Museum Saigerhütte Grünthal

Saigerhütte Grünthal – ein Weltkulturerbe

An der alten Silberstraße, da wo die Natzschung in die Flöha mündet, steht ein einzigartiges Zeugnis des erzgebirgischen Hüttenwesens – die Saigerhütte Grünthal und das technische Museum Kupferhammer. Seit 2019 gehört der gesamte Komplex zum UNESCO Weltkulturerbe. Grund genug also um sich die historische Anlage einmal anzuschauen und dabei einiges zum komplexen Vorgang des Saigerns zu lernen, der ein hohes Maß an Wissen und Können voraussetzte.

Wie man Kupfer und Silber trennt

Die grundlegende Aufgabe einer erzgebirgischen Saigerhütte war die Gewinnung von Kupfer und Silber aus gefundenem Kupfererz oder Schwarzkupfer. Der Prozess gestaltete sich anfangs recht schwierig, bis findige Nürnberger Alchemisten das Problem durch Zugabe von Blei beim Schmelzprozess lösten. Um die richtige Menge an Blei dem Schmelzprozess zuführen zu können, musste man vorher den im Erzklumpen vorhandenen Gehalt an Kupfer und Silber bestimmen. Dieser Prozess fand am sogenannten Probiertisch statt und erforderte ein gewisses Talent.

Lange Zeit hielten die Hüttenmeister diese Kunst des Saigerns geheim. Erst mit dem 1556 erschienen Werk des Georgius Agricola (übrigens nur die lateinisierte Variante von Georg Bauer) kam etwas Licht ins Dunkel für bis dahin Nicht-Eingeweihte. Im Prinzip besteht das Saigern aus zwei Schritten, die die Rohstoffe im Erz trennen und einem bzw. zwei weiteren Schritten um das gewonnenen Silber bzw. Kupfer zu einem höheren Reinheitsgrad zu verhelfen.

Schritt 1 – Im Schachtofen verschmilzt man silberhaltiges Kupfererz mit der zuvor berechneten Menge Blei. Es entsteht ein Gemisch aus silberarmen Kupfer und silberhaltigen Blei. Das Gemisch fliesst in Tiegel ab und erstarrt zu einer Scheibe.
Schritt 2 – Die Kupfer-Blei-Silber-Gemisch-Scheibe schmilzt man nun erneut im Saigerherd. Dabei macht man sich die unterschiedlichen Schmelztemperaturen der verschiedenen Stoffe zu nutze. Das silberhaltige Blei fliesst wieder ab, zurück bleiben Kupferstücke (Kienstöcke).
Schritt 3 – Die sogenannten Kienstöcke bringt man in den Darrofen. Kohle wird unter starker Luftzufuhr zum glühen gebracht, wobei die hochschlagenden Flammen über die Kienstöcke streichen und so Bleireste und andere Unreinheiten entfernen. Es entsteht ein reineres Kupfer, dass nun Darrling heißt.
Schritt 4 – Im letzten Arbeitsgang schmilzt man die Darrlinge in den Mulden eines Garherdes unter starker Luftzufuhr. Eventuelle immernoch vorhandene Verunreinigungen bilden dabei einen Film auf der geschmolzenen Masse, die einfach abgezogen wird. Nach mehrmaligen Schmelzvorgängen erhält man nun ein nahezu reines Kupfer, dass man verkauft oder in den Hammerwerken weiterverarbeitet hat.
Schritt 5 – In einem weiteren Arbeitsgang trennt man das bisher noch nicht verarbeitete Silber vom Blei, das in Schritt 1 entstanden ist. Das Gemisch bringt man auf die große Platte eines Treibeherdes auf und deckt es mit glühender Kohle ab. Mit einem eisernen Hut verschließt man das Ganze. Das Blei fliesst ab und zurück bleibt Silber. In einem weiteren Schmelzvorgang im Brennhaus, reinigt man das Silber nochmals.

Der gesamte Prozess war also abhängig von der Temperatur. Da es damals noch keine Messgeräte gab, waren hier natürlich ausschließlich Fachleute gefragt.

Museumskomplex Saigerhütte Grünthal – eine kleine Stadt

Zu Hochzeiten bestand die komplexe Anlage aus 4 Hammerwerken mit insgesamt 15 Hämmern, die das Kupfer verarbeiteten, riesige Blasebälge heizten das Feuer an, beides angetrieben von 20 Wasserrädern. Ein wohl durchdachter Arbeitsprozess, der in den Jahren 1567 bis 1853 immerhin 12.755 t Kupfer und 522 t Silber hervorbrachte. Das waren zum Teil mehr als 10% dessen, was die sächsischen Bergwerke insgesamt produzierten. Aus dem gewonnenen Kupfer stellte man in den Hammerwerken 60% aller in Sachsen erzeugter Kupferbleche her. Waren die zentnerschweren Hämmer in Betrieb, müssen sie wohl weit durchs Flöhatal geschallt haben.

