Schlossteich Chemnitz

Vom Kloster zum Schloss – Chemnitzer Geschichte

Vom „Camencini Fluvius“ – dem Chemnitzfluss – hörte man schon 892 zum ersten Mal. Ganz in seiner Nähe überfiel man den Bischof Arn von Würzburg, der dabei auch zu Tode kam. Im Jahre 1136 gründete Kaiser Lothar ein Kloster oberhalb dieses Flusses und nannte es „Zu unserer lieben Frauen auf dem Berge“. Die Gründung des Klosters geht vermutlich ebenfalls auf einen Todesfall zurück: ein gewisser Herr Heinrich von Groitzsch begab sich 1135 auf eine Reise zu Kaiser Lothar. Er überlebte die Reise nicht, woraufhin der Kaiser zu seinen Ehren ein Kloster errichten lies, eben dieses auf einem Berg am Chemnitzfluss.

Als Reichskloster und Tochterkloster des Benediktinerordens St. Jakob in Pegau erhielt man hier im Laufe der Zeit wertvolle Rechte und Ländereien, die den Mönchen einiges an Macht verliehen und dem entstehenden Ort Aufschwung gaben. Die günstige Lage an einem „böhmischen Steig“, derjenige, der von Leipzig/Altenburg über Penig und den Erzgebirgskamm nach Böhmen führt, trugen ebenfalls zur schnellen Entwicklung bei.

Aller Anfang ist schwer – auch mit Gunst des Kaisers

Kirchenrechtlich unterstand das Kloster selbstverständlich dem Papst, in weltlichen Dingen jedoch dem jeweiligen Kaiser. Zwar versprach dieser allen Klöstern Schutz, vermutlich verliert man aber irgendwann den Überblick bei der doch recht großen Anzahl der einem Kaiser unterstehenden Orden. In den ersten Jahren nach Gründung kämpfte man also regelmäßig ums Überleben des Klosters. Ständige Plünderungen die letztendlich zur nahezu kompletten Zerstörung führten, machten den Glaubensbrüdern anfangs immer wieder zu schaffen. 1235 zog man sogar in Erwägung die gesamte Anlage an einen nahe gelegenen Zisterzienserorden zu veräußern. Dazu kam es aber dann doch nicht.

Ein erster richtiger Aufschwung gelang um 1270. Die Hilfegesuche an Papst und Kaiser trugen wohl endlich Früchte und das Kloster erhielt fast alle um Chemnitz liegende Dörfer als Schenkung oder Kauf. Bei der Auflösung des Benediktinerklosters im Zuge der Reformation waren 41 Dörfer in dessen Besitz. Nicht schlecht! Mit den neuen Besitztümern waren nun auch genügend Mittel zum Wiederaufbau vorhanden. Erst um 1300 legte man aufgrund Streitigkeiten mit der inzwischen unabhängigen Stadt Chemnitz und Rabenstein einen Baustopp von etwa 200 Jahren ein.

Zurück zum Ursprung „Ora et labora“ – „Bete und Arbeite“

Seine Hochzeit als mächtiges Reichskloster erreichte es unter dem Abt Heinrich von Schleinitz (1483-1522). Der geistige und moralische Verfall in den Klöstern dieser Tage zog mittlerweile weite Kreise: religiöse Pflichten übte man nur nach nachlässig aus, Lesen und Schreiben konnten nur noch die wenigsten, unerlaubte Beziehungen machte man mit dem sogenannten Hurenzins wieder wett, man tanzte, trank und feierte und häufte weltliche Besitztümer an, von denen man sich eigentlich bei Eintritt ins Kloster lossagte. Auch im Chemnitzer Kloster lies man sich ordentlich gehen. Dem Gebot der neue Abt endlich Einhalt und führte die Mönche wieder zu ihrem ursprünglichen Motto „ora et labora“ zurück – „Bete und Arbeite“.

