Bergbaulehrpfad Fundgrube Peter und Paul

Auf dem Bergbaulehrpfad in Schneeberg – ein Weltkulturerbe

Schon von Weitem sichtbar ist die massive Kirche St. Wolfgang der Stadt Schneeberg im westlichen Erzgebirge. Hier, in der Grube St. Georgen, ganz in der Nähe der Kirche, fand man 1477 eine Silbererzmasse der Größe zwei mal vier Meter. Es ist überliefert, dass man aus dem acht Tonnen schwerem Block direkt vor Ort einen Tisch geschlagen hat, an dem man am 16.09.1477 Herzog Albrecht bewirtete.

Bergbau hat man in der Gegend hier aber schon lange vorher betrieben. Bereits um 1350 baute man im Gebiet des Örtchens Neustädtel nahe des Schneebergs, Zinn ab. Heute ist Neustädtel, das man 1454 erstmals offiziell bei diesem Namen nannte, ein Stadtteil des später entstandenen, nach dem Berg benannten Ortes Schneeberg. Hier legte man in den 80-er Jahren den Bergbaulehrpfad an, auf dem wir heute unterwegs sind.

Vom Berggeschrey zur Bergbauhochburg

Als man 1470 auf dem Schneeberg die ersten großen Silberfunde auftat, zog das Berggeschrey, wie auch schon einmal 300 Jahre zuvor in der Freiberger Gegend, zahlreiche Menschen an. Wie planlos sie sich damals ansiedelten, kann man heute noch am Grundriss der Stadt Schneeberg mit ihren unregelmäßigen Gassen erkennen. Zahlreiche Gruben entstanden in den folgenden Jahren. 1495 waren es in Neustädtel bereits an die 100 Stück. Gutes Vorankommen machte bald schon die ersten maschinellen Hilfsmittel notwendig – Pferdegöpel und Wasserhebemaschinen entstanden. Ebenso schossen Schmelzhütten und Pochwerke aus dem Boden.

Die Silbergewinnung bestimmte etwa Hundert Jahre den Schneeberger Bergbau, bis die Vorkommen etwa um 1575 größtenteils erschöpft waren. Bis dahin hatte man immerhin rund 210.000 kg Silber gewonnen. Aber auch ohne Silber kam der Bergbau in Schneeberg nicht zum erliegen. Inzwischen hatte man nämlich gelernt, wie man aus Kobalterzen blauen Farbstoff gewinnt. Der Kobalterzbergbau konnte zwar keine solche Hochzeiten wie der Silberbergbau verzeichnen, doch brachte er den Menschen ein gesichertes Auskommen für einen langen Zeitraum. Mehrere Blaufarbenwerke, deren Besitzer sich später zusammenschlossen und durch Kauf der Gruben lange Zeit großen Einfluss auf den Bergbau hatten, stellten nun die blaue Farbe her, ohne die sicher auch das Meißner Porzellan nicht das wäre, was es ist.

Um 1800 waren dann auch die Vorkommen an reichen Kobalterzen langsam erschöpft. Zum Abbau ärmerer Erze musste man tiefer graben. Dadurch stiegen die Kosten, gleichzeitig sanken aber auch die Erträge. Letztendlich führte dieser Zustand und die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung zum Niedergang des Bergbaus, der 1939 mit Stilllegung der letzten Gruben vorerst endete. Aber schon einige Zeit später, noch während des Krieges, nahm man den Bergbau doch wieder auf, man brauchte Rohstoffe für die Waffenproduktion. Zwischen 1946 und 1957 begann dann die Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft (SDAG) Wismut mit dem Abbau von Uran. Zu dieser Zeit entstanden nochmal zahlreiche neue Schächte.

Auf den Spuren mittelalterlichen Bergbaus – der Bergbaulehrpfad

Viele Sachzeugen des mittelalterlichen Bergbaus in Schneeberg und Neustädtel sind heute noch erhalten und liebevoll restauriert. Wo nichts mehr zu sehen ist, zeugen Tafeln von einstmals vorhandenem Bergbau. Verbunden wird das Erhaltene durch den Schneeberg-Neustädtler Bergbaulehrpfad auf dem wir heute viel lernen und entdecken.

Wir beginnen unsere etwa 10 km lange Tour auf dem Bergbaulehrpfad im Ortsteil Neustädtel an der Fundgrube Weißer Hirsch und dem gleichnamigen Besucherbergwerk, dass, trotz Tag des offenen Museums, leider nicht geöffnet hat. Zutritt ist hier nur an besonderen Tagen, von denen wir uns einen vormerken für einen späteren Besuch. Welche Tage das sind, kann man einer Tafel am Eingang zum Gelände der Bergsicherung Schneeberg entnehmen, worauf sich das Besucherbergwerk befindet. Gegenüber stehen aber gleich die ersten Häuser aus alten Bergbautagen – noch unsaniert steht hier das Huthaus und die Ausschlagstube der Fundgrube Weißer Hirsch.

Im Weißen Hirsch begann man 1480 mit dem Bergbau. Viel später erst, ab 1720, gewann man gute Silber- und Kobalterze, nach 1869 dann auch etwas Wismut und Uranerz. Mitte des 20. Jahrhunderts übernahm die SDAG Wismut die Grube und nutzte sie als einen der zentralen Schächte zur Urangewinnung. Am 16. März 1871 fand man hier ein farbenprächtiges Erz, in dem man fünf bis dahin unbekannte Uranglimmer entdeckte. Damals nannte man es auch den Jahrhundertfund.

Weiter geht es vorbei an einigen gelben Schildern, die auf ehemalige Fundgruben und Halden hinweisen. Wir kommen auch am alten Bergbaustift vorbei. Die Einrichtung zur Pflege kranker Bergmänner gab es bereits im 18. Jahrhundert. 1731 berichtet der Chronist Lehmann, dass jeder Bergmann wöchentlich 3 Pfennige gibt, wovon jeder kranke Bergmann jede Woche 8 Groschen erhält, bis er wieder gesund oder verstorben ist. Weiterhin verteilte man alle 4 Wochen 20 Thaler an arme Personen, vermutlich vorwiegend an Berginvaliden und Angehörige verstorbener oder verunglückter Bergmänner.

Der Straße weiter folgend kommen wir ans Siebenschlehener Pochwerk mit der daneben stehenden Silberschmelzhütte Sankt Georgen. Beides geöffnet, also schauen wir uns kurz um. Die ehemalige Silberschmelzhütte der Fundgrube St. Georgen, die in der man einst den Tisch aus Silber gehauen hat, baut man aktuell zu einer Pension um. Um 1519 galt sie als eine der bedeutendsten Schmelzhütten im Bergbaurevier Schneeberg. Heute ist sie eine der wenigen Zeitzeugen, die an die einst mehr als 13 Schmelzhütten erinnert. Im Pochwerk daneben bearbeitete man ab 1500 Erze, eine spezielle Kobaltaufbereitungsanlage ergänzte man 1752/53. Der Komplex besteht aus mehreren Kobaltkammern, dem Steigerhaus und einem Knappschaftsteich, der das Aufschlagwasser zum Betrieb der Anlage über einen kleinen Graben brachte. In den letzten Jahren nutzte man die Anlage zur Verarbeitung von Wolframiterzen. 1944 stellte man den Betrieb ein. Seit 1995 dreht sich das große Wasserrad wieder für Besucher.

Über einen kleinen Pfad bergauf kommen wir auch schon zur nächsten großflächigeren Anlage – der Fundgrube Gesellschaft. Ein großes Fachwerkhaus bestimmt das Bild. 1830 gebaut und jeweils zur Hälfte als Steiger- und Huthaus genutzt. Um 1500 förderte man etwas Silber, später dann Kobalt- und Wismuterze. Anfang des 17. Jahrhunderts zählte die Grube zu den reicheren Gruben. Technische Anlagen konnten daher auch regelmäßig erneuert und aktualisiert werden. Nach 1900 stellte man die Arbeit im inzwischen 291 m tiefen Schacht ein. Hinter dem Hut- bzw. Steigerhaus kann man sich eine Miniatur-Bergbaulandschaft mit vielen Nachbildungen verschiedener historischer Bergbau-Gebäude anschauen.

Etwas oberhalb der Fundgrube Gesellschaft liegt gleich die Fundgrube Sonnenwirbel, in der man bis ins 18. Jahrhundert reiche Silber-, Kobalt- und Wismuterze abbaute. Von hier oben hat man außerdem einen tolle Aussicht. Das Bild, das sich hier bietet, wird vom eindrucksvollen Kirchbau St. Wolfgang dominiert. Scheinbar schützend, wacht er weit oben über Schneeberg. Ein spektakulärer Anblick.

Bevor wir gleich den Filzteich erreichen, passieren wir auf unserem Weg noch einige weitere Fundgruben, die mit hübsch restaurierten Gebäuden aufwarten. Unmöglich sie hier alle näher zu beschreiben. Den Filzteich legte man in den Jahren 1483 bis 1485 als erste Talsperre Sachsens an, die zweite dann übrigens in Geyer. Das Wasser sollte zum betreiben der Bergbau-Anlagen dienen. Gespeist wird der Teich durch einen Zufluss, der sich seinen Weg durch ein Moor bahnt. Daher auch der Name, das im Moor abgebaute Torf nannte man früher Filz. Seit 1920 nutzt man den Filzteich als Badesee, später entwickelt sich hier ein sehr beliebtes Naherholungsgebiet.

Über Wiesen- und Feldwege und vorbei an weiteren kleineren Fundgruben, kommen wir kurz vorm Ende unserer Wanderung auf dem Bergbaulehrpfad noch zu einer größeren, gut erhaltenen Anlage. Nachdem man in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts einige Silberfunde machte, baute man hier später eher Kobalterze ab. Die Fundgrube Wolfgangmaßen war um 1800 die bedeutendste Kobaltgrube im Revier Schneeberg. Die Förderung stellte man im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts ein. Die Fundamente der Förderanlage, Huthaus, Steigerhaus, Pochwerk und Bergschmiede sind noch erhalten. Auch hier können wir einen kurzen Blick ins Innere werfen, bevor wir unsere Wanderung auf dem Schneeberg-Neustädtler Bergbaulehrpfad beenden.

Der Schneeberg-Neustädtler Bergbaulehrpfad ist eine sehr informative Strecke bei der man tatsächlich jede Menge über den Bergbau des Reviers Annaberg und seine Entwicklung bis in die Zeit der Wismut AG lernen kann. Für uns steht jetzt noch das Abenteuer Besucherbergwerk an, bei dem wir dann selbst einmal in einen Schacht einfahren werden. Darüber berichten wir sicher ebenfalls.

Unsere Tour auf dem Schneeberg-Neustädtler Bergbaulehrpfad findet ihr natürlich auch wieder auf komoot.

Die vom Bergbau geprägte Landschaft im Gebiet um Neustädtel steht schon seit 1978 unter Denkmalschutz. Sei 2019 gehört sie nun auch zum UNESCO-Weltkulturerbe. Eine Übersicht über alle Welterbeteile des Erzgebirges findet ihr HIER.

In der Welterberegion Erzgebirge waren wir bereits hier auf Entdeckungstour:

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1 Kommentar zu „Auf dem Bergbaulehrpfad in Schneeberg – ein Weltkulturerbe“

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