Im Zentrum der Museumsanlage steht die eigentliche Saigerhütte von 1537, auch als „Langes Haus“ bezeichnet. Das Gebäude musste wegen Baufälligkeit Mitte des 20. Jahrhunderts abgerissen werden. Ende des gleichen Jahrhunderts begann man mit dem Freilegen der Grundmauern und rekonstruierte die verschiedenen Herdarten. Um dauerhaft wirtschaftlich arbeiten zu können, musste man zeitweise Schwarzkupfer aus Ungarn, Polen oder Mansfeld zukaufen. Das Blei bekam man aus Goslar, Böhmen, Polen und teilweise sogar über den Seeweg aus England oder Schweden.

Inmitten der alten Grundmauern steht auch ein Pochwerk. Das kam zum Einsatz, wenn Schlacken und Gekrätz (da sind Abfälle aus dem Schmelzofen) zerkleinert werden mussten um sie anschließend wieder im Schmelzprozess einzusetzen. Das ist auch der Grund, warum man in der Umgebung keine Abraumhalden findet: das Abfallmaterial brachte man immer wieder in den Produktionskreislauf ein. Sehr nachhaltiges wirtschaften finde ich!

Um die Ruine herum stehen einige hübsch sanierte Häuser. Das größte Gebäude am Platz ist das Herrenhaus bzw. die Faktorei. Das Gebäude erweiterte man mehrfach und nutzte es zu Verwaltungszwecken. Aber auch die kurfürstliche Familie des August von Sachsen residierte in einigen der Räume, wenn sie vor Ort waren. Heute findet man im Erdgeschoss die Schauwerkstatt eines Olbernhauer Holzgestalters.

Gegenüber der Faktorei ist das Kupferwarenlager von 1903, dass heute eine kleine sehenswerte Ausstellung zur Geschichte der Saigerhütte beherbergt. Zahlreiche Dokumente, Funde und Skulpturen geben Auskunft über den Produktionsprozess, wirtschaftliche Aspekte und über Arbeits- und Lebensverhältnisse zu Zeiten der Saigerhütte. Am Probiertisch kann man einen Eindruck gewinnen, welches Wissen für die Bestimmung der Zusammensetzung der Metalle notwendig war um die richtige Menge Blei für den Schmelzprozess daraus abzuleiten.

Auf der anderen Seite der Saigerhüttenruine lädt die Hüttenschänke zur Einkehr ein. Anfangs wohnte dort der Schichtmeister, bis man ihm ein neues Haus baute und etwa 1586 im alten Haus eine Schänke einrichtete. Bier ausschenken durfte man hier bis 20 Uhr Abends um die Arbeit am nächsten Tag nicht zu gefährden. Das Bier braute man direkt in der hütteneigenen Brauerei, dadurch bekamen die Hüttenarbeiter das Bier auch vergünstigt. Da gönnt man sich sicher schon mal eins mehr. Eine Sperrstunde scheint da durchaus vernünftig. Immerhin läutete das Glöckchen auf dem Turm über der Schänke die Schicht am nächsten Morgen bereits um 4 Uhr in der früh ein. Dann musste man durchhalten bis 18 Uhr. Schwierig, wenn man am Abend zuvor bis in die Nacht hinein dem Alkohol wohlgesonnen war.

Zahlreiche weitere Gebäude finden sich im Museumsgelände der Saigerhütte. Neben dem HAus des Schichtmeisters, dass zusammen mit der Hüttenschänke heute das Hotel Saigerhütte bildet, finden sich auch ein paar Arbeiterhäuser. Eines davon, das Seiferthaus, kann man besichtigen. Zwei Räume sind hergerichtet – einmal mit typischer Inneneinrichtung der Zeit und eine Spinnstube. Die Arbeiter wohnten hier mietfrei, mussten sich aber um den Erhalt der Einrichtung kümmern. Diese Wohnregelung hatte zweierlei Vorteile: zum einen hielt man die eigenen Arbeiter in der Nähe, zum anderen waren sie sofort zur Stelle, wenn mal wieder ein Feuer ausbrach. Das kam bei Hütten tatsächlich relativ häufig vor. Klar, offenes Feuer und Funkenflug.

Diese kleine in sich geschlossenen Gemeinde mit vielen weiteren notwendigen Gebäuden, die das Leben vor Ort erleichterten – wie ein kleiner Laden, eine Schule, etc. – war umgeben von einer Schutzmauer. Anfangs hielt man eine hölzerne Abgrenzung zum Schutz der Anlage für ausreichend, musste sich allerdings in Kriegszeiten eines besseren belehren lassen. Im 17. Jahrhundert baute man dann einen steinernen Schutzwall mit Schießscharten.

Außerhalb der Mauern

Auch außerhalb der früheren Schutzmauer finden sich einige interessante Gebäude. Eine Mühle zum Beispiel, die die Arbeiter mit Mehl, Brot und anderen Backwaren versorgte. Die einzige Möglichkeit für die hier lebenden und arbeitenden Menschen sich mit diesen Lebensmitteln einzudecken. Gleichzeitig waren sie auch verpflichtet hier zu kaufen, um dem Mühleninhaber genug Abnehmer zu garantieren. Heute hat sich in der alten Mühle ein kleines Cafe eingerichtet.

Wo viel gefeuert wird, braucht es auch Unmengen an Holz und Kohle. Das Holz kam zu großen Teilen über den Fluss Natzschung aus Böhmen, der hier in die Flöha mündet. Ein paar Meter weiter Richtung Tschechien, bereits auf böhmischem Gebiet, befand sich einst ein Floßplatz mit Meilerstätte. Hier zog man das Holz mit großen schweren Rechen an Land. Das in kurfürstlichen Wäldern geschlagenen Holz schnitt man auf 1,25 m Länge. Im Frühjahr bei Hochwasser flösste man es dann über den Fluss zu besagtem Platz. Die Köhler setzten das Holz dann zu Meilern und brannten einen Teil der benötigten Holzkohle. Den restlichen Bedarf deckte man mittels Meilerstätten in der Umgebung.

Technisches Museum Kupferhammer

Auch außerhalb der Mauern des Saigerhüttenkomplexes Grünthal steht der letzte der ehemals vier Kupferhämmer, heute als technisches Museum zu besichtigen. Den sogenannte Althammer erbaute man 1537. Er ist somit nicht nur der letzte sondern auch der älteste der vier Hammerwerke. Bis 1914 verarbeiteten hier riesige Hämmer Buntmetalle zu Blechen, Kesseln und Schalen. Bekanntheit über deutsche Grenzen hinaus hat dabei das Grünthaler Dachkupfer erlangt. Gebäude in aller Welt wurden damit gedeckt: Zwinger und Frauenkirche in Dresden, Stephansdom in Wien, Alexander-Newski-Kathedrale in Sofia um nur einige zu nennen. Natürlich auch die alles überwachende kleine Bergkirche im Ort.

Eine hölzerne Welle, die durch ein Wasserrad angetrieben wird, setzte den 300 kg schweren Eisen-Breithammer und die beiden jeweils 150 kg schweren Spitzhämmer in Gang. Bei einer Führung kann man sich heute dieses eindrucksvolle Schauspiel, das den Boden zum beben bringt, einmal ansehen. Gehörschutz ist dabei nicht notwendig, denn im Gegensatz zu früher geht der Hammer heute zu Anschauungszwecken auf Schaumstoff nieder. Die Geräuschkulisse ist also problemlos auszuhalten aber man kann erahnen welchem Lärmpegel man als Arbeiter damals regelmäßig ausgesetzt war.

Ein zweites Wasserrad betreibt ein riesiges Holkastengebläse. Auch das wird im Rahmen der Führung in Betrieb gesetzt. Der erzeugte Luftstrom geht dabei über ein Rohrsystem zum Schmiedeherd und facht so die Glut an in der man die Kupferblöcke erhitzte bevor sie auf den Amboss kamen um von den Hämmern bearbeitet zu werden. Die Einrichtung im Museum stammt aus einem der anderen Kupferhämmer. 1960 hat man die Geräte an ihren heutigen Platz gesetzt um das technische Museum Kupferhammer 1961 als solches zu eröffnen. Das ursprüngliche Gebäude erlitt bei einem Hochwasser im Jahr 1932 schwere Schäden. Der Zipfel am Schornstein außen stellt übrigens eine Krone dar und verweist so auf den Kurfürsten als Eigentümer der Anlage.

Erzählen liese sich an dieser Stelle sicher noch einiges mehr, besser aber ihr schaut es euch selbst einmal an:

Das Kombiticket für die Ausstellung im Kupferwarenlager und das technisches Museum Kupferhammer kostet 6,- € (ermäßigt 2,- €). Diese Investition lohnt sich wirklich!

Führungen im Kupferhammer finden Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen jeweils 9:30 bis 11:30 Uhr und 13:00 bis 16:00 Uhr statt. Eine Führung dauert etwa 20 bis 30 Minuten. Im Januar und Februar gibt es nur Gruppenführungen mit Voranmeldung.

Die Ausstellung im Kupferwarenlager kann von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 9:30 bis 16:30 Uhr besucht werden.

Eine Übersicht über alle Welterbeteile des Erzgebirges findet ihr HIER. In der Welterberegion Erzgebirge waren wir bereits hier auf Entdeckungstour:

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