Abt Heinrich begann mit Umbauarbeiten in Kloster und Kirche, legte den heutigen Schlossteich als Fischereiteich an und erweiterte die Bibliothek, die es letztendlich auf einen beachtlichen Bestand von 600 Werken brachte. Darunter nicht nur theologische Literatur, man widmete sich auch den humanistischen Schriften bekannter Philosophen wie Horaz, Cicero und Erasmus von Rotterdam. Nicht zu finden waren wissenschaftliche Ausarbeitungen. Im Kloster gab es niemanden, der sich einem Studium widmete und sich mit entsprechenden Themen befasste. Erst 1540, mit Auflösung des Kloster, entschlossen sich einige Mönche für den Weg eines Studiums.

Leben im Kloster Chemnitz

Die wichtigste weltliche Aufgabe eines Klosterbruders bestand im Ausüben der Gastfreundschaft und der Armenpflege. Daneben beschäftigte man sich mit dem Anbau von Obst und Gemüse und vermittelte Kenntnisse in der Fischzucht. Letzteres gipfelte unter Abt Heinrich von Schleinitz in der Anlage des Schlossteiches. Ab 1500 setzte sich in Chemnitz die Steinbauweise im Hausbau durch, die ebenfalls die Benediktiner-Mönche vom Kloster auf dem Berg einführten und auf dieses Weise auch den Landesausbau voran brachten.

Die Benediktiner sind ein Mönchsorden, der im 6. Jahrhundert in Italien entstand. Die Mönche leben nach den Regeln des Heiligen Benedikt von Nursia, der auch das erste Ordens-Kloster auf dem Monte Cassino gründete.

Zudem förderten sie durch Vergabe von Aufträgen das Kunsthandwerk in der Region. Schriftkundige Mönche wiederum schrieben das mündlich überlieferte Wissen der Schaffenden nieder und sorgten durch Abschriften für dessen Verbreitung. Der bekannteste Chronist ist der Mönch Johannes Monsterberg. Von ihm stammen die ältesten bekannten Aufzeichnung über Stadt und Kloster Chemnitz um 1500.

Vom Marktflecken zur Stadt

Schon bevor die ersten Mönche kamen, gab es im dichten Urwald – dem Miriquidi – bereits eine kleine slawische Bevölkerung. Königliche Wolfsjäger hatten sich hier niedergelassen. Mit den Mönchen kamen dann auch fränkische Siedler. Durch Rodung des Waldes und Bewirtschaftung des dabei gewonnen Bodens entstand in einem langen Prozess letztendlich die Stadt Chemnitz.

Nicht zuletzt durch Privilegien des Klosters. Als Reichsgründung erhielt das Kloster verschiedene Rechte, die die Entwicklung einer Stadt immens begünstigten. Besonders das Marktrecht sollte man an dieser Stelle erwähnen. Aus diesem Recht ergab sich ein Marktflecken, der sich vermutlich bereits zwischen 1168 und 1172 zur Stadt entwickelte. Die daraus entstandene Stadt Chemnitz unterstand anfangs noch dem Schutz und natürlich auch der Macht des Kloster aber schon im 13. Jahrhundert gelang ihr die Unabhängigkeit.

Der einstige Marktflecken unter klösterlicher Obhut stieg im Laufe der Jahrhunderte zu einer der zeitweise bedeutendsten Industriestädte Deutschlands auf. Zum Aufschwung trugen bereits im Mittelalter gefundenen Erz- und Silbervorkommen im Erzgebirge bei. Besonders im Bereich Maschinenbau machte sich Chemnitz einen Namen. Mit der Dampfmaschine veränderte sich dann auch das Stadtbild. Zahlreiche Schornsteine hüllten die Stadt unter eine Glocke aus Rauch und Schmutz und brachten so den Beinamen „Sächsisches Manchester“. Das ist aber schon wieder eine andere Geschichte.

