 Jahren sich selbst überlassen. Dennoch lässt sich erahnen, wie beeindruckend das Bauwerk zu seinen besten Zeiten gewesen sein muss. Die besten Jahre waren sicher die zwischen der Erbauung um 1400 und 1600, als Burg Hasištejn durch den Tausch von Ländereien zurück in den Besitz der tschechischen Krone gelangte und verfiel. Eine frühere Burg hat es im Übrigen an dieser Stelle vermutlich bereits seit dem 12. Jahrhundert zum Schutz des Handelswegs von Kadaň nach Zwickau gegeben.

Von alten Bekannten

Ende des 14. Jahrhunderts herrschten über Burg Hasištejn die Herren von Schönburg. Aufmerksame Leser meines Blogs erinnern sich vielleicht an dieses alte Adelsgeschlecht in Verbindung mit den Glauchauer Schlössern, Burg Kriebstein, der Rochsburg oder auch mit der ehemaligen, zum Schloss umgebauten Klosteranlage Wechselburg. Nur wenige Jahrzehnte später verloren sie das Anwesen allerdings wieder durch die Belagerung des Wenzel IV. von Luxemburg, König von Böhmen sowie römisch-deutscher König. Erfolgreich erobert wurde die Burg allerdings erst durch die Unterstützung des Nikolaus von Lobkowicz, der fortan mit Burg Hasištejn belehnt wurde.

Bis zu Beginn des 16. Jahrhunderts blieb Burg Hasištejn im Besitz des alten böhmischen Adelsgeschlechts Lobkowicz. Aus der Linie stammt auch Bohuslaus Lobkowicz von Hassenstein. Ein auf Burg Hasištejn geborener, großer Gelehrter seiner Zeit mit kirchlichem Amt auf dem Prager Vyšehrad. Zudem war er Domherr und Bischof in Olomouc, der sechst-größten Stadt Tschechiens. Auch als Humanist, Dichter, Gründer der „Hassenstein’schen Bibliothek“ und Präsident der Gelehrten-Gesellschaft der Lutherstadt Wittenberg machte er sich einen Namen. Ein vielbeschäftigter Mann also, den auch Goethe lobend erwähnte.

Gefallen fand Herr von Goethe auch an Burg Hasištejn, der er seinerzeit einen Besuch abstattete. Damals auch schon eine Ruine, widmete er der Burg immerhin eine Zeichnung und einen Eintrag in seinem Tagebuch. Hundert Jahre später, 1910, brachte man zur Erinnerung an diesen Besuch eine Gedenktafel an. Diese Ehre wird uns sicherlich nicht zuteil, was uns aber natürlich nicht davon abhält es Goethe gleich zu tun und uns die alten Gemäuer einmal näher anzuschauen.

Spannendes Gelände und eine Überraschung

Nach gut einer Stunde Autofahrt von Chemnitz erreichen wir den großzügigen, kostenlosen Parkplatz. Er ist fast leer. Das freut mich, da ich ja eh keine überlaufenen Sehenswürdigkeiten mag. Zwischen den Bäumen kann man auch schon den Bergfried sehen. Bevor wir den Kern der Burg betreten können, müssen wir zwei Mauerringe passieren. Nach dem ersten stehen wir vor einer kleinen Brücke, links unterhalb war wohl einst der Henkersplatz. Die Mauer rechts neben dem zweiten Durchgang macht den Eindruck, als wolle sie sich gleich in die Tiefe stürzen. Ein riesiger, schon recht weit auseinanderklaffender Riss zieht sich von oben nach unten durch das komplette Mauerwerk. Sieht echt gefährlich aus. Hoffe die Mauer hält heute noch aus.

Über die kleine Holzbrücke gelangen wir in einen weiteren Vorhof. Rechts war früher mal eine kleine Gaststätte, wo man auch die Eintrittskarten kaufen konnte. Die hat aber wohl schon länger geschlossen. Eigentlich schade! Das Eintrittsgeld von 50 Kč (das sind nicht einmal 2€!) gibt man heute an einem kleinen Fenster schräg gegenüber der ehemaligen Gaststätte ab. Daneben hat man ein paar überdachte Sitzmöglichkeiten aufgebaut und einen Snack-Automaten aufgestellt. Wirkt irgendwie fehl am Platz. Eine Toilette findet sich übrigens im ersten Vorhof in Form eines Dixis, wohlbemerkt eines sauberen! Gegenüber des Ticket-Fensters geht es hinab in den Keller. Zwar kann man nur ein Stück gehen, dann steht man vor einem Gitter, aber das riesige Gewölbe, das man hier in den Felsen geschlagen hat, ist von dieser Stelle nicht weniger eindrucksvoll.

Durch einen weiteren Torbogen mit Fallgitter, an dem auch die Goeth’sche Gedenktafel hängt, erreichen wir nun endlich den Kern der Burg. Wir schauen uns in aller Ruhe um, lesen hier und da Informationstafeln. Burg Hasištejn ist zwar stark verfallen, die kleine Kapelle ist aber noch als solche zu erkennen. Auch die Wendeltreppe zum früheren Wohnbereich kann man erklimmen. Das sollte man aber unbedingt mit aller Vorsicht machen! Oben angekommen genießt man schon die ersten herrlichen Aussichten über das Erzgebirge. Und auch auf ein Kohlekraftwerk, das sich irgendwie überraschend gut in die Landschaft einfügt. Mag man oder auch nicht, es ist halt da und wird vermutlich auch nicht so schnell verschwinden. Wer das nicht sehen will, muss eben in eine andere Richtung schauen. Da gibt es dann endlos scheinende, dichte erzgebirgische Wälder zu sehen. Besser wird die Aussicht nur noch vom Bergfried.

Wollen wir natürlich auch noch sehen. Wir klettern wieder hinab und gehen über das Gelände. Die schmalen Wege sind mit Schotter ausgestattet und erfordern durchaus etwas Trittsicherheit. An einem schmalen Geländer kann man sich aber notfalls festhalten. Die Natur fühlt sich hier auch zu Hause und hat bereits die ein oder andere Ecke zurückerobert. Herrlich wildromantisch! Im Bergfried oben erwartet uns eine kleine Überraschung – ein junger Waldkauz (vermute ich) saß im Turmfenster und brachte sämtliche vorbeilaufenden Menschen dazu, ein Fotosession zu veranstalten. Uns ebenfalls. Er lies sich davon allerdings nicht stören. War er wohl schon gewohnt.

Ab ins Gelände

Nach gut einer Stunde hatten wir alles gesehen. Damit sich die Anreise lohnt, hatten wir schon vorab eine kleine Wanderung im Anschluss an die Besichtigung geplant. Diese traten wir dann jetzt auch an. Vom Parkplatz weg führt ein kleiner Weg direkt in die umliegenden Wälder, die man vom Turm aus so wunderbar überschauen konnte. Vorbei an uralten Bäumen und riesigen Felsbrocken geht es auf unwegsamen Pfaden relativ steil hinab. Auch hier ist Trittsicherheit und vor allem festes Schuhwerk nicht fehl am Platz. Später müssen wir logischerweise auch wieder hinauf. Dass das noch steiler geht, war uns nicht bewusst. Dafür war die Strecke natürlich kürzer. Der herrlich alte Baumbestand mit seinen riesigen Wurzeln und die Sichtung eines Rehes entschädigen mich aber für derlei Aufstiege immer.

Zurück am Parkplatz überlege ich, ob wir unterwegs eine Zeitschleife durchlaufen haben, die uns zurück in die Vergangenheit katapultiert hat, denn der ganze Platz ist zugeparkt mit Kraftfahrzeugen der Marke Trabant und Wartburg. Ok, ein Treffen von Liebhabern dieser Automarken ist da vermutlich naheliegender. Auf jeden Fall ein netter Anblick zum Abschluss.

In Verbindung mit einer Wanderung kann man aus einem Besuch auf Burg Hasištejn einen prima Tagesausflug machen. Für die Verpflegung empfehle ich entweder einen Picknick-Korb zu packen und sich ein Plätzchen auf der Burg zu suchen oder man fährt in einen der nahe gelegenen Orte wie Chomutov oder Kadaň. Da bekommt man auf jeden Fall etwas gutes zu Essen!

Zum anschauen, nachlaufen, umbauen gibt es hier wie immer unsere Tour auf komoot.de.

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4 Kommentare zu „Burg Hasištejn – Ruine mit Aussicht“

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