Festung Varberg

Festung Varberg – Bollwerk am Kattegat

Varberg liegt in der schwedischen Provinz Halland und ist gleichzeitig der Hauptort der gleichnamigen Gemeinde. Direkt am Kattegat gelegen bietet Varberg einige hübsche Sandstrände und hat sich damit als Badeort einen Namen gemacht. Heilquellen, ein historisches Badehaus und eine beeindruckende Festungsanlage runden das Touristenprogramm ab. Der guten Lage wegen zieht es natürlich jährlich tausende Menschen in den beschaulichen Ort. Genannte Sehenswürdigeiten tragen selbstverstädnlich auch ihren Teil dazu bei. Dennoch hinterlässt Varberg keinen übermäßig touristischen Eindruck und wirkt vielmehr beschaulich. Ein hübscher kleiner Ort mit einigen Highlights.

Uns interessierte in Varberg hauptsächlich wo sich der kleine Fährhafen befindet, da wir für ein paar Tage später eine Überfahrt ins dänische Greena gebucht hatten und dann nicht erst lange suchen wollten. Und da wir nun schon hier waren, ließen wir uns auf keinen Fall Varbergs fästning entgehen!

Die dänische Festung Varberg

Ursprünglich stand hier nur ein Schloss aus dem 13. Jahrhundert, heute wird es von massiven Mauern und Wehranlagen umgeben. Der dänische Graf Jacob von Halland lies es sich im 13 Jahrhundert bauen – ein Nord- und ein Südflügel, im Westen verbunden durch eine Mauer. Die Nord-Gebäude sind nahezu im Original erhalten, den südlichen Teil musste man abreisen und neu aufbauen. Im alten Schloss hat sich das Kulturhistorische Museum eingerichtet. Ein Highlight der Ausstellung ist wohl der Bockstensmann, eine Mumie aus dem 14. Jahrhundert. Man vermutet dahinter einen Steuereintreiber, der von Bauern erschlagen und von selbigen im Moor versenkt wurde. Im Mittelalter gilt das sicher noch als Berufsrisiko. Für das Museum waren wir allerdings zu spät, das hatte bereits geschlossen.

Bis 1645 gehörte die Region Halland und eben auch Varberg noch zu Dänemark. Ausnahme bildeten dabei die Jahre 1564-69, die Zeit des Dreikronenkrieges. In diesen Jahren erlag das Schloss bei Kämpfen zwischen Dänen und Schweden großer Zerstörung. Beim anschließenden Wiederaufbau entschied man sich für Festungsanlagen rund um das Schloss. Damals entstand ein großer Teil der Festung wie sie heute noch zu sehen ist. Die Kanonen sind ebenfalls aus dieser Zeit.

Steht man vor der Festung wirkt sie durch die massiven Mauern äußerst imposant – ein steinernes Bollwerk auf dem stufenartig mehrere Erdwälle aufgeschüttet sind. Obendrauf thront das ehemalige Schloss hoch über dem Kattegat. Auf der Meerseite gelangt man über Stufen hinauf auf die weitläufige Anlage und kann sich in Ruhe umschauen. Außer uns waren nicht viele Menschen hier, vielleicht weil das Museum schon geschlossen hatte. Man kann auf den verschiedenen Ebenen um das Schloss herumlaufen, vorbei an den wiederhergestellten Verteidigungsanlagen mit zahlreichen Kanonen, die die Anlage zu allen Seiten hin sichern sollte.

Wir gehen am Schloss vorbei, rechts von uns steht die Schanzmauer mit einer Glocke. Diente wohl zum Alarm schlagen, vielleicht auch einfach nur nachträglich angebrachte Deko. Sieht auf jeden Fall alt aus. Geradeaus führt ein Torbogen durch das mittlere Gewölbe. Folgt man dem Weg gelangt man zu den später gebauten Kasernen, Offiziersgebäuden und Gefängniszellen, Karl XI. hatte etwas weiter unten einst seine Stallungen.

Die schwedische Festung Varberg

Mit dem Frieden von Brömsebo 1645 ging die Festung Varberg in schwedischen Besitz über. Man baute einige Kasernen und Werkstätten, überließ die restliche Anlage ab da aber mehr oder weniger dem Verfall. 1830 strich man Festung Varberg sogar aus der Liste der Verteidigungsanlagen und gab damit der Stadt die Erlaubnis, die Steine der Festung für andere Zwecke zu nutzen – den Bau der Hafenmauer zum Beispiel. In den Kasernen hat sich heute ein Familienherberge und eine Bäckerei niedergelassen.

Als man 1848 beschloss Teile der Festungsanlage als Gefängnis zu nutzen, begannen Um- und Neubauarbeiten. So entstanden die Zellen im Bollwerk Smedjebastionen zu dieser Zeit. Bereits 40 Jahre später schloss man das Strafgefängniss wieder, bis in die 1930er Jahre diente Festung Varberg aber noch als Staatsgefängnis. Den letzten Gefangenen entlies man 1931.

Bereits einige Jahre zuvor begann man mit Sanierungsarbeiten an den verfallenen Gebäuden und dem Freilegen eingestürzter Kasematten und Bastionen. Die Sanierung letztendlich abgeschlossen hat die schwedische Grundstücksverwaltung, die seit 1993 im Besitz der Festung Varberg ist. Mit Ausnahme des Museums, ist die Besichtigung der Festung kostenlos, spektakuläre Aussicht über Varberg und Kattegat inklusive!

Entlang der Strandpromenade

Nachdem wir uns ausgiebig umgesehen haben und die Festung wieder verlassen, schlendern wir noch ein paar Meter über die Strandpromenade und im kleinen Hafen umher. An der Strandpromenade zieht ein Gebäude sofort unsere Blicke auf sich – ein auf Stelzen über dem Meer stehendes Holzhaus. Mit seinen Zwiebeltürmchen und Ornamenten wirkt es fast orientalisch und will sich so gar nicht in das Bild zwischen Hafen und Festung einordnen – Varbergs Kallbadhus.

Das historische Badehaus von Varberg erreicht man über eine Holzbrücke, die das Holzhaus mit dem Strand verbindet. Es ist schon das dritte Haus an dieser Stelle. Das Erste baute man bereits 1866, 1886 das Zweite. Beide zerstörte ein schwerer Sturm. Das aktuelle Badehaus ist aus dem Jahr 1906.

In Varbergs Kallbadhus, also dem Kaltbadehaus, herrscht Geschlechtertrennung. Saunieren und Baden finden nämlich ohne Bekleidung statt. Vermutlich hat das traditionelle Gründe im historischen Kaltbadehaus, an den vielen FKK-Stränden Schwedens geht es immerhin auch gemischt zu. Die Saunabereiche befinden sich jeweils in den Seitenflügeln, zum Baden steigt man dann durch einen Bodenausschnitt hinab ins Meer.

Wir gehen aber nicht baden, sondern weiter Richtung Hafen. Dort drehen wir noch eine wirklich kleine Runde auf der Suche nach der Ablegestelle der Fähre, die wir allerdings erst finden als wir das Hafenbecken wieder verlassen. Lag dann doch etwas versteckt. Gut, dass wie uns das vorher schon einmal angeschaut haben.

Sicher hat Varberg noch einiges mehr zu bieten, etwa die vielen Sandstrände und Heilquellen. Wir müssen aber weiter!

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