Vom Kloster zum Schloss

Mitte des 16. Jahrhunderts nagelte Luther seinen Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg und brachte Deutschland die Reformation der Kirche. Im Zuge dessen endet die Geschichte des Klosters „Zu unseren lieben Frauen auf dem Berge“ am Chemnitzfluss im Jahre 1540 mit dessen Aufhebung durch Herzog Heinrich. Der letzte Abt Hilarius Carpentarius von Rehburg, der direkte Nachfolger des Abtes Heinrich, konvertierte zum evangelisch-lutherischen Glauben und heiratete die Tochter des Chemnitzer Bürgermeisters.

Umgehend erfolgte der Umbau zum Wohnschloss. Den klösterlichen Wirtschaftshof gliederte man aus und lies ihn als Schlossvorwerk fremd bewirtschaften. Eine kurze Hochzeit genoss das Schloss unter Kurfürst Johann Georg I. bevor es im 30-jährigen Krieg schwere Schäden zu verzeichnen hatte. Zum fürstlichen Wohnen war es nunmehr kaum geeignet, also überließ man die Gebäude dem Verfall. Ende des 18. Jahrhunderts begann man dann mit dem Abbau eines Großteils der alten Klostergebäude.

Die Kirche blieb von den größten Schäden verschont und erhielt 1668 nun offiziell den Namen „Schlosskirche“. Anfangs noch als Gotteshaus dienlich, unterlag sie nach Abriss der Klostergebäude verschiedener Zweckentfremdungen. Von Lazarett über Restaurant und Pferdeställe bis hin zu königlichem Salzlager war nahezu alles dabei. Erst ab 1820 fanden wieder Gottesdienste statt, zunächst noch sowohl katholisch als auch evangelisch.

In den folgen Jahren begannen zahlreiche Bau-, Umbau- und Restaurationsarbeiten, die bis heute andauern. Ein so großes altes Gebäude will eben immer gepflegt werden. Erwähnenswert ist noch die 1897 erfolgte Kirchweih nach erster Restauration der alten Kloster- bzw. Schlosskirche mit neuem Turm mit neugotischer Spitzhaube. Mit 86,5 Meter war er zu seiner Zeit der höchste der Stadt. Nach dem 2. Weltkrieg ersetzte man den Turm durch eine romanische Konstruktion. Mit nur noch 48 Meter büßte er an Höhe ein.

Das Schlossbergmuseum

Schon vor dem Krieg begann man nun auch die damals vom Abriss verschont gebliebenen Klostergebäude zu restaurieren und ein stadt-geschichtliches Museum einzurichten. Die erste Eröffnung des Schlossbergmuseum fand am 5. Februar 1931 statt. 1995 konnte es wiedereröffnet werden. Neben zahlreichen Informationen zur Geschichte sowohl des Klosters als auch der Stadt Chemnitz, findet man im Schlossbergmuseum eine bemerkenswerte Sammlung mittelalterlicher Skulpturen. Auch sehenswert: ein reich verziertes Heiliges Grab indem man zum Karfreitags-Gottesdienst den Corpus Christi symbolisch beisetzte inklusive eingeritzter Zeichen und Buchstaben offenbar gelangweilter Messdiener. Eine Art mittelalterliches Graffiti. Auch im restaurierten Kreuzgang sollte man seinen Blick in Ruhe schweifen lassen, neben der mittelalterlichen Heizungsanlage einer der letzten Zeugen des Benediktinerklosters.

Ein Besuch des Schlossbergmuseums lohnt sich also. Im Anschluss empfiehlt sich ein Spaziergang rund um den Schlossteich mit anschließender Einkehr in eines der kleinen Gasthäuser im kulinarischen Viertel am Fuße des Schlossberges. Oder auch andersherum!

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Werbung
Teile es!

Related Post

2 Kommentare zu „Vom Kloster zum Schloss – Chemnitzer Geschichte“